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Kapitel 2

Nach der Installation

Nachdem die Installation der Linux-Software abgeschlossen ist, sollten Sie in der Lage sein, das System neu zu booten, als root einzuloggen, und mit der Erkundung Ihres Systems zu beginnen. (Jede Distribution geht hier anders vor -- lesen Sie die Hinweise zu Ihrer Distribution.)

Bevor Sie sich allerdings in neues Gelände vorwagen, gibt es noch ein paar Dinge zu erledigen, die sich am besten zu diesem Zeitpunkt erledigen lassen, und die Ihnen später einigen Ärger ersparen können. Manche dieser Aufgaben sind mit der richtigen Hardware und Linux-Distribution trivial, andere erfordern vielleicht ein wenig Forschungsarbeit von Ihnen. Vielleicht möchten Sie solche Aufgaben lieber auf später verschieben.

Einen Benutzeraccount anlegen

Bevor Sie Ihr System benutzen, müssen Sie einen Benutzeraccount für sich anlegen. Wenn Sie vorhaben, andere Benutzer auf Ihrem System arbeiten zu lassen, werden Sie auch für diese Benutzer Accounts anlegen. Auf jeden Fall brauchen Sie einen Account, bevor Sie loslegen.

Warum eigentlich? Jedes Linux-System enthält mehrere vorkonfigurierte Accounts wie z.B. root. Der root-Account ist allerdings nur für die Systemverwaltung vorgesehen. Als root haben Sie einige Privilegien sowie Zugriff auf alle Dateien im System.

Aber die Arbeit als root kann gefährlich sein -- insbesondere, wenn Sie Linux-Neuling sind. Weil root absolut keinen Einschränkungen unterliegt, ist es schnell passiert, daß Sie sich bei einem Befehl vertippen und aus Versehen Dateien löschen, das Dateisystem beschädigen usw. Sie sollten nur dann als root einloggen, wenn Sie mit der Systemverwaltung beschäftigt sind; etwa um Konfigurationsdateien anzupassen, neue Software zu installieren usw.

Lesen Sie Details im Abschnitt » Die Systemverwaltung « von Kapitel 4 nach.

Für den normalen Betrieb sollten Sie einen üblichen Benutzeraccount einrichten. UNIX-Systeme haben Sicherheitsmaßnahmen eingebaut, die verhindern, daß ein Benutzer die Dateien eines anderen Benutzers löscht, wichtige Teile des Systems wie Konfigurationsdateien zerstört usw. Als normaler Benutzer schützen Sie sich damit vor Ihren eigenen Fehlern. Dies gilt besonders dann, wenn Sie nicht über Erfahrungen als Verwalter eines UNIX-Systems verfügen.

Viele Linux-Distributionen stellen Hilfsprogramme zum Erzeugen neuer Accounts bereit. Diese Programme heißen in der Regel useradd oder adduser . Wenn Sie als root eines dieser Programme aufrufen, sollten Sie eine Übersicht über die möglichen Befehle erhalten; das Anlegen eines neuen Accounts sollte dann keine Probleme bereiten.

Andere Distributionen wie die LGX-CD-ROM von Yggdrasil enthalten ein Programm, das für verschiedene Aufgaben der Systemverwaltung eingesetzt wird, darunter auch das Erzeugen eines neuen Benutzeraccounts. Mit dem Befehl control-panel unter LGX starten Sie dieses Programm.

Falls Sie keine andere Möglichkeit haben, können Sie einen Account auch von Hand anlegen. In der Regel müssen Sie dazu nur:

Wir wollen hier nicht zu sehr ins Detail gehen -- jedes Buch über die Administration von UNIX-Systemen beschreibt, wie neue Benutzeraccounts eingerichtet werden (siehe auch Anhang F, Bibliographie ).

Im Abschnitt » Die Verwaltung der Benutzeraccounts « von Kapitel 4 gehen wir auch auf die Einbindung neuer Benutzer ein. Mit etwas Glück finden Sie ein Programm vor, das diesen Schritt für Sie erledigt.

Denken Sie daran , daß Sie mit dem Befehl passwd das Paßwort für den neuen Account eingeben oder ändern können. Wenn Sie z.B. das Paßwort für den Benutzer duck ändern möchten, geben Sie ein:

#  passwd duck 

Damit legen Sie ein Paßwort für duck an oder ändern ein bereits vorhandenes. Wenn Sie passwd als root aufrufen, werden Sie nicht nach dem alten Paßwort gefragt. Auf diese Weise können Sie ein neues Paßwort vergeben, wenn Sie das alte vergessen haben -- solange Sie als root einloggen können.

Die Online-Hilfe

Die Online-Hilfe von Linux steht in Form von Manual-Pages (Handbuchseiten) -- kurz »Man-Pages« bereit. In diesem ganzen Buch werden wir Sie immer wieder auf die Man-Pages zu bestimmten Befehlen hinweisen, wo Sie weitere Informationen finden. Die Man-Pages beschreiben System- und Anwendungsprogramme im Detail. Es ist wichtig, daß Sie von Anfang an lernen, wie Sie mit dieser Online-Hilfe umgehen -- für den Fall, daß Sie einmal in eine Sackgasse geraten.

Sie erhalten die Online-Hilfe zu einem bestimmten Befehl, indem Sie den Befehl man aufrufen. Wenn Sie z.B. Information zu passwd brauchen, geben Sie ein:

$  man passwd 

Damit rufen Sie die Handbuchseite zu passwd auf.

In der Regel werden die Man-Pages als eine Option angeboten, so daß sie nur dann zur Verfügung stehen, wenn Sie sich für die Installation entschieden haben. Es kann auch vorkommen, daß auf Ihrem System einige Seiten fehlen oder nicht vollständig sind. Das hängt davon ab, wie umfangreich Ihre Distribution ist und wie aktuell die Man-Pages sind.

Die Man-Pages von Linux beschreiben u.a. Systemaufrufe, Bibliotheksfunktionen, das Format der Konfigurationsdateien sowie Kernel-Interna.

Im Abschnitt » Manual-Pages « von Kapitel 3 werden wir die Benutzung der Man-Pages genauer beschreiben.

Die Datei /etc/fstab editieren

Damit beim Booten des Systems alle Linux-Dateisysteme zur Verfügung stehen, müssen Sie eventuell die Datei /etc/fstab editieren, in der Ihre Dateisysteme beschrieben werden. Viele Distributionen legen /etc/fstab während der Installation automatisch an, so daß Sie vielleicht gar nicht eingreifen müssen. Wenn Sie allerdings mit zusätzlichen Dateisystemen arbeiten, die während der Installation noch nicht gebraucht wurden, müssen Sie diese eventuell von Hand in /etc/fstab eintragen. Auch Swap-Bereiche sollten in dieser Datei eingetragen sein.

Um mit einem Dateisystem zu arbeiten, müssen Sie es zunächst mounten (aufsetzen). Das Mounten stellt die Verbindung zwischen diesem Dateisystem und einem bestimmten Verzeichnis her. Das Root-Dateisystem ist z.B. auf / aufgesetzt, das Dateisystem /usr auf /usr usw. (Falls Sie kein eigenes Dateisystem für /usr angelegt haben, werden alle /usr -Dateien im Root-Dateisystem abgelegt.)

Wir wollen Sie hier nicht mit technischen Details erschlagen, aber es ist wichtig, daß Sie verstehen, wie Sie die Dateisysteme vorbereiten, bevor Sie mit der Erkundung des Systems beginnen.

Genaueres dazu finden Sie im Abschnitt » Dateisysteme aufsetzen « in Kapitel 4 oder in jedem Buch über die Systemverwaltung unter UNIX.

Das Dateisystem Root wird beim Booten von Linux automatisch auf / aufgesetzt. Die anderen Dateisysteme müssen Sie allerdings einzeln mounten. In der Regel geschieht das durch den Befehl:

mount -av 

in die Startdatei /etc/rc . Damit weisen Sie den Befehl mount an, alle Dateisysteme zu mounten, die in der Datei /etc/fstab aufgelistet sind. Deshalb müssen alle Dateisysteme, die Sie beim Booten automatisch mounten wollen, in /etc/fstab stehen. (Natürlich können Sie die Dateisysteme jederzeit von Hand mounten, indem Sie nach dem Booten den Befehl mount eingeben, aber das wäre unnötige Arbeit.)

Es folgt ein Beispiel für eine /etc/fstab -Datei. In diesem Beispiel befindet sich das Root-Dateisystem auf /dev/hda1 , das Dateisystem /home auf /dev/hdb2 , und die Swap-Partition liegt auf /dev/hdb1 .

# /etc/fstab 
# device      directory   type   options  
# 
/dev/hda1     /           ext2   defaults 
/dev/hdb2     /home       ext2   defaults 
/dev/hdb1     none        swap   sw 
/proc         /proc       proc   defaults 

Die Zeilen, die mit »#« beginnen, sind Kommentare. Beachten Sie den zusätzlichen Eintrag für /proc . Dies ist ein »virtuelles Dateisystem«, das von Befehlen wie z.B. ps benutzt wird, um Informationen über Systemprozesse zu gewinnen.

Wie Sie sehen, ist /etc/fstab aus einzelnen Zeilen aufgebaut. Das erste Feld jeder Zeile enthält den Gerätenamen einer Partition (z.B. /dev/hda1 ). Das zweite Feld gibt den Mount-Point (Aufsetzpunkt) an -- also das Verzeichnis, das mit diesem Dateisystem verbunden ist. Das dritte Feld bezeichnet den Typ des Dateisystems. Die ext2fs -Dateisysteme von Linux sollten hier ext2 eingetragen haben. Für Swap-Partitionen sollte swap eingetragen werden. Das vierte Feld enthält die Mount-Optionen. Hier sollte für Dateisysteme defaults und für Swap-Partitionen sw eingetragen werden.

Mit diesem Beispiel an der Hand sollten Sie in der Lage sein, weitere Einträge für beliebige andere Dateisysteme zu ergänzen, die noch nicht in /etc/fstab stehen.

Wie werden Einträge in /etc/fstab vorgenommen? Die einfachste Methode ist es, die Datei als root mit einem Editor wie vi oder Emacs zu bearbeiten.

Wir wollen hier nicht auf die Arbeit mit Texteditoren eingehen -- sowohl vi als auch Emacs werden am Anfang von Kapitel 5 beschrieben.

Nach dem Editieren der Datei müssen Sie noch den Befehl:

#  /etc/mount -a 

eingeben oder das System erneut booten, damit die Änderungen wirksam werden.

Falls Sie an dieser Stelle auf Probleme stoßen, besteht kein Grund zur Panik. UNIX-Neulinge sollten in der Literatur zu grundlegenden Aspekten von UNIX und zur Systemadministration nachlesen. Im Rest des Buches werden wir voraussetzen, daß Sie mit diesen UNIX-Grundlagen vertraut sind -- sagen Sie also nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt!

Das System herunterfahren

Sie sollten Ihr Linux-System niemals ausschalten oder neu booten, indem Sie die RESET-Taste drücken oder die bekannte Tastenkombination CTRL-ALT-DEL benutzen. Sie sollten auch nicht einfach die Stromzufuhr unterbrechen. Wie die meisten UNIX-Systeme benutzt auch Linux einen Cache für Schreibzugriffe auf die Festplatte. Wenn Sie also das System unerwarteterweise neu booten, ohne es vorher »sauber« herunterzufahren, könnten Daten verlorengehen, die noch nicht auf die Festplatte geschrieben wurden.

Die einfachste Methode, das System herunterzufahren, ist der Befehl shutdown . Wenn Sie z.B. das System verlasssen und sofort neu booten wollen, geben Sie als root ein:

#  shutdown -r now 

Damit erreichen Sie, daß das System sauber wieder gestartet wird. Die Man-Page zu shutdown beschreibt weitere Argumente für die Befehlszeile.


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