Jons Einführung

Ich begann 1994, aktiv mit Linux herumzuspielen, als ich meinen Arbeitgeber davon überzeugen konnte, mir einen Laptop von einer Firma zu kaufen, die sich damals Fintronic Systems nannte. Als Unix-Anwender seit den frühen achtziger Jahren und als jemand, der schon immer im Quellcode herumgespielt hat, war ich Linux sofort verfallen. Schon 1994 war Linux ein sehr mächtiges System, und das erste wirklich freie System, mit dem ich jemals arbeiten konnte. Zu diesem Zeitpunkt verlor ich fast alles Interesse daran, mit proprietären Systemen zu arbeiten.

Ich hatte allerdings nie geplant, über Linux zu schreiben. Als ich anfing, mich mit O'Reilly zu unterhalten, hatte ich gerade den Job gekündigt, in dem ich 18 Jahre lang gearbeitet hatte, um eine Linux-Beratungsfirma zu gründen. Um auf uns aufmerksam zu machen, startete ich eine Site mit Linux-Nachrichten, den Linux Weekly News (http://lwn.net), auf der es unter anderem auch um Kernel-Entwicklung ging. Als die Beliebtheit von Linux explosionsartig zunahm, war das auch mit der Website der Fall, und das Beratungsgeschäft geriet so langsam in Vergessenheit.

Mein Hauptinteresse ist aber immer die Systemprogrammierung gewesen. Früher äußerte sich dieses Interesse darin, den ursprünglichen BSD-Unix-Paging-Code zu “fixen" (was ein ziemlich schrecklicher Hack gewesen sein muß) oder widerspenstige Bandlaufwerke auf einem VAX/VMS-System zum Laufen zu bringen (auf dem der Quellcode zur Verfügung stand, wenn es einem nichts ausmachte, daß dieser in Assembler und Bliss geschrieben war und nur auf Mikrofilmen geliefert wurde). Im Laufe der Zeit hatte ich Treiber für Systeme wie Alliant, Ardent und Sun geschrieben, bevor ich mich damit befaßte, Linux etwa als Echtzeit-Radardaten-System einzusetzen oder — während ich an diesem Buch arbeitete — das Sperren der I/O-Request-Warteschlange im Linux-Diskettentreiber zu reparieren.

Die Gelegenheit, an diesem Buch zu arbeiten, war mir daher aus mehreren Gründen sehr willkommen. Es war unter anderem eine Chance, sich tief in den Code einzuarbeiten und anderen mit ähnlichen Zielen zu helfen. Linux sollte immer nicht nur nützlich sein, sondern auch Spaß machen, und das Herumspielen am Kernel ist sicherlich eine der Sachen, die besonders viel Spaß machen, zumindest Leuten mit einer etwas merkwürdigen Definition von “Spaß”. Die Zusammenarbeit mit Alessandro ist ein großes Vergnügen gewesen, und ich bin ihm zu Dank verpflichtet dafür, daß er mir zugetraut hat, an seinem exzellenten Text herumzuwerken, und geduldig mit mir war, während ich mich einarbeitete und Sachen kaputt machte — außerdem natürlich für eine Radtour durch Pavia unter Einfluß des Jetlags. Dieses Buch zu schreiben ist eine großartige Erfahrung für mich gewesen.