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Kapitel 3

Häufig benutzte Befehle

Ein typisches UNIX-System kennt so viele Befehle, daß man mit einer Beschreibung derselben mehrere hundert Seiten füllen kann. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, eigene Befehle zu definieren. Wir wollen hier nur die Befehle vorstellen, mit denen Sie sich durch das System bewegen können, um es zu erkunden.

Verzeichnisse

Wie MS-DOS, und praktisch jedes andere moderne Betriebssystem auch, organisiert UNIX Dateien in einer hierarchischen Verzeichnisstruktur. UNIX gibt dabei nicht vor, wo Dateien stehen müssen, aber im Laufe der Jahre haben sich bestimmte Konventionen herausgebildet. Sie werden z.B. unter Linux ein Verzeichnis namens /home vorfinden, unter dem die Dateien der Benutzer gespeichert sind. Jeder Benutzer hat ein Unterverzeichnis unter /home . Wenn Ihr Login-Name also mdw ist, stehen Ihre persönlichen Dateien im Verzeichnis /home/mdw . Dies wird das Home-Verzeichnis genannt. Selbstverständlich können Sie in Ihrem Home-Verzeichnis weitere Unterverzeichnisse anlegen.

Wie Sie sehen, werden die Bestandteile eines Verzeichnisses durch Schrägstriche (slash) getrennt. Diese durch Schrägstriche getrennte Liste wird oft als Pfadname bezeichnet.

In welchem Verzeichnis befindet sich aber /home ? Natürlich im Verzeichnis / . Dies wird das Root-Verzeichnis genannt; wir haben es bei der Einrichtung der Dateisysteme bereits erwähnt.

Beim Einloggen stellt das System Sie in Ihr Home-Verzeichnis. Um das zu prüfen, geben Sie den Befehl »print working directory« oder pwd ein:

$  pwd 
/home/mdw

Das System bestätigt, daß Sie sich in /home/mdw befinden.

Sie werden nicht lange Spaß daran haben, sich nur in einem Verzeichnis aufzuhalten. Versuchen Sie jetzt, mit dem Befehl cd in ein anderes Verzeichnis zu wechseln:

$  cd /usr/bin 
$  pwd  
/usr/bin
$  cd

Wo sind wir jetzt? Der Befehl cd ohne Argumente bringt uns in unser Home-Verzeichnis zurück. übrigens wird das Home-Verzeichnis oft als Tilde (~) dargestellt. Die Angabe ~/programs bedeutet also, daß programs sich direkt unterhalb von Ihrem Home-Verzeichnis befindet.

Wenn wir schon einmal dabei sind, könnten wir auch gleich ein Verzeichnis namens ~/programs anlegen. Geben Sie in Ihrem Home-Verzeichnis entweder:

$  mkdir programs

ein, oder den kompletten Pfadnamen:

$  mkdir /home/mdw/programs

Wechseln Sie jetzt in das neue Verzeichnis:

$  cd programs 
$  pwd 
/home/mdw/programs

Mit der Zeichenfolge .. wird das »direkt übergeordnete Verzeichnis« angesprochen. Sie können also in Ihr Home-Verzeichnis zurückgelangen, indem Sie eingeben:

$  cd ..

Das Gegenstück zum Befehl mkdir ist rmdir , mit dem Sie Verzeichnisse entfernen:

$  rmdir programs

In ähnlicher Weise werden mit dem Befehl rm Dateien gelöscht. Wir wollen das hier nicht demonstrieren, weil wir noch nicht gezeigt haben, wie man Dateien erzeugt. Im allgemeinen werden Sie dafür einen der Editoren vi oder Emacs benutzen (siehe Kapitel 5, Power-Tools ), aber auch einige der Befehle, die wir in diesem Kapitel besprechen, erzeugen Dateien.

Dateien auflisten

Mit ls erfahren Sie, was sich in einem Verzeichnis befindet. Ohne Argument wird der Inhalt des aktuellen Verzeichnisses ausgegeben. Durch die Angabe eines Argumentes sehen Sie den Inhalt eines anderen Verzeichnisses:

$  ls /home

Einige Systeme benutzen einen schicken ls -Befehl, der besondere Dateien -- etwa Verzeichnisse und ausführbare Dateien -- in Fettdruck oder sogar in verschiedenen Farben anzeigt. Wenn Sie die voreingestellten Farben ändern möchten, editieren Sie die Datei /etc/DIR_COLORS oder erzeugen Sie eine Kopie davon unter dem Namen .dir_colors in Ihrem Home-Verzeichnis und editieren Sie diese.

Wie die meisten UNIX-Befehle kann auch ls mit Optionen erweitert werden, die mit einem Bindestrich (-) eingeleitet werden. Achten Sie darauf, daß Sie vor dem Bindestrich eine Leerstelle lassen. Eine nützliche Option zu ls ist - a für »alle«; damit erfahren Sie Dinge, die Sie in Ihrem Home-Verzeichnis nie vermutet hätten:

$  cd 
$  ls -a 
.                        .bashrc                  .fvwmrc
..                       .emacs                   .xinitrc
.bash_history            .exrc

Ein einzelner Punkt steht für das aktuelle Verzeichnis, und zwei Punkte für das direkt darüberliegende. Aber wozu braucht man die anderen Dateien, deren Name mit einem Punkt beginnt? Es handelt sich um versteckte Dateien. Der Punkt am Anfang des Dateinamens bewirkt, daß diese Dateien mit dem einfachen Befehl ls nicht angezeigt werden. Viele Programme benutzen versteckte Dateien für die Konfiguration durch den Benutzer -- also Voreinstellungen, die Sie vielleicht einmal ändern möchten. Sie können z.B. in der Datei .Xdefaults Befehle eintragen, die das Verhalten von Programmen unter dem X Window System beeinflussen. Sie werden diese Dateien die meiste Zeit nicht benötigen, werden Sie aber benutzen, wenn Sie Ihr System konfigurieren. Wir wollen weiter unten einige dieser Dateien vorstellen.

Eine andere nützliche Option zu ls ist -l für »lang«. Damit erhalten Sie zusätzliche Informationen über die Dateien. Abbildung 3--1. zeigt eine typische Ausgabe dieses Befehls und die Bedeutung der einzelnen Felder.

Abbildung 3-1. Ausgabe von ls -l

Wir werden die Felder Permissions, Owner und Group (Zugriffsrechte, Eigner und Gruppe) weiter unten in diesem Kapitel, im Abschnitt » Die Dateiberechtigungen « , besprechen. Dieser Befehl zeigt auch die Größe der Dateien sowie das Datum der letzten Änderung an.

Dateien anzeigen mit more oder less

Eine Möglichkeit, eine Datei anzuzeigen, ist das Starten eines Editors:

$  emacs .bashrc

Wenn Sie allerdings nur kurz in die Datei hineinschauen wollen, ohne den Inhalt zu ändern, sind andere Befehle geeigneter. Der einfachste davon hat den merkwürdigen Namen cat :

$  cat .bashrc

Weil eine lange Datei so schnell über den Bildschirm wandert, daß ein Mitlesen nicht möglich ist, benutzen die meisten Leute statt dessen den Befehl more :

$  more .bashrc

Damit bekommen Sie jeweils eine Bildschirmseite voll Text angezeigt und müssen dann die Leertaste drücken, um die Anzeige fortzusetzen. more kennt eine ganze Reihe von mächtigen Optionen. So können Sie z.B. in der Datei nach einem String suchen; geben Sie dazu einen Schrägstrich (/) ein, tippen Sie dann den Suchstring, und drücken Sie zum Abschluß RETURN.

Eine beliebte Variante von more ist der Befehl less . Er hat noch weitaus mächtigere Optionen -- etwa die Möglichkeit, rückwärts durch eine Datei zu blättern (drücken Sie dazu einfach b).

Symbolische Verknüpfungen

Manchmal empfiehlt es sich, eine Datei an einer bestimmten Stelle zu speichern, aber so zu tun, als sei es eine andere Datei. Dies wird meistens von Systemverwaltern angewendet, nicht von Benutzern. Eventuell möchten Sie mehrere Versionen eines Programms zur Verfügung haben, die dann prog.0.9 , prog.1.1 usw. heißen. Die gerade benutzte Version des Programms soll immer prog heißen. Vielleicht haben Sie eine Datei auch in einer bestimmten Partition abgelegt, weil dort gerade Platz war, aber das Programm, das diese Datei benutzt verlangt, daß sich die Datei an einer anderen Stelle befindet, weil der Pfadname fest im Programm steht.

UNIX benutzt Links (Verknüpfungen, Verweise), um solche Situationen zu handhaben. In diesem Abschnitt werden wir die symbolic links (symbolische Verknüpfungen) vorstellen, die auch die am häufigsten benutzten und flexibelsten Links sind. Ein Symbolic Link ist so etwas wie eine Attrappe einer Datei die nichts weiter tut, als auf eine andere Datei zu verweisen. Wenn Sie ein Symbolic Link zum Editieren, Lesen oder Ausführen aufrufen, wird das Betriebsystem dem Verweis folgen und Ihnen die tatsächlich existierende Datei präsentieren.

Wir wollen das am Beispiel der Datei prog darstellen. Wenn Sie eine symbolische Verknüpfung prog mit der eigentlichen Datei namens prog.1.1 herstellen wollen, geben Sie folgendes ein:

$  ln -s prog.1.1 prog

Sie haben damit eine Datei mit dem Namen prog angelegt, die aber nur eine Attrappe, ein Verweis ist -- wenn Sie prog aufrufen, starten Sie in Wirklichkeit prog.1.1 . Lassen Sie uns nachsehen, was ls -l uns zu dieser Datei mitteilt:

$  ls -l prog 
lrwxrwxrwx   2 mdw      users           8 Nov 17 14:35 prog -> prog.1.1

Das l am Anfang der Zeile zeigt an, daß prog ein Link ist, und der kleine Pfeil (->) verweist auf die eigentliche Datei.

Symbolische Links sind sehr einfach zu verstehen, wenn man sich einmal an die Vorstellung gewöhnt hat, daß eine Datei auf eine andere verweist. Bei der Installation von Software werden Ihnen ständig Links begegnen.


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