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Kapitel 7

Die Vernetzung mit UUCP

UUCP ist ein ehrwürdiges Kommunikationspaket für UNIX-zu-UNIX-Verbindungen, das Mitte der 70er Jahre in den Bell Laboratories von Mike Lesk erfunden wurde, um die serielle Datenübertragung zwischen UNIX-Rechnern zu erledigen. Das Programm wurde 1978 von Mike Lesk und Dave Nowitz neu geschrieben und mit Version-7-UNIX ausgeliefert. Seitdem haben verschiedene Leute neue Implementierungen geschrieben und die Fähigkeiten von UUCP erweitert, so daß wir es heute mit einer ganzen Reihe von Programmen zu tun haben, die folgendes beinhalten:

UUCP wird manchmal als Abkürzung für »UNIX-to-UNIX-copy« verstanden, aber das trifft eher auf das Programm uucp selbst zu. Manche Leute lesen UUCP als Abkürzung für »UNIX-to-UNIX Communications Protocol«, meinen damit aber in der Regel nicht das G-Protokoll, das UUCPs Beitrag zur Reihe der Kommunikationsprotokolle ist. Wir ziehen es vor, UUCP als »UNIX-to-UNIX Communications Package« zu lesen. Die zentrale Idee hinter UUCP ist, daß der Benutzer einen Rechner dazu bringen soll, einen anderen Rechner automatisch anzuwählen (lokal oder entfernt), um dann Dateien zu übertragen (einschließlich E-Mail und News-Gruppen) oder auf dem Remote-System Befehle auszuführen (entweder über eine direkte serielle Verbindung oder über eine Wählleitung im Telefonnetz). Ein Systemverwalter muß UUCP so konfigurieren, daß es UUCP-Anfrufe korrekt entgegennimmt, Protokolle auswählt, selbst UUCP-Anrufe ausführt, Modems konfiguriert, das Routing und die Dateien für E-Mail und News handhabt, den Zugang mit Hilfe von Benutzer-IDs und Zeitfenstern kontrolliert usw. Anschließend kann der Benutzer beispielsweise mit dem Befehl uucp eine Datei übertragen oder mit uux auf dem fremden Rechner einen Befehl ausführen.

Die Bedeutung von UUCP

UUCP ließ billige Computernetzwerke Realität werden. Seit der Entstehung des USENET im Jahre 1979 bildete UUCP das Modell für den dezentralisierten Austausch von Nachrichten zwischen Netzwerken, das vom ARPAnet übernommen wurde, und mit dessen Hilfe aus dem ARPAnet schließlich das Internet werden konnte. Auch heute noch spielt UUCP für Netzwerke in der ganzen Welt eine wichtige Rolle; dies gilt insbesondere für Regionen ohne dedizierte Datenverbindungen mit großer Bandbreite.

UUCP-Netze sind deshalb überall in Afrika, Zentral- und Südamerika zu finden, wo Sie von Leuten benutzt werden, denen ein direkter Internet-Anschluß noch nicht zur Verfügung steht. UUCP-WANs gedeihen überall -- etwa UUCPnet in den USA sowie EUnet und Relcom in Europa. Viele Netzprovider verbinden UUCP-Systeme und ihre Benutzer mit dem Internet. UUCP ist außerdem bei den Benutzern von privaten Rechnern beliebt, die es für den Datenaustausch zwischen ihren Systemen und den Verbindungsrechnern im Büro oder in der Schule sowie mit anderen privaten Rechnern und kleinen Firmen benutzen.

UUCP ist in irgendeiner Form für praktisch jedes UNIX-artige Betriebssystem und ebenfalls für viele andere Betriebssysteme verfügbar. Aufgrund seiner weiten Verbreitung sind andere Anwendungen wie z.B. das BBS-System Waffle unter DOS zu UUCP kompatibel gemacht worden.

UUCP und die Sicherheit

UUCP war ursprünglich für den internen Gebrauch gedacht (innerhalb eines Gebäudes); es besitzt deshalb Eigenschaften, die in der heutigen, feindseligen Welt der Hacker, Viren und Würmer für die Benutzung in Wide Area Networks (WANs) wohl nicht mehr in Frage kämen. Wenn Sie UUCP benutzen, sollten Sie sich der Sicherheitsrisiken bewußt sein sowie der Bedenken, die Netzprovider UUCP gegenüber haben. Es wird immer schwieriger, Verwalter von Verbindungsrechnern zu finden, die bereit sind, Fremden oder flüchtigen Bekannten eine UUCP-Verbindung einzurichten. Diejenigen, die das tun, unterbinden dann vielleicht die Ausführung von Befehlen auf Remote-Systemen und gestatten Ihnen lediglich den Zugriff auf E-Mail und News; wenn Sie Glück haben, wird auch die Übertragung von Dateien noch erlaubt. Nehmen Sie Ihre Verantwortung als Benutzer oder Systemverwalter nicht auf die leichte Schulter -- selbst wenn Sie Anhänger des uneingeschränkten Zugangs zu Rechnersystemen sind. Sobald Sie eine UUCP-Verbindung mit einem anderen System haben, bedeutet das ein zusätzliches Sicherheitsrisiko für alle anderen Rechner im virtuellen UUCP-Netz.

Wenn Sie ein UUCP-System konfigurieren und dabei sind, einen System- oder Netzwerkverwalter wegen einer UUCP-Verbindung anzusprechen, hilft es vielleicht, wenn Sie Ihrem Gesprächspartner versichern können, daß Sie sich der Sicherheitsproblematik bewußt sind. Eventuell wird man verlangen, daß Sie immer beim anderen System anrufen, oder das andere System wird Ihren Rechner anrufen -- das hängt von der Einstellung des einzelnen Verwalters zum Thema Sicherheit und Systemzugang ab. Denken Sie auch daran, daß der Zugang wahrscheinlich über eine Telefonleitung geschieht, die für den Remote-Zugang durch Benutzer des Systems eingerichtet wurde. Seien Sie darauf gefaßt, daß Sie Ihren UUCP-Zugang vielleicht auf Zeiten geringer Systembelastung beschränken müssen; Ihr Verbindungsrechner verhindert eventuell den UUCP-Zugang zu bestimmten Zeiten oder, wenn kritische Systemressourcen besonders belastet sind. Die meisten UUCP-Provider werden außerdem die Reihe der Befehle einschränken, die Sie ausführen dürfen.

Wählleitungen bieten auch ein gewisses Maß an Systemsicherheit. Ein Eindringling kann nicht innerhalb kurzer Zeit von einem System auf das nächste wechseln, sondern muß sich statt dessen indirekter Techniken bedienen -- etwa indem er Benutzerpaßwörter und UUCP-Zugangskennungen herausfindet und auf einem System IDs sucht, die den Zugang zu einem anderen System eröffnen.

Individuelle Rechner in einem UUCP-Netzwerk sind außerdem in geringerem Maße von Virus- und Wurmattacken bedroht als viele Standleitungsnetze. Das liegt zum Teil an den eingeschränkten Vebindungsmöglichkeiten und zum Teil an der Vielzahl der Betriebssysteme und UUCP-Versionen, die in einem UUCP-Netz vorhanden sein können. Ihr Linux-System könnte Teil eines virtuellen UUCP-Netzwerks sein, zu dem Rechner unter UNIX (in vielen Varianten), MS-DOS, VMS, Amiga OS usw. gehören, auf denen eine von vielen UUCP-Versionen und UUCP-kompatible Software läuft.

Wenn sichergestellt ist, daß der physikalische Zugang und die Paßwörter sicher sind, besteht Ihr erster Schritt zur Selbstverteidigung gegen Angriffe von außen darin, daß Sie die Eignerschaft und die Zugriffrechte für alle ausführbaren Dateien sowie die Konfigurationsdateien, die zu UUCP gehören, äußerst sorgfältig einstellen. Sie sollten für diese Dateien nur die für den Betrieb absolut notwendigen Lese-, Schreib- und Ausführberechtigungen vergeben.

Die Sicherheit von UUCP wird in Olaf Kirchs Linux Network Administrator's Guide ziemlich detailliert besprochen, den Sie zur Hand haben sollten, wenn Sie UUCP auf einem Linux-System installieren oder verwalten. Das Buch Practical UNIX Security von Simson Garfinkel und Gene Spafford bietet eine gute Abhandlung allgemeiner sicherheitsrelevanter Themen für Ihr Linux-System; im UUCP-Kapitel des Buches finden Sie eine ausführliche Besprechung der Sicherheit von UUCP.

UUCP ist natürlich zu komplex, um es hier detailliert zu beschreiben; es sind schon ganze Bücher darüber sowohl für den Benutzer als auch für den Verwalter geschrieben worden.

Wir wollen Ihnen hier das Verständnis für die Stärken und Schwächen von UUCP vermitteln. Die beiden Titel Using UUCP and Usenet und Managing UUCP and Usenet aus dem Verlag O'Reilly & Associates bilden eine hervorragende Lektüre zum Thema UUCP. Leider wird in diesen Büchern das Taylor-UUCP noch nicht besprochen.

Der schnellste Weg zu direkter Unterstützung ist eine Nachricht an die News-Gruppe comp.mail.uucp -- falls Sie Zugriff auf diese Ressource haben.

Hardwareanforderungen

UUCP benutzt normalerweise einen seriellen Port und ein Modem für die Kommunikation. Das ist der Trichter, durch den Sie alle Ihre Daten quälen müssen. Der Durchsatz von UUCP kann stark herabgesetzt werden, wenn eine serielle Schnittstelle oder ein Modem nicht optimal konfiguriert sind.

Wahrscheinlich ist Ihr Rechner mit zwei seriellen Schnittstellen ausgestattet. Meistens werden Sie einen seriellen Port für die Maus benutzen (wenn Sie keine Busmaus haben), um mit dem X Window System zu arbeiten; oder eine serielle Schnittstelle ist belegt, weil Sie ein Terminal an Ihr System angeschlossen haben. Falls Sie vorhaben, zu einem bestimmten Zeitpunkt Verbindungen mit mehr als einem anderen System herzustellen, werden Sie mit ziemlicher Sicherheit eine leistungsfähige Schnittstellenkarte mit mehreren Schnittstellen für die serielle Kommunikation brauchen.

Die Leistung eines seriellen Ports hängt direkt vom UART-Chip (Universal Asynchronous Receiver/Transmitter) ab, der den Port kontrolliert. Falls es sich um einen älteren Typen handelt, können Sie eventuell nur Datenübertragungsraten unterhalb von 38.800 bps realisieren, die schon ein Modem mit 14.400 bps voll ausnutzt (durch Datenkomprimierung). Falls Sie für alle seriellen Ports einen modernen Chip einsetzen, können Sie problemlos Datenübertragungsraten bis zu 115.000 bps erreichen -- das ist mehr als genug, um das Modem zum Flaschenhals werden zu lassen.

Es ist nicht teuer, einen alten UART durch den neuesten 16550A zu ersetzen, und wenn Sie serielle Kommunikation im großen Umfang betreiben möchten, sollten Sie das tun. (Mit dem Befehl MSD unter DOS können Sie feststellen, welchen UART-Typ Sie benutzen.) Sie sollten eventuell vorhandene UARTs der Typen 8250 und 16450 durch einen UART 16550A ersetzen. Falls Sie bereits einen 16550er haben, sollten Sie diesen nur austauschen, wenn Sie Probleme mit einem sehr schnellen Modem oder einer Verbindung per Null-Modem-Kabel haben.

Sie können lokale Rechner mit einem Null-Modem-Kabel direkt von einer seriellen Schnittstelle zur anderen verbinden. Diese schnelle und einfache Methode, eine UUCP-Verbindung zwischen lokalen Systemen herzustellen, ist fast so gut wie ein eigenes LAN. Ein Null-Modem-Kabel ist ein serielles Kabel mit einer Länge bis zu 15 Metern, bei dem die Kabel so miteinander verbunden werden, daß der Datenfluß auch ohne ein Modem kontrolliert werden kann. Null-Modem-Kabel und Null-Modem-Adapter für die üblichen seriellen Kabel gibt es in den meisten Computerläden. Sie können ein Null-Modem-Kabel auch selbst herstellen. In Abbildung 7--18. und Abbildung 7--19. zeigen wir Verdrahtungspläne für Null-Modem-Kabel.

Abbildung 7-18. Null-Modem-Kabel, 25-Pin-Stecker

Abbildung 7-19. Null-Modem-Kabel, 9-Pin-Stecker

Die Signale TD und RD werden gekreuzt, ebenso die Signale CTS und RTS. SG wird durchgeschleift. CD und DSR werden an jedem Ende miteinander und mit DTR am anderen Ende verbunden. FG wird beim 25-poligen Stecker durchgeschleift (dies muß nicht sein), aber RI wird beim 9-poligen Stecker nicht durchgeschleift. Wenn Sie die Steckerbelegung ermitteln und diese Regeln zur Signalleitung beachten, können Sie auch ein Null-Modem-Kabel mit einer 9-zu-25-Pin-Belegung konstruieren.

Ein System mit einigen seriellen Schnittstellen kann mehrere UUCP-Rechner gleichzeitig verbinden und Dateien sowie Befehle zwischen ihnen übertragen. Ein Beispiel: Ein Benutzer von UUCP könnte mit dem Befehl uuxqt (ein UUCP-Programm für das Arbeiten auf einem entfernten Rechner) einen zweiten Rechner anweisen, sofort eine Verbindung mit einem dritten Rechner herzustellen. Damit das funktionieren kann, muß der zweite Rechner zwei Schnittstellen gleichzeitig benutzen: die eine, um den Befehl uuxqt zu empfangen, die andere für die Kommunikation mit dem dritten Rechner. Es kann äußerst nützlich sein, auf stark frequentierten UUCP-Systemen mehr als eine Telefonleitung zur Verfügung zu haben.

Unter bestimmten Umständen können Sie UUCP für ISDN- und Ethernet-Verbindungen nutzen. Im Linux Network Administrator's Guide finden Sie eine Abhandlung zu diesem Thema.

UUCP-Versionen und -Fähigkeiten

Es gibt drei UUCP-Pakete von einiger Bedeutung für UNIX-artige Rechner. Sie benutzen verschiedene Dateien und Verwaltungstools, bieten aber weitgehend identische Möglichkeiten und sind funktional kompatibel zueinander. (Zwei Rechner, die unterschiedliche UUCP-Pakete benutzen, können also miteinander kommunizieren.)

Die erste Implementierung ist das Version-2-UUCP, dessen Geschichte bis zu Mike Lesks originaler AT&T-Version zurückverfolgt werden kann. Lesks Original-UUCP -- »Version 1« sozusagen -- war niemals Bestandteil einer UNIX-Distribution. Version 2, 1978 geschrieben von Lesk und Dave Nowitz bei den Bell Laboratories und mit Version-7-UNIX verteilt, wurde also die erste richtige UUCP-Distribution für UNIX. Sie finden UUCP-Utilities im Stil des Version-2-UUCP in FTP-Archiven für BSD-Software.

Auf einem Entwicklertreffen zu UUCP in den Bell Laboratories im Jahr 1983 wurden einige Mängel in der Version 2 festgestellt; das Treffen war einberufen worden, um Probleme zu besprechen, die im Zuge der Entwicklung und Ausweitug des USENET entdeckt wurden. Nach diesem Treffen entwickelten P. Honeyman, D.A. Nowitz und B.E. Redman eine neue Version von UUCP namens BNU (Basic Networking Utilities). Ihnen zu Ehren wird BNU häufig auch als »HoneyDanBer-UUCP« bezeichnet.

Taylor-UUCP, die am engsten mit Linux assoziierte Version, ist das neueste UUCP. Es bietet einige Verbesserungen bei Verwaltung und Kommunikation, die zum großen Teil ungenutzt bleiben, weil sie ausschließlich im Taylor-UUCP-Paket enthalten sind. Auf Linux-Systemen wird das Taylor-UUCP in der Regel als BNU-Paket kompiliert -- wir empfehlen, das ebenfalls zu tun, es sei denn, daß Sie bereits mit einer anderen UUCP-Version vertraut sind.

BNU ist einfacher in der Handhabung als das originale Version-2-UUCP. Es war das erste Paket, das einige der Fähigkeiten implementiert hatte, die für den Benutzer zuhause so wichtig sind: bidirektionale Modemunterstützung und standfeste Wählverfahren für die Kommunikation über Telefonleitungen. Allerdings haben auch die Entwickler des Version-2-UUCP ihre Version modernisiert und haben Utilities eingefügt, die es funktional kompatibel zu BNU machen. (Gehen Sie nicht automatisch davon aus, daß BNU besser ist als einige der aktualisierten Version-2-Pakete.) Sie haben auch die Möglichkeit, mit Hilfe zusätzlicher Freeware-Utilities Ihre UUCP-Implementierung zu verbessern oder anzupassen -- egal, welche Version von UUCP Sie benutzen.

Befehle auf fremden Rechnern ausführen mit UUCP

Die Ausführung von Befehlen auf fremden Rechnern bietet eine bequeme Arbeitsweise in LANs, in denen der Zugang durch Eindringlinge von außen keine Gefahr darstellt. UUCP bietet Ihnen damit die Möglichkeit, die besonderen Fähigkeiten eines entfernt stehenden UUCP-Rechners zu nutzen. Sie könnten beispielsweise PostScript-Dateien an einen fremden Rechner schicken und sie dort in die Druckerwarteschlange für den PostScript-Drucker einreihen. Oder Sie benutzen einen Rechner mit Internet-Anschluß, um eine archie -Anfrage zu starten, die Ihnen ein FTPMail-System nennt, von dem Sie die gesuchten Dateien per E-Mail beziehen können.

Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß die Bedrohung der Systemsicherheit für das Remote-System, die diese Form des bequemen Arbeitens mit sich bringt, ein großer Nachteil ist. Die meisten Systeme, die überhaupt den Remote-Zugriff gestatten, werden nur die Benutzung von wenigen Utilities erlauben. Sie werden versuchen, die Programme anzubieten, die der private Benutzer auf seinem isoliert stehenden Rechner braucht -- beispielsweise E-Mail, Netnews und die Benutzung von UUCP-Funktionen. (Ein Beispiel: Ein System, das E-Mail normalerweise aufhebt, bis es spät in der Nacht eine UUCP-Übertragung startet, könnte einem Remote-Benutzer den Aufruf von uucico gestatten, um sofort mit einem dritten Rechner eine UUCP-Verbindung zum Austausch von Dateien herzustellen.)

E-Mail auf UUCP-Systemen

Seit mehr als einem Jahrzehnt ist UUCP hauptsächlich für den Austausch von E-Mail benutzt worden. Wir werden die ziemlich komplizierten Abläufe beschreiben; in einigen Pseudo-UUCP-Paketen (insbesondere auf Nicht-UNIX-Systemen) kann es sein, daß die Dinge etwas anders gehandhabt werden.

So wird E-Mail typischerweise zwischen UUCP-Systemen befördert:

  1. Ein Benutzer ruft direkt oder indirekt das Programm mail auf und verschickt eine Nachricht.

  2. Das Mail-Programm ruft den Befehl uux auf. Dieser speichert die Nachricht zusammen mit allen anderen in einem Verzeichnis (das sogenannte »Spool«-Verzeichnis) und ruft das Programm uucico auf. Weil UUCP die Übertragung der E-Mail kontrollieren wird, startet uucico als Master; die Gegenstelle arbeitet im Slave-Modus.

  3. uucico liest einige Konfigurationsdateien um herauszufinden, wann es das Remote-System anwählen darf. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, schaut uucico in der Warteschlange nach, ob UUCP-Nachrichten auf den Versand warten; es sperrt dann die Mail-Datei für den fremden Rechner, an den die E-Mail geschickt werden soll; und es benutzt die zugewiesene Schnittstelle, um das Remote-System anzurufen, die Verbindung herzustellen und schließlich einzuloggen.

  4. Der fremde Rechner startet einen uucico -Dämon im Slave-Modus, identifiziert sein System dem Master- uucico gegenüber und handelt das zu benutzende Übertragungsprotokoll aus.

  5. Der Master- uucico -Dämon überträgt die Dateien, die für den Slave-Rechner in der Warteschlange stehen.

  6. Der Master auf dem lokalen System wechselt in den Slave-Modus, der Slave auf dem fremden Rechner macht sich zum Master.

  7. Der uucico des Remote-Systems überträgt (als Master) alle eventuell vorhandenen UUCP-Dateien, die für das lokale System in der Warteschlange stehen.

  8. Wenn beide uucico -Dämonen mitteilen, daß sie keine weiteren UUCP-Jobs für das andere System haben, unterbrechen sie die Verbindung (sie hängen auf).

  9. Der uucico des Systems, das E-Mail empfangen hat, ruft anschließend das Programm rmail auf, um die Nachrichten an die Mailbox des Benutzers zuzustellen.

Hier muß noch ein Wort zur UUCP-Adressierung gesagt werden. Die traditionelle UUCP-Adressierung (auch »Bang«-Adressierung genannt) besteht aus dem Rechnernamen, gefolgt von einem Ausrufezeichen (das »Bang«-Zeichen) und der Benutzer-ID des Mail-Empfängers. Sie können beispielsweise eine Datei namens missive an joeuser auf einem UUCP-Rechner namens icarus schicken, zu dem Ihr System eine Verbindung hat, indem Sie folgendes eingeben:

$ mail icarus!joeuser < missive

Die Benutzer von csh und csh -Clones müssen dem Ausrufezeichen einen Backslash voranstellen, damit die Shell nicht versucht, es als einen Operator zu behandeln. Ein Beispiel: Schreiben Sie phaeton\!joeuser statt phaeton!joeuser.

Wenn Sie eine Nachricht an einen Rechner namens phaeton schicken müssen, zu dem Sie keine direkte UUCP-Verbindung haben, mit dem aber der Rechner icarus verbunden ist, können Sie etwa folgendes eingeben:

$ mail icarus!phaeton!joeuser < missive

Sie haben sicherlich bemerkt, daß dies eine primitive Methode ist, eine bereits vorbereitete Datei zu verschicken. Sie könnten mail auch ganz ignorieren und eingeben:

$ uuto missive icarus!phaeton!joeuser

Sie können Ihre Nachricht auch mit Elm oder einem anderen Mailer schreiben, der dann von sich aus das Programm mail aufruft.

Lassen Sie uns annehmen, daß Sie auf Ihrem Linux-Rechner ein sehr beschränktes Mail-System konfiguriert haben. Ihr Mail-System weiß z.B. nichts über den Versand von E-Mail in das Internet, hat aber via UUCP eine Verbindung zum Rechner phaeton. Dieser Rechner wiederum hat eine UUCP-Verbindung zu kingkong.com, der in das Internet eingebunden ist und das Internet-Routing beherrscht. Sie können eine Nachricht an jackie auf bigcompany.com schicken, indem Sie folgende Adresse angeben:

icarus!phaeton!kingkong.com%jackie@bigcompany.com

Das Routing geschieht anhand des Bang-Pfades. Wenn die Nachricht den Rechner erreicht, dessen Name mit dem Prozentzeichen (%) abgeschlossen wird, liest dieser Rechner die Adresse rechts vom Prozentzeichen und stellt die Nachricht an jackie@bigcompany.com zu. Die Effektivita\et dieses Verfahrens ist unterschiedlich. Es tut uns leid, das sagen zu müssen, aber wenn Sie Adressierungsarten miteinander kombinieren, sind Sie abhängig davon, wie die Mail-Routing-Programme (typischerweise sendmail oder smail ) der dazwischenliegenden Rechner für E-Mail konfiguriert sind -- und es kann sein, daß sie falsch konfiguriert sind.

News-Gruppen auf UUCP-Systemen

Die ersten öffentlich zugänglichen Netzwerk-News wurden per UUCP verteilt. Heutzutage gibt es wahrscheinlich mehr Netzwerk-News (Netnews) allein im Internet, als Ihr PC mittels UUCP (oder einer anderen seriellen Verbindung) handhaben kann. Einige UUCP-Systeme bieten keine Netnews an, weil die Handhabung derselben einem UUCP-Rechner erhebliche Ressourcen an Verarbeitungszeit und Speicherplatz abverlangt und einigen Verwaltungsaufwand mit sich bringt.

Verwalter, die ein UUCP-System für die Handhabung von Netnews konfigurieren, beschränken sich in der Regel auf lokale News-Gruppen und Themen, die für die Benutzer des lokalen UUCP-Systems von besonderem Interesse sind. Wir möchten neuen News-Verwaltern empfehlen, klein anzufangen.

Richten Sie lokale News-Gruppen ein, die nicht in die weltweite Verteilung aufgenommen werden -- etwa eine News-Gruppe zum lokalen UUCP-Netz selbst. Auf diese Weise können Sie Probleme bei der Handhabung und Verteilung von News lösen, bevor Sie Ihre Existenz in news.newsites bekanntmachen und sich an ein größeres Netz anschließen (und auf weitere Probleme stoßen). Niemand, der einen auf UUCP basierenden Newsfeed (News-Verteilrechner) verwalten muß, sollte das versuchen, ohne Managing UUCP and Usenet als Nachschlagewerk zur Hand zu haben.

Der News-Verwalter muß die Software zum Lesen der News aussuchen, die auf dem UUCP-System installiert werden soll; die Wahl wird davon abhängen, mit welcher Software der Verwalter vertraut ist. Der am weitesten verbreitete News-Reader ist wahrscheinlich readnews , aber viele Systeme stellen auf einen moderneren Threaded -News-Reader um, beispielsweise trn oder nn . Diese News-Reader gestatten es dem Leser, innerhalb einer News-Gruppe einem »Gesprächsfaden« (thread) zu folgen; sie beginnen dazu mit einem Artikel und präsentieren anschließend die Kommentare und Antworten (follow-ups) zu diesem Artikel. Viele Leser bevorzugen diese Art des Lesens gegenüber der ursprüngliche Methode des linearen Lesens (first in, first out), die übrigens auch die Threaded-News-Reader beherrschen.

Falls Sie für eine bestimmte Bedienoberfläche schwärmen, sollten Sie vielleicht einen News-Reader benutzen, der eine einheitliche Schnittstelle zu Netnews und E-Mail bietet. Die beiden Utilities xrn und xmh beispielsweise bieten eine gemeinsame Schnittstelle und ein gemeinsam genutztes Dateisystem für den News-Reader rn und die MH-Mail-Utilities. Wer auf Emacs schwört, zieht es vielleicht vor, Gnews, GNUS, C-News, MH oder einen anderen News-Reader aus der Emacs-Umgebung heraus zu benutzen. Solche persönlichen Vorlieben haben in der Regel ihren Preis -- Sie müssen eventuell das Do-it-yourself-Prinzip befolgen, wenn Probleme auftauchen. Systemverwalter haben in der Regel keine Zeit, Software zu unterstützen, die nicht auch von vielen anderen Benutzern eingesetzt wird.

Weil die News-Reader alle so sehr verschieden sind, müssen Sie wahrscheinlich Ihren Systemverwalter um einen Tip bitten. Falls ein bestimmter News-Reader Ihnen lieber ist als alle anderen, werden Sie sicherlich gerne erfahren, daß es eine ganze Reihe von frei erhältlichen News-Readern gibt, die für Linux kompiliert werden können. Vielleicht lohnt es sich, in Zeiten, in denen multimediale E-Mail sich immer mehr durchsetzt, ein Paket zu wählen, das MIME unterstützt, die Multimedia Internet Mail Extensions. Solche Pakete sollten die Grafik- und Audioressourcen Ihres Systems ausnutzen können und auf elegante Art die eingebetteten Multimedia-Daten darstellen, die Ihr System selbst nicht darstellen kann.

So verschieden die vorhandenen News-Reader auch sind, gibt es doch ein paar gemeinsame Traditionen, denen fast alle News-Reader folgen. Das Abonnieren von News-Gruppen wird mit Hilfe einer News-Ressourcen -Datei namens .newsrc in Ihrem Home-Verzeichnis verwaltet. Falls diese Datei nicht existiert, wird sie in der Regel beim ersten Aufruf eines News-Readers angelegt. Die Datei .newsrc enthält normalerweise eine Liste der News-Gruppen, die auf diesem System empfangen werden, sowie Hinweise darauf, welche dieser Gruppen Sie abonniert haben und welche Artikel in den einzelnen News-Gruppen Sie bereits gelesen haben. Weil fast alle News-Reader sich an diese Konvention halten, können Sie auch in verschiedenen Arbeitsumgebungen verschiedene News-Reader benutzen (etwa xrn unter X und rn auf einer ANSI-Konsole) -- und müssen trotzdem nicht befürchten, daß Sie den Überblick über die Liste Ihrer Gruppen und die bereits gelesenen Artikel darin verlieren.


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