Copyright © 1996 by O'Reilly/International Thomson Verlag

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Einleitung

Nachdem das Internet in letzter Zeit ein richtiges Modewort geworden ist und auch sonst eher ernste Menschen eine Spritztour auf dem Information-Superhighway wagen, scheint die Vernetzung von Computern immer mehr den Status von Fernsehern und Mikrowellenherden anzunehmen. Dem Internet wird momentan eine ungewohnt hohe Aufmerksamkeit der Medien zuteil, und Soziologiestudenten fallen über Usenet-News-Gruppen her, um Forschungen über die neue »Internet-Kultur« anzustellen.

Natürlich gibt es Computernetze schon eine ganze Weile. Der Zusammenschluß mehrerer Computer zu einem lokalen Netzwerk ist selbst bei kleinen Installationen gängige Praxis, ebenso wie Verbindungen über längere Strecken mit Hilfe von Modems und Telefonleitungen. Das rapide wachsende Konglomerat weltweiter Netzwerke hat dazu geführt, daß der Einstieg in das globale Dorf auch für kleinere gemeinnützige Organisationen und Privatpersonen realisierbar ist. Die Einrichtung eines Internet-Host mit Mail und News, der Zugriff über Wählleitungen bietet, ist bezahlbar geworden, und mit der Einführung von ISDN (Integrated Services Digital Network) wird sich dieser Trend zweifelsohne noch beschleunigen.

Über Computernetzwerke zu sprechen, bedeutet häufig, über UNIX zu sprechen. Natürlich ist UNIX weder das einzige Betriebssystem mit Netzwerkfähigkeiten, noch wird es für ewig seine Vorreiterstellung behalten. Allerdings ist es schon seit einiger Zeit im Netzwerkgeschäft vertreten, und es sieht so aus, als würde das auch noch einige Zeit so bleiben.

Was UNIX für den privaten Benutzer so attraktiv macht ist die Tatsache, daß es zahlreiche Bemühungen gibt, freie UNIX-kompatible Betriebssysteme für PCs anzubieten. Beispiele hierfür sind 386BSD, FreeBSD -- und natürlich Linux.

Linux ist ein UNIX-Klon für Personal Computer, der frei verteilt werden kann. Momentan läuft es auf Intel 386-, 486- und Pentium-Maschinen, wird momentan aber auch auf andere Architekturen wie Motorola 680x0, DEC Alpha und MIPS portiert.

Linux wurde von einer großen Anzahl Freiwilliger über das Internet entwickelt. Das Projekt wurde 1990 von Linus Torvalds, einem finnischen Studenten, begonnen, der im Rahmen einer Vorlesung über Betriebssysteme damit anfing. Seit dieser Zeit ist Linux zu einem voll ausgestatteten UNIX-Klon herangewachsen, auf dem so verschiedene Anwendungen wie Emacs, das X-Window-System, TEX und eine ganze Reihe anderer Anwendungen laufen. Ein weites Spektrum an Hardware wird unterstützt, und Linux enthält eine vollständige Implementierung von TCP/IP, einschließlich SLIP und PPP. Linux ist mächtig, schnell und frei verfügbar, und seine Popularität nimmt auch außerhalb der Internet-Gemeinde rapide zu.

Das Linux-Betriebssystem selbst wird nach den Bestimmungen der »GNU General Public License« geschützt. Das ist dieselbe Copyright-Lizenz, wie sie für Software benutzt wird, die von der Free Software Foundation entwickelt wurde. Diese Lizenz erlaubt es jedem, die Software (kostenlos oder gegen eine Entlohnung) weiterzugeben und zu modifizieren, solange alle Modifikationen und Distributionen ebenfalls frei verteilt werden dürfen. Der Begriff »freie Software« steht hier für Freiheit, nicht nur für den Preis.

Linux kann zusammen mit anderen Betriebssystemen wie MS-DOS, OS/2 und so weiter auf Ihrer Maschine betrieben werden. Linux kann seine eigenen Partitionen verwenden und hat daher auf andere Betriebssysteme keinerlei Einfluß. Sie können einen Linux-Bootmanager installieren, mit dem Sie festlegen können, welches Betriebssystem gestartet wird, wenn das System gebootet wird.

Informationsquellen

Wenn Sie ein Neuling in der Linux-Welt sind, gibt es eine ganze Reihe von Ressourcen, die Sie sich ansehen sollten. Ein Internet-Anschluß ist zwar hilfreich, aber nicht unbedingt notwendig.

Handbücher des Linux-Dokumentationsprojekts
Das Linux-Dokumentationsprojekt (»Linux Documentation Project«, oder kurz LDP) ist eine Gruppe Freiwilliger, die eine Reihe von Handbüchern und Dokumenten zu Linux produzieren. Die Themen reichen dabei von der Installation bis hin zur Kernel-Programmierung. Folgende Handbücher sind vorhanden:

Linux Installation and Getting Started
von Matt Welsh. Das Buch beschreibt, wo Sie die Linux-Software bekommen und wie Sie sie installieren und benutzen können. Enthalten sind auch eine Einführung zu UNIX sowie Informationen zur Systemadministration, dem X-Window-System und zur Vernetzung.
Linux Kernel Hacker's Guide
von Michael K. Johnson. Dieses Buch behandelt die Interna des Linux-Systems. Es richtet sich an UNIX-Systemprogrammierer, die dem Linux-Kernel bestimmte Eigenschaften hinzufügen wollen.
Weitere Handbücher wie ein Benutzerhandbuch, ein Programmierhandbuch und ein Handbuch zur Systemadministration werden gerade entwickelt. Für weitere Informationen zum LDP können Sie sich über mdw@sunsite.unc.edu an Matt Welsh wenden.
INFO-SHEET und META-FAQ
Das sind zwei einführende Dokumente zum Linux-System. INFO-SHEET ist eine technische Übersicht des Linux-Systems, bei der die Eigenschaften und die vorhandene Software beschrieben werden. Die META-FAQ ist eine ausführliche Liste mit Verweisen auf weitere Informationen zu Linux -- Ihr Wegweiser durch das unüberschaubare Dickicht an Linux-Dokumentation.
HOWTO-Dokumente
Die Linux-HOWTOs sind eine Reihe von Dokumenten (alle ca. ein Dutzend Seiten stark), die sich mit verschiedenen Aspekten des Systems beschäftigen (beispielsweise mit der Installation und Konfiguration des X-Window-Systems oder der Verwendung des Kommunikationspakets term). Im allgemeinen sind sie im HOWTO-Unterverzeichnis der nachfolgend aufgeführten FTP-Sites zu finden. Um sich einen Überblick der vorhandenen HOWTOs zu verschaffen, seien Sie auf die Bibliographie am Ende des Buches oder auf die Datei HOWTO-INDEX verwiesen.
Sie können sich das Installation HOWTO besorgen, das beschreibt, wie Sie Linux auf Ihrem System installieren können. Das Hardware Compatibility HOWTO enthält eine Liste aller Hardware-Komponenten, mit denen Linux arbeitet, und das Distribution HOWTO enthält eine Liste mit Software-Anbietern, die Linux auf Diskette oder CD-ROM verkaufen.
Linux Frequently Asked Questions
Die Linux Frequently Asked Questions (FAQ) enthält eine große Sammlung von Fragen zum System sowie die dazugehörigen Antworten. Dieses Dokument ist Pflichtlektüre für alle Einsteiger.
Linux Software Map
Eine Liste mit Software und Anwendungen, die unter Linux verfügbar sind. Obwohl diese Liste weit davon entfernt ist, vollständig zu sein (Tausende von Programmen können auf Linux portiert werden oder wurden es bereits), sind doch viele der größeren Anwendungen aufgeführt.

Linux-Dokumentation über FTP

Wenn Sie Zugriff über »anonymous FTP« haben, können Sie die gesamte Linux-Dokumentation über verschiedene Sites herunterladen, darunter

sunsite.unc.edu:/pub/Linux/docs

und

tsx-11.mit.edu:/pub/linux/docs

Diese Sites werden von einer Reihe von Sites auf der ganzen Welt gespiegelt.

Linux-Dokumentation über WWW

Viele Linux-basierte WWW-Sites sind vorhanden. Die Heimat-Site für das Linux Documentation Project kann über den folgenden URL erreicht werden:

http://sunsite.unc.edu/mdw/linux.html

Hypertext-Versionen vieler Linux-HOWTOs und anderer Dokumente sind ebenso vorhanden wie Verweise auf andere Linux-WWW-Archive.

Kommerziell vorhandene Dokumentation

Eine Reihe von Verlagen und Software-Anbietern vertreiben Linux-Software und die entsprechende Dokumentation im Versand. Anbieter in Deutschland sind u.a. LST (Lazarettstr. 8, 91054 Erlangen, 09131-8978-21), S.u.S.E. (Gebhardtstr. 2, 90762 Fürth, 0911-7405331, suse@suse.de) und Unifix Software GmbH (Postfach 4918, 38039 Braunschweig, 0531-515161). Diese Unternehmen bieten Linux Installation and Getting Started und die Linux HOWTO-Dokumente in gedruckter und gebundener Form.

O'Reilly & Associates und O'Reilly/International Thomson Verlag veröffentlichen eine Serie mit Linux-Büchern, darunter auch den Linux Network Administrator's Guide (Deutsche Ausgabe: Linux -- Wegweiser für Netzwerker) aus dem Linux Documentation Project. Ebenfalls in dieser Reihe ist Running Linux (Deutsche Ausgabe: Linux -- Wegweiser zur Installation und Konfiguration) erschienen, ein Installations- und Benutzerhandbuch, in dem beschrieben wird, wie Sie mit Linux das meiste aus Ihrem Computer herausholen können.

Usenet-Newsgruppen zu Linux

Wenn Sie Zugriff auf Usenet-News besitzen, stehen Ihnen die folgenden Linux-Newsgruppen zur Verfügung:

comp.os.linux.announce
Eine moderierte Newsgruppe mit Ankündigungen neuer Software, Distributionen, Bugreports und Plänen der Linux-Gemeinde. Alle Linux-Benutzer sollten diese Gruppe lesen. Vorlagen können an linux-announce@tc.cornell.edu gemailt werden.
comp.os.linux.help
Allgemeine Fragen und Antworten zur Installation und zum Betrieb von Linux.
comp.os.linux.admin
Diskussionen zur Systemadministration unter Linux.
comp.os.linux.misc
Eine Newsgruppe mit verschiedenen Diskussionen zu Themen, die nicht in eine der obigen Kategorien fallen.
comp.os.linux.answers
In diese Gruppe werden regelmäßig die Linux-HOWTOs, diverse FAQs und andere regelmäßig erscheinende Informationen gepostet.
comp.os.linux.networking
Diskussionen zu Netzwerkfragen und -problemen unter Linux.
de.comp.os.linux.announce
Deutsche News-Gruppe für wichtige Ankündigungen zu Linux.
de.comp.os.linux
Deutsche News-Gruppe für Fragen und Diskussionen rund um Linux.

Neben den hier aufgezählten gibt es noch eine Reihe weiterer englischsprachiger News-Gruppen zum Thema Linux. Außerdem gibt es in einigen Ländern auch noch Linux-Gruppen in der jeweiligen Landessprache, z.B. fr.comp.os.linux in Frankreich.

Linux Journal

Das Linux Journal ist ein monatlich erscheinendes Magazin für die Linux-Gemeinde. Es wird von einer Anzahl von Linux-Aktivisten geschrieben und veröffentlicht. Die Themen der enthaltenen Artikel reichen von Fragen und Antworten für Einsteiger bis hin zu Interna der Kernel-Programmierung. Selbst wenn Sie Zugriff auf das Usenet haben, ist das Magazin eine gute Möglichkeit, mit der Linux-Gemeinde in Kontakt zu bleiben. Das Linux Journal wird von SSC, Inc. (P.O. Box 55549, Seattle, WA 98155, 206-FOR-UNIX, sales@ssc.com) herausgegeben.

Linux beziehen

Es gibt nicht eine einzelne Distribution der Linux-Software, sondern verschiedene, wie beispielsweise Slackware, Debian, Yggdrasil und viele mehr. Jede Distribution enthält alles, was Sie für den Betrieb eines kompletten Linux-Systems brauchen: den Kernel, grundlegende Dienstprogramme, Libraries, Support-Dateien und Anwendungsprogramme.

Linux-Distributionen können kostenlos über eine Reihe von Online-Quellen bezogen werden, darunter das Internet, verschiedene Bulletin-Board-Systeme oder Online-Dienste wie CompuServe und Prodigy. Im Internet können Sie Linux über verschiedene FTP-Archiv-Sites herunterladen. Die bekanntesten sind:

sunsite.unc.edu:/pub/Linux
tsx-11.mit.edu:/pub/linux
nic.funet.fi:/pub/OS/Linux

Die oben genannten Quellen für Linux-Informationen beschreiben, wie Sie Linux von anderen Orten beschaffen können.

Eine Reihe von Software-Anbietern vertreibt Linux auch auf Disketten, Tapes oder CD-ROMs. Das Linux-Distribution HOWTO enthält eine nahezu vollständige Liste. Die beiden bereits oben erwähnten Firmen SSC, Inc. und Linux Systems Labs vertreiben Linux ebenfalls auf CD-ROM.

Dateisystem-Standards

Ein großes Problem, das in der Vergangenheit Linux-Distributionen und separate Software-Pakete gleichermaßen betraf, war, daß es kein einheitlich akzeptiertes Layout des Dateisystems gab. Dies führte zu Inkompatibilitäten zwischen verschiedenen Paketen und konfrontierte Benutzer und Administratoren mit dem Problem, verschiedene Dateien und Programme finden zu müssen.

Um diese Situation zu verbessern, bildeten im August 1993 verschiedene Leute die »Linux File System Standard Group«, oder kurz FSSTND-Gruppe, die von Daniel Quinlan koordiniert wird. Nach sechsmonatiger Diskussion präsentierte die Gruppe einen Entwurf, der eine in sich schlüssige Struktur des Dateisystems darstellt und die Pfadnamen für die grundlegendsten Programme und Konfigurations-Dateien festlegt.

Dieser Standard ist bereits von den meisten der wichtigen Linux-Distributionen und -Pakete übernommen worden. In diesem Buch gehen wir daher davon aus, daß alle besprochenen Dateien sich an den Stellen befinden, die vom Standard vorgegeben werden. Nur wenn eine lange Tradition existiert, die im Widerspruch zu dieser Spezifikation steht, werden Alternativen erwähnt.

Der Linux-Dateisystem-Standard kann über alle wichtigen Linux-FTP-Sites (und deren Mirrors) bezogen werden. Sie finden ihn etwa auf sunsite.unc.edu unter /pub/linux/docs. Daniel Quinlan, der Koordinator der FSSTND-Gruppe, ist über quinlan@yggdrasil.com zu erreichen.

Über dieses Buch

Als ich im Jahr 1992 dem Linux Documentation Project beitrat, schrieb ich zwei kleine Kapitel über UUCP und smail, die ich dem System Administrator's Guide beisteuern wollte. Die Entwicklung von TCP/IP steckte noch in den Kinderschuhen, und als die »kleinen Kapitel« zu wachsen begannen, dachte ich laut darüber nach, daß es doch schön wäre, ein Netzwerk-Handbuch zu haben. »Großartig!« sagte jeder, »Setz dich dran!« Also setzte ich mich dran und schrieb die erste Version des »Networking Guide«, die ich im September 1993 veröffentlichte.

Das neue Netzwerk-Handbuch, das Sie gerade lesen, wurde von mir völlig neu geschrieben und schließt nun auch die neuen Anwendungen ein, die Linux-Benutzern seit der ersten Veröffentlichung zugänglich gemacht wurden.

Das Buch ist im großen und ganzen so organisiert, daß die von Ihnen durchzuführenden Schritte in der Netzwerk-Konfiguration Ihres Systems nacheinander durchlaufen werden. Es beginnt mit einer Diskussion grundlegender Netzwerk-Konzepte, wobei besonders auf TCP/IP-basierte Netzwerke eingegangen wird. Wir bahnen uns dann langsam unseren Weg von der TCP/IP-Konfiguration auf Geräteebene hin zum Setup gängiger Anwendungen wie rlogin und seiner Freunde, dem »Network File System« (NFS) und dem »Network Information System« (NIS). Dem folgt ein Kapitel darüber, wie Sie Ihre Maschine als UUCP-Knoten einrichten können. Der Rest des Buches widmet sich dann zwei Hauptanwendungen, die über TCP/IP und UUCP laufen: Elektronische Post und News.

Der E-Mail-Teil enthält eine Einführung in die intimeren Aspekte des Nachrichtentransports und -Routings sowie der zahllosen Adressierungs-Schemata, mit denen Sie konfrontiert werden könnten. Er beschreibt die Konfiguration und die Verwaltung von smail, einem Nachrichten-Transportsystem, das häufig bei kleineren Mail-Hubs verwendet wird. Besprochen wird auch sendmail, das für Leute gedacht ist, die ein komplizierteres Routing verwenden oder große Mengen von E-Mails verwalten müssen. Das Kapitel zu sendmail wurde von Vince Skahan geschrieben und beigesteuert.

Der News-Teil gibt einen Überblick darüber, wie Usenet-News arbeitet. Er behandelt C-News, die im Moment am weitesten verbreitete News-Transportsoftware. Besprochen wird auch die Verwendung von NNTP, über das News in lokalen Netzwerken gelesen werden können. Das Buch endet mit einem Kapitel über die Pflege und Fütterung der bekanntesten Linux-Newsreader.

Natürlich kann ein Buch niemals alle Fragen beantworten, die Sie möglicherweise haben. Seien Sie also geduldig, wenn Sie den Anweisungen dieses Buches folgen und dennoch nicht alles so funktioniert, wie Sie es erwarten. Einige Ihrer Probleme könnten durch dumme Fehler meinerseits entstanden sein, der Grund kann aber auch darin liegen, daß sich die Netzwerk-Software geändert hat. Daher sollten Sie zuerst einen Blick auf die aufgeführten Informationsquellen werfen. Die Chancen sind groß, daß Sie mit Ihrem Problem nicht alleine dastehen, so daß eine Korrektur oder zumindest eine Möglichkeit, den Fehler zu umgehen, bekannt ist. Wenn Sie die Möglichkeit haben, sollten Sie sich auch immer die aktuellste Kernel- und Netzwerk-Release von einer der Linux-FTP-Sites oder einem BBS in Ihrer Nähe besorgen. Viele Probleme rühren von der Verwendung von Software aus verschiedenen Entwicklungsstadien her, die ein ordentliches Zusammenspiel verhindern. Schließlich befindet sich Linux ja immer noch »in Arbeit«.

Eine weitere gute Quelle, um sich über die aktuelle Entwicklung zu informieren, ist das Networking-HOWTO. Es wird von Terry Dawson(1) verwaltet und enthält die neuesten Informationen. Die jeweils aktuelle Version kann über die oben erwähnten FTP-Sites bezogen werden. Bei Problemen, die Sie auf andere Art nicht zu lösen vermögen, können Sie auch den Autor dieses Buches ansprechen. Bitte verzichten Sie aber darauf, die jeweiligen Entwickler direkt um Hilfe zu bitten. Diese widmen Linux bereits einen großen Teil ihrer Zeit und gelegentlich führen sie sogar ein Leben jenseits des Netzes. :-)

Die offizielle gedruckte Version

Im Herbst 1993 fragte mich Andy Oram, der sich so ziemlich von Anfang an in der LDP-Mailingliste tummelte, ob ich mein Buch nicht bei O'Reilly & Associates veröffentlichen lassen wollte. Darüber war ich sehr erfreut, denn ich hatte niemals erwartet, daß mein Buch so erfolgreich wird. Wir kamen schließlich überein, daß O'Reilly eine erweiterte offizielle gedruckte Version des Netzwerk-Handbuchs mit mir herausbringt, während ich das eigentliche Copyright behalte, so daß die Quellen dieses Buches frei verteilt werden können. Das bedeutet, daß Sie frei wählen können: Sie können die über das Netz vertriebenen LATEX-Quellen (bzw. die vorformatierten DVI- oder PostScript-Versionen) herunterladen und ausdrucken, oder Sie können die offizielle gedruckte Version von O'Reilly kaufen.

Warum sollten Sie also Geld für etwas ausgeben, was Sie anderswo umsonst bekommen können? Ist Tim O'Reilly von Sinnen, etwas zu veröffentlichen, was jeder andere ausdrucken oder sogar selbst weiterverkaufen darf?(2) Oder gibt es einen Unterschied zwischen diesen Versionen?

Die Antworten lauten »Es kommt darauf an«, »Nein, sicher nicht« und »Ja und Nein«. O'Reilly & Associates nimmt das Risiko der Veröffentlichung dieses Buches auf sich, aber ich hoffe, daß es sich für den Verlag auszahlt. Falls es das tut, glaube ich, daß dieses Projekt als Beispiel dafür dienen kann, wie die Welt der freien Software mit Unternehmen kooperieren kann, um etwas zu produzieren, was beiden Seiten Vorteile bringt. Aus meiner Sicht ist der große Dienst, den O'Reilly der Linux-Gemeinde erweist (neben der Tatsache, daß dieses Buch nun in Ihrem lokalen Buchladen zu finden ist), der, daß Linux dabei unterstützt wird, als etwas Ernstzunehmendes erkannt zu werden: eine mögliche und nützliche Alternative zu kommerziellen UNIX-Betriebssystemen für PCs.

Warum veröffentlichen sie es? Als einen Grund nannten sie mir, daß sie es als ihre Art von Buch betrachten. Es sei das, was sie erhoffen würden zu produzieren, würden sie mit einem normalen Autor darüber verhandeln, ein Buch über Linux zu schreiben. Der Inhalt, die Details und der Stil würden gut zu ihren anderen Angeboten passen.

Der Sinn der LDP-Lizenz ist sicherzustellen, daß niemand ausgeschlossen wird. Jeder kann sich eine Kopie dieses Buches ausdrucken, und niemand wird sich daran stören, wenn Sie sich eine dieser Kopien besorgen. Wenn Sie bislang aber keine Chance hatten, sich die O'Reilly-Version anzusehen, sollten Sie sich einmal in einer Buchhandlung oder bei Ihren Freunden umsehen. Wir denken, daß das, was Sie sehen werden, Ihnen gefallen wird und daß Sie sich ein persönliches Exemplar kaufen werden.

Wo sind nun die Unterschiede zwischen der gedruckten und der Online-Version? Andy Oram hat große Anstrengungen unternommen, mein erstes Gestotter in etwas zu verwandeln, was es wert ist, gedruckt zu werden. (Er hat sich auch alle anderen Bücher angesehen, die vom Linux Documentation Project herausgebracht wurden, und versorgte die Linux-Gemeinde wo er konnte mit seinem professionellen Rat.)

Seit Andy damit begann, das Netzwerk-Handbuch korrekturzulesen und die Kopien zu bearbeiten, die ich ihm schickte, verbesserte es sich zusehends gegenüber dem, was es vor einem halben Jahr noch war. Ohne seine Arbeit wäre dieses Buch kaum das geworden, was es nun ist. Dasselbe gilt auch für Stephen Spainhour, der das Buch in die Form gebracht hat, die Sie jetzt sehen. All diese Arbeiten sind wiederum in die Online-Version eingeflossen, so daß es inhaltlich keine Unterschiede gibt.

Dennoch ist die O'Reilly-Version anders. Die Leute bei O'Reilly haben viel Arbeit in das »Look and Feel« dieses Buches gesteckt, so daß ein wesentlich ansprechenderes Layout dabei herauskam, als dies mit Standard-LATEX jemals möglich wäre. Zusätzlich hat Chris Reilley alle Abbildungen aus der ursprünglichen Netzwerkversion überarbeitet und eine Reihe weiterer Abbildungen erstellt. Er hat auf großartige Weise das visualisiert, was ich mit meinen amateurhaften XFIG-Zeichnungen ursprünglich erreicht zu haben glaubte. Chris Tong und Susan Reisler haben auch einen wesentlich verbesserten Index erstellt.

Übersicht

Das Kapitel 1, Einführung in das Arbeiten mit Netzwerken diskutiert die Geschichte von Linux und enthält grundlegende Informationen zu UUCP, TCP/IP, verschiedenen Protokollen, Hardware und Sicherheit. Die nächsten Kapitel behandeln die TCP/IP-Konfiguration von Linux sowie die Ausführung einiger wichtiger Hauptanwendungen. IP wird im Kapitel 2, Aspekte der Netzwerarbeit mit TCP/IP noch genauer behandelt, bevor wir uns die Hände beim Editieren von Dateien und ähnlichem dreckig machen. Wenn Sie bereits wissen, wie IP-Routing funktioniert und wie die Adreßauflösung durchgeführt wird, können Sie dieses Kapitel überspringen.

Das Kapitel 3, Konfiguration der Hardware bespricht die grundlegendsten Konfigurations-Aspekte wie die Kompilierung des Kernels und das Einrichten Ihrer Ethernet-Karte. Die Konfiguration Ihrer seriellen Schnittstellen wird separat im Kapitel 4, Konfiguration der seriellen Hardware besprochen, weil sie nicht nur für TCP/IP-Netzwerke, sondern auch für UUCP-Systeme von Bedeutung ist.

Das Kapitel 5, TCP/IP-Konfiguration hilft Ihnen dabei, Ihre Maschine für TCP/IP einzurichten. Es enthält Installations-Hinweise für alleinstehende Hosts, bei denen nur das Loopback aktiviert ist, aber auch für an ein Ethernet angeschlossene Hosts. Es werden auch einige nützliche Tools vorgestellt, mit denen Sie Ihr Setup testen und debuggen können. Das Kapitel 6, Resolver und NameServer diskutiert die Konfiguration der Hostnamen-Auflösung und beschreibt die Einrichtung eines Name-Servers.

Das Kapitel 7, Serial Line IP erklärt, wie eine SLIP-Verbindung hergestellt wird, und enthält einen ausführlichen Referenzteil zu dip, einem Tool, mit dem Sie den größten Teil der nötigen Schritte automatisieren können. Das Kapitel 8, Das Point-to-Point-Protokoll behandelt PPP und pppd, den PPP-Daemon.

Das Kapitel 9, Wichtige NetzwerkFeatures enthält eine kurze Einführung zum Setup einiger der wichtigsten Netzwerk-Anwendungen wie rlogin, rcp etc. Dieses Kapitel beschreibt auch, wie Dienste vom inetd-Superserver verwaltet werden und wie Sie den Zugriff auf bestimmte sicherheitsrelevante Dienste auf eine bestimmte Gruppe von Hosts beschränken können.

Die Kapitel 10, Das »Network Information System« und Kapitel 11, Das Network File System diskutieren NIS und NFS. NIS ist ein nützliches Tool zur Verteilung administrativer Informationen, wie beispielsweise den Benutzer-Paßwörtern, in einem lokalen Netzwerk. NFS erlaubt die gemeinsame Nutzung von Dateisystemen zwischen verschiedenen Hosts in Ihrem Netzwerk.

Das Kapitel 12, Verwalten von TaylorUUCP gibt Ihnen eine ausführliche Einleitung in die Administration von Taylor-UUCP, einer freien Implementierung des UUCP-Pakets.

Der Rest des Buches befaßt sich ausführlich mit elektronischer Post und Usenet-News. Das Kapitel 13, Elektronische Post führt Sie in die zentralen Konzepte elektronischer Post ein. Dazu gehört beispielsweise, wie eine Postadresse aussieht und wie es ein Mail-System geregelt bekommt, Ihre Nachrichten an den Empfänger weiterzuleiten.

Die Kapitel 14, smail zum Laufen bringen und Kapitel 15, Sendmail+IDA decken das Setup von smail und sendmail ab, zwei Mail-Transportsysteme, die Sie unter Linux verwenden können. Das Buch behandelt beide, weil smail für den Anfänger leichter zu installieren ist, wohingegen sendmail flexibler ist.

Die Kapitel 16, Netnews und Kapitel 17, C News beschreiben, auf welche Weise News im Usenet verwaltet werden und wie Sie C-News installieren und verwenden können. C-News ist ein populäres Software-Paket zur Verwaltung von Usenet-News. Das Kapitel 18, Eine Einführung in NNTP beschreibt kurz, wie Sie einen NNTP-Daemon einrichten, damit in Ihrem lokalen Netzwerk auf News zugegriffen werden kann. Zum Schluß zeigt Ihnen das Kapitel 19, Newsreader-Konfiguration, wie Sie verschiedene Newsreader konfigurieren und verwalten können.

Typografische Konventionen

Im vorliegenden Buch werden folgende Auszeichnungen benutzt:

Fettdruck wird für die Namen von Rechnern, für die Benutzernamen und -IDs sowie gelegentlich zur Hervorhebung von Text benutzt.

Kursiv benutzen wir für Datei- und Verzeichnisnamen, für die Namen von Programmen und Befehlen, für Befehlszeilenoptionen, E-Mail-Adressen und Pfadnamen sowie zur Hervorhebung von neuen Begriffen.

Sperrschrift
wird in Beispielen benutzt, um den Inhalt von Dateien oder die Ausgaben von Befehlen darzustellen; außerdem für Environment-Variablen und Schlüsselwörter, die in Programmkode eingebettet sind.
Sperrschrift kursiv
benutzen wir für Optionen, Schlüsselwörter und solche Textstellen, die der Benutzer durch seine eigenen Texte ersetzen muß.
Sperrschrift fett
wird in Beispielen für Befehle und solche Textstellen gebraucht, die der Benutzer in genau dieser Form eingeben sollte.

Im gesamten Buch sind links neben dem Text verschiedene Icons zu finden.

Dieses Icon deutet auf Material hin, das im Gegensatz zu anderen UNIX-Systemen ganz spezifisch für die Installation und den Betrieb von Linux gilt. Der Vogel ist ein Sturmvogel, der eine Art Maskottchen des Linux-Projekts geworden ist.

Bei diesem Icon ist Vorsicht angesagt: Hier können Sie einen Fehler machen, der Ihrem System wehtun kann oder nur schwer zu beheben ist.

Danksagungen

Der in diesem Zusammenhang größte Dank geht an Vince Skahan, der das Kapitel 15, Sendmail+IDA schrieb. Vince hat seit 1987 eine große Anzahl von UNIX-Systemen administriert und betreibt momentan IDA sendmail auf ungefähr 300 UNIX-Workstations für über 2000 Benutzer. Er gibt zu, daß er ziemlich viel Schlaf versäumt hat, indem er einige sendmail.cf-Dateien »auf die harte Tour« editiert hat, bevor er 1990 IDA sendmail entdeckte. Er gibt auch zu, daß er schon sehnsüchtig auf die erste perl-basierte Version von sendmail wartet, um noch mehr obskuren Spaß zu haben…(3) Vince ist über vince@halcyon.com zu erreichen.

Dieses Buch verdankt viel auch den zahlreichen Menschen, die sich die Zeit genommen haben, es korrekturzulesen und viele Fehler auszubügeln, sowohl technische als auch grammatikalische. Der engagierteste von ihnen war Andy Oram von O'Reilly & Associates.

Ich schulde auch den Leuten bei O'Reilly vielen Dank, mit denen ich das Vergnügen hatte zu arbeiten: Stephen Spainhour, der das Buch überarbeitet und formatiert hat, um es in die nun vor Ihnen liegende Form zu bringen; Chris Reilley, der sich um die ganzen Abbildungen kümmerte; Edie Freeman und Jennifer Niederst, die das Cover, das Innenlayout und die Verwendung alter Holzschnitte als visuelles Thema (eine Idee von Lar Kaufman) entworfen haben; Susan Reisler und Chris Tong für die große Erweiterung des Index sowie dessen professionellere Gestaltung; Barbara Yoder für das mit mir arrangierte Interview für den O'Reilly-Katalog und zum Schluß natürlich Tim O'Reilly für die Courage, ein solches Projekt durchzuziehen.

Zutiefst verpflichtet bin ich auch Andres Sepúlveda, Wolfgang Michaelis, Michael K. Johnson und all den anderen Entwicklern, die ihre knappe Zeit geopfert haben, die im Netzwerk-Handbuch stehenden Informationen zu prüfen. Ich möchte auch all jenen danken, die die erste Version dieses Buches gelesen und mir Vorschläge und Korrekturen zugeschickt haben. Eine hoffentlich vollständige Liste aller ist in der Datei Thanks der Online-Distribution zu finden. Letztendlich wäre dieses Buch nicht ohne die Unterstützung von Holger Grothe möglich gewesen, der mich mit der kritischen Internet-Connectivity versorgt hat.

Ich möchte auch den folgenden Gruppen und Unternehmen danken, die die erste Ausgabe meines Buches gedruckt und entweder mir oder dem Linux Documentation Project als Ganzem Geld gespendet haben: Linux Support Team, Erlangen, Germany; S. u.S.E. GmbH, Fuerth, Germany und Linux System Labs, Inc., Clinton Twp., USA.

Vince sagt: Dank an Neil Rickert und Paul Pomes für die viele Hilfe über die Jahre bei der Pflege und Fütterung von Sendmail+IDA sowie an Rich Braun für die ursprüngliche Portierung von Sendmail+IDA auf Linux. Der bei weitem größte Dank geht an meine Frau Susan für ihre Unterstützung bei diesem und anderen Projekten.

Die Ruhmeshalle

Neben den bereits genannten Leuten, die das Buch korrekturgelesen und mir Vorschläge und Korrekturen unterbreitet haben, gibt es eine große Anzahl von Leuten, die etwas zum Netzwerk-Handbuch beigesteuert haben. Ich bin ihnen sehr dankbar.

Nachfolgend eine Liste derer, deren Beiträge eine Spur in meinen Mail-Ordnern hinterließen. Ich entschuldige mich bei allen, denen ich an dieser Stelle nicht Dank sagen kann, weil ich einfach vergaß, ihre Mails aufzuheben.

Al Longyear, Alan Cox, Andres Sepulveda, Ben Cooper, Cameron Spitzer, D.J. Roberts, Emilio Lopes, Fred N. van Kempen, Gert Doering, Greg Hankins, Heiko Eissfeldt, J.P. Szikora, Johannes Stille, Karl Eichwalder, Les Johnson, Ludger Kunz, Marc van Diest, Michael K. Johnson, Michael Nebel, Michael Wing, Mitch D'Souza, Paul Gortmaker, Peter Brouwer, Peter Eriksson, Phil Hughes, Raul Deluth Miller, Rich Braun, Rick Sladkey, Ronald Aarts, Swen Thüemmler, Terry Dawson, Thomas Quinot, Yury Shevchuk.


Fußnoten

(1)
Terry Dawson ist unter terryd@extro.ucc.su.oz.au zu erreichen.
(2)
Denken Sie daran, daß Sie die Online-Version zwar ausdrucken dürfen, aber das O'Reilly-Buch nicht durch den Fotokopierer jagen, geschweige denn diese (hypothetischen) Kopien verkaufen dürfen.
(3)
Glaubst Du nicht, Vince, wir könnten es mit sed machen?

Inhaltsverzeichnis Vorwort Kapitel 1