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Kapitel 2

Linux-Distributionen

Weil Linux freie Software ist, gibt es keine einzelne Organisation oder Instanz, die für die Freigabe und Verteilung der Software zuständig ist. Deshalb steht es jedermann frei, Linux-Software zusammenzustellen und zu verteilen, solange die Einschränkungen durch die GPL beachtet werden. Als Folge davon gibt es viele Distributionen, die Sie sich per anonymem FTP und im Versand- oder Buchhandel besorgen können.

Sie stehen jetzt vor der Aufgabe, sich für eine bestimmte Distribution zu entscheiden, die Ihren Ansprüchen genügt. Nicht alle Distributionen sind gleich. Viele enthalten alle Software, die Sie zum Betrieb eines kompletten Systems brauchen -- und ein paar Extras dazu. Andere Distributionen sind »kleine« Distributionen für Benutzer ohne allzu viel Speicherplatz. Einige Distributionen enthalten nur die absolut notwendige Linux-Software, und Sie müssen sich selbst darum kümmern, größere Softwarepakete wie z.B. das X Window System zu installieren.

(In Kapitel 4, Grundlagen der Systemverwaltung zeigen wir Ihnen, wie Sie dabei vorgehen.)
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Das Linux-Distribution-HOWTO enthält eine Liste der Distributionen, die im Internet und im Versandhandel erhältlich sind. In Anhang B, Liste der Linux-Anbieter finden Sie Kontaktadressen für eine Reihe von Linux-Versandhändlern.

Wie sollen Sie sich für eine bestimmte Distribution entscheiden? Wenn Sie Zugang zu den USENET-News oder einem anderen Online-System haben, könnten Sie dort nach den persönlichen Einschätzungen von Leuten fragen, die Linux installiert haben. Besser noch wäre es, wenn Sie persönlich einen Linux-Benutzer um Rat bitten könnten. Tatsächlich ist es so, daß die meisten der bekannten Linux-Distributionen etwa die gleiche Software enthalten, so daß Sie willkürlich eine Distribution wählen können.

Linux aus dem Internet

Wenn Sie Zugang zum Internet haben, ist der einfachste Weg, Linux zu besorgen, der über anonymes FTP. (1)

Anhang C listet eine Reihe von FTP-Archiven auf, die Linux-Software enthalten. Eines dieser Archive ist sunsite.unc.edu, und die verschiedenen Linux-Distributionen befinden sich im Verzeichnis /pub/Linux/distributions .

Viele Distributionen werden per anonymem FTP als ein Satz von Disketten-Images verteilt. Das bedeutet, daß die Distribution aus einer Reihe von Dateien besteht, und jede Datei enthält das binäre Abbild (image) einer Diskette. Um eine Image-Datei auf eine Diskette zu kopieren, können Sie unter MS-DOS das Programm RAWRITE.EXE benutzen. Dieses Programm kopiert den Inhalt einer Datei blockweise auf eine Diskette, ohne sich um die Formatierung der Diskette zu kümmern. (2)

Denken Sie daran, daß dies eine sehr aufwendige Methode der Linux-Installation ist: Die Distribution kann ohne weiteres mehr als 50 Disketten umfassen.

RAWRITE.EXE finden Sie auf verschiedenen Linux-FTP-Servern einschließlich sunsite.unc.edu im Verzeichnis /pub/Linux/system/Install/rawwrite .

In vielen Fällen werden Sie also so vorgehen, daß Sie die Disketten-Images auf Ihren Rechner übertragen und anschließend mit RAWRITE.EXE aus allen Images einen Diskettensatz erstellen. Sie booten von der sogenannten »Boot-Diskette«, und schon können Sie loslegen. Die Software wird in der Regel direkt von den Disketten installiert, aber einige Distributionen erlauben auch die Installation aus einer DOS-Partition auf Ihrer Festplatte heraus. Andere Distributionen erlauben außerdem die Installation über ein TCP/IP-Netzwerk. Die Dokumentation zu jeder Distribution sollte beschreiben, welche Methoden der Installation Sie benutzen können.

Andere Linux-Distributionen werden von einem Satz DOS-formatierter Disketten installiert. Die Slackware-Distribution z.B. benötigt RAWRITE.EXE nur für die Boot- und Rootdisketten. Der restliche Inhalt der Distribution wird auf DOS-formatierte Disketten kopiert. Das System installiert die Software direkt von den DOS-Disketten. Das erpart Ihnen das wiederholte Kopieren mit RAWRITE.EXE, aber Sie müssen Zugang zu einem DOS-System haben, um die Disketten zu erstellen.

Jede Linux-Distribution, die Sie per anonymem FTP beziehen können, sollte eine README -Datei enthalten, in der das Herunterladen und die Vorbereitung der Disketten zur Installation beschrieben werden. Lesen Sie alle verfügbaren Dokumente, die zu Ihrer Distribution gehören.

Zum Übertragen der Linux-Software sollten Sie auf jeden Fall den binären Modus einstellen; die meisten FTP-Clients erledigen das mit dem Befehl binary .

Linux aus anderen Online-Quellen

Wenn Sie Zugang zu einem anderen Computernetzwerk wie CompuServe oder Prodigy haben, gibt es eventuell die Möglichkeit, die Linux-Software von dort herunterzuladen. Auch viele Bulletin Board Systems (BBSs) enthalten Linux-Software. Allerdings werden Sie in diesen Netzwerken nicht alle der vorhandenen Distributionen vorfinden, weil einige -- insbesondere die diversen CD-ROM-Distributionen -- nur über den Versandhandel erhältlich sind.

Linux aus dem Versandhandel

Für den Fall, daß Sie keinen Zugang zum Internet oder zu einem BBS haben, können Sie viele der Linux-Distributionen auf Diskette, Magnetband oder CD-ROM über den Versandhandel beziehen.

Anhang B listet einige dieser Händler auf. Viele von ihnen akzeptieren Kreditkarten und internationale Geldanweisungen, so daß Sie auch von außerhalb der USA und Kanada Linux auf diesem Wege beziehen können.

Linux ist freie Software, aber die GPL erlaubt es den Vertreibern, dafür Geld zu verlangen. Wenn Sie Linux also im Versandhandel bestellen, werden Sie je nach Distribution dafür etwa 40 - 200 DM ausgeben müssen. Wenn Sie allerdings jemanden kennen, der bereits ein Linux-System gekauft oder heruntergeladen hat, steht es Ihnen frei, diese Software für Ihre Zwecke auszuleihen oder zu kopieren. Die Vertreiber von Linux dürfen die Lizenz und das Recht auf Weitergabe in keiner Weise einschränken. Falls Sie vorhaben, ein ganzes Computerstudio mit Linux auszustatten, brauchen Sie nur ein Exemplar einer Distribution zu besorgen, und dürfen dieses Exemplar dann auf allen Rechnern installieren.


Fußnoten:

(1)
Falls Sie keinen direkten Internet-Anschluß haben, können Sie Linux per FTPMail beziehen vorausgesetzt, Sie können E-Mail mit dem Internet austauschen. In Anhang C finden Sie Details hierzu.
(2)
Wenn Sie Zugang zu einer UNIX-Workstation mit einem Diskettenlaufwerk haben, können Sie auch mit dem Befehl dd das Datei-Image direkt auf eine Diskette kopieren. Ein Befehl wie: dd of=/dev/rfd0 if=foo bs=18k wird auf einer Sun-Workstation den Inhalt der Datei foo »roh« auf eine Diskette schreiben. Fragen Sie die UNIX-Gurus vor Ort nach den Diskettenlaufwerken und dem Befehl dd.


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