Copyright © 1995 by O'Reilly/International Thomson Verlag

Bitte denken Sie daran: Sie dürfen zwar die Online-Version ausdrucken, aber diesen Druck nicht fotokopieren oder verkaufen.

Wünschen Sie mehr Informationen zu der gedruckten Version des Buches "Linux - Wegweiser zur Installation & Konfiguration", dann klicken Sie hier.


Kapitel 1
Hardwareanforderungen

Sie sollten mittlerweile davon überzeugt sein, wie großartig Linux ist und was es alles für Sie leisten kann. Bevor Sie allerdings mit der Installation der Software loslegen, sollten Sie sich über die Hardwareanforderungen und die Beschränkungen von Linux klarwerden.

Denken Sie daran, daß Linux von seinen Benutzern entwickelt wurde. Das bedeutet, daß nur die Hardware unterstützt wird, die den Entwicklern tatsächlich zur Verfügung steht. Es zeigt sich allerdings, daß ein Großteil der weitverbreiteten Hardware und Peripherie für die 80x86er Systeme unterstützt wird (Linux unterstützt sogar mehr Hardware als einige der kommerziellen Implementierungen von UNIX). Einige eher obskure und esoterische Geräte werden allerdings noch nicht unterstützt. Im Laufe der Zeit wird immer mehr Hardware eingebunden; wenn Ihre Lieblingsperipherie hier also noch nicht aufgeführt ist, stehen die Chancen doch gut, daß Sie demnächst unterstützt wird.

Ein anderes Problem mit dem Hardwaresupport unter Linux ist, daß viele Firmen bei den Hardwareschnittstellen ihre eigenen Standards pflegen. Eine Auswirkung davon ist, daß freiwillige Linux-Entwickler einfach keine Treiber für solche Geräte schreiben können (wenn Sie könnten, würden diese Treiber der Firma gehören, der auch das Interface gehört, und das wiederum erlaubt die GPL nicht). Die Firmen, die ihre eigenen Interfaces bauen, schreiben auch eigene Treiber z.B. für MS-DOS und Microsoft Windows; der Benutzer (das sind Sie) braucht nichts über das Interface zu wissen. Unglücklicherweise führt das dazu, daß Linux-Entwickler für solche Geräte keine Treiber schreiben können.

Es gibt kaum einen Ausweg aus dieser Situation. In einigen Fällen haben Programmierer versucht, Treiber zu »hacken«, indem Sie von bestimmten Annahmen über das Interface ausgingen. In anderen Fällen arbeiten Entwickler mit der betreffenden Firma zusammen und versuchen, Informationen zum Interface zu bekommen -- mit wechselndem Erfolg.
[83]

In den folgenden Abschnitten werden wir versuchen, die Hardwareanforderungen für Linux zusammenzufassen. Die HOWTO-Dateien von Linux (im Abschnitt » Quellen für Informationen zu Linux « finden Sie eine Erläuterung der HOWTOs) enthalten eine umfangreichere Liste der von Linux unterstützten Hardware.

Achtung: Ein großer Teil der Hardwareunterstützung für Linux befindet sich noch in der Entwicklung. Die verschiedenen Distributionen können diese experimentellen Möglichkeiten unterstützen oder auch nicht. In diesem Abschnitt listen wir in erster Linie Hardware auf, die bereits seit einiger Zeit unterstützt wird und von der man weiß, daß sie stabil ist. Wenn Sie Zweifel haben, sollten Sie die Dokumentation zu Ihrer Linux-Distribution lesen (siehe den Abschnitt » Linux-Distributionen « in Kapitel 2 ).

Anforderungen an Hauptplatine und CPU

Linux unterstützt derzeit Systeme mit Intels 80386er, 80486er und Pentium-CPU. Dazu gehören alle Varianten dieser CPU-Typen wie z.B. 386SX, 486SX und 486DX2. Auch alle »Clones«, die nicht von Intel stammen, wie etwa AMD- und Cyrix-Prozessoren arbeiten mit Linux zusammen.

Wenn Sie einen 80386SX oder 80486SX haben, möchten Sie vielleicht einen mathematischen Koprozessor einsetzen, obwohl der nicht erforderlich ist (der Linux-Kernel kann eine FPU emulieren). Alle Standard-FPUs wie IIT, Cyrix FasMath und die Koprozessoren von Intel werden unterstützt.

Die Hauptplatine muß mit einer der Busarchitekturen ISA, EISA oder PCI ausgestattet sein. Diese Begriffe definieren, wie das System mit der Peripherie und anderen Komponenten auf dem Hauptbus kommuniziert. Die meisten heutzutage verkauften Systeme benutzen entweder einen ISA- oder EISA-Bus. Der MicroChannel-Bus (MCA) von IBM, den man in Rechnern wie dem PS/2 von IBM findet, wird derzeit nicht unterstützt.

Systeme mit Local-Bus-Architektur (für schnellere Grafik und Festplattenzugriffe) werden ebenfalls unterstützt. Wir empfehlen, einen Standard-Local-Bus wie z.B. den VESA Local-Bus (VLB) auszuwählen.

Speicherbedarf

Linux geht im Vergleich zu anderen fortschrittlichen Betriebssystemen sehr genügsam mit Arbeitsspeicher um. Als absolutes Minimum sollten Sie zwei Megabytes RAM haben; besser sind allerdings vier MBytes. Je mehr Arbeitsspeicher Sie haben, desto schneller wird das System sein.

Linux kann die vollen 32 Bits der 80x86er-Adressierung verarbeiten; mit anderen Worten: es wird automatisch den gesamten Arbeitsspeicher nutzen.

Linux wird problemlos mit nur vier Megabytes RAM laufen -- einschließlich der schicken Extras wie dem X Window System, Emacs usw. Allerdings ist mehr Arbeitsspeicher fast so wichtig wie eine schnellere CPU. Acht MBytes sind mehr als genug für ein privates System; wenn Sie allerdings viele Benutzer auf dem Rechner arbeiten lassen, brauchen Sie eventuell 16 MBytes oder mehr.

Die meisten Linux-Benutzer richten einen Teil ihrer Festplatte als Swap-Partition (Auslagerungsdatei) ein, die als virtuelles RAM genutzt wird. Selbst wenn Sie einen großen physikalischen Arbeitsspeicher in Ihrem Rechner haben, wollen Sie vielleicht doch eine Swap-Partition benutzen. Obwohl diese den physikalischen Speicher nicht ersetzen kann, lassen sich mit ihr größere Anwendungen starten, indem Teile des inaktiven Codes auf die Festplatte ausgelagert werden. Es hängt von einer Reihe von Faktoren ab, wieviel Platz Sie der Swap-Partition zuweisen sollten; im Abschnitt » Die Partitionierung unter Linux « in Kapitel 2 werden wir darauf zurückkommen.

Anforderungen an den Festplattencontroller

Sie müssen keine Festplatte haben, um mit Linux zu arbeiten; ein Minimalsystem kann komplett von einer Diskette aus laufen. Allerdings ist das eine langsame und eingeschränkte Lösung und viele Benutzer haben ohnehin Festplattenspeicher. Sie brauchen einen Controller nach dem AT-Standard (16-Bit). Der Kernel unterstützt auch den XT-Standard (8-Bit), aber heutzutage sind die meisten Controller AT-Standard. Linux sollte alle MFM-, RLL- und IDE-Controller unterstützen. Einige, aber nicht alle ESDI-Controller werden unterstützt -- nämlich diejenigen, die ST506-Hardware emulieren.

Allgemein gilt für Nicht-SCSI-Controller für Festplatten und Diskettenlaufwerke: Wenn Sie die Laufwerke von MS-DOS oder einem anderen Betriebssystem aus ansprechen können, sollte das auch unter Linux funktionieren.

Linux unterstützt auch eine Reihe von SCSI-Laufwerkcontrollern, obwohl die SCSI-Unterstützung wegen der vielen Standards für Controller eingeschränkt ist. Zu den unterstützten SCSI-Controllern gehören: AHA1542B, AHA1542C, AHA1742A (BIOS-Version 1.34), AHA1522, AHA1740 und AHA1740 (SCSI-2-Controller, BIOS 1.34 im Enhanced Mode) von Adaptec, 1680, TMC-850 und TMC-950 von Future Domain; ST-02 von Seagate, UltraStor SCSI sowie WD7000FASST von Western Digital. Clones dieser Karten sollten ebenfalls funktionieren.

Anforderungen an die Festplattenkapazität

Natürlich brauchen Sie eine gewisse Menge freier Plattenkapazität, wenn Sie Linux installieren möchten. Linux unterstützt mehrere Festplatten in einem System; Sie können gegebenenfalls auch über mehrere Festplatten hinweg für Linux Platz schaffen.

Die Menge an Festplattenspeicher, die Sie brauchen werden, ist in hohem Maße abhängig von Ihren Bedürfnissen und der Software, die Sie installieren möchten. Im Vergleich mit anderen UNIX-Implementierungen kommt Linux mit wenig Platz aus; Sie könnten auf etwa 10 bis 20 Megabytes an Festplattenspeicher ein komplettes System installieren. Wenn Sie aber Reserven für Erweiterungen vorhalten wollen oder für größere Pakete wie das X Window System, werden Sie mehr Festplattenkapazität brauchen. Falls mehrere Benutzer auf dem System arbeiten sollen, werden Sie für deren Daten Speicherplatz vorsehen müssen.

Falls Sie nicht über 16 Megabytes RAM oder mehr verfügen, werden Sie wahrscheinlich auch eine Swap-Partition anlegen wollen, die als virtuelles RAM genutzt wird. Wir werden die Details der Installation und Nutzung einer Swap-Partition im Abschnitt » Die Partitionierung unter Linux « in Kapitel 2 besprechen.

Jede Distribution von Linux enthält in der Regel Hinweise dazu, wie Sie die Größe des benötigten Speicherplatzes, abhängig von der zu installierenden Software, bestimmen können. Ein Minimalsystem läßt sich in weniger als 20 Megabytes einrichten; ein komplettes System mit allen Extras braucht vielleicht 80 MBytes oder weniger. Für ein sehr großes System, auf dem viele Benutzer arbeiten und das vielleicht einmal erweitert werden soll, benötigen Sie zwischen 100 und 150 MBytes. Diese Werte sollen allerdings nur als grobe Anhaltspunkte dienen; Sie müssen anhand Ihrer Bedürfnisse und Pläne den speziellen Speicherbedarf Ihres Systems ermitteln.

Anforderungen an Monitor und Grafikadapter

Linux unterstützt alle Standardkarten und Monitore für Herkules, CGA, EGA, VGA und SVGA sowie IBM-Monochrom im Textmodus. Allgemein gilt: Wenn die Kombination aus Grafikkarte und Monitor unter einem anderen Betriebssystem als MS-DOS funktioniert, sollte es auch unter Linux keine Probleme geben. Original-CGA-Karten von IBM erzeugen unter Linux »Schnee«, was nicht sehr angenehm ist.

Grafische Bedienoberflächen wie das X Window System stellen höhere Anforderungen an die Grafikhardware. Statt diese Anforderungen hier aufzulisten, verweisen wir auf den Abschnitt » Hardwareanforderungen « in Kapitel 5. Kurz gesagt: Sie brauchen eine der dort erwähnten Grafikkarten, um auf Ihrem Rechner mit dem X Window System zu arbeiten.

Andere Hardware

In den vorherigen Abschnitten haben wir beschrieben, welche Hardware Sie für Linux haben müssen. Aber die meisten Benutzer haben noch »optionale« Hardware wie Streamer- und CD-ROM-Laufwerke oder Soundkarten installiert. Wenn Sie wissen möchten, ob solche Hardware von Linux unterstützt wird, lesen Sie weiter.

Mäuse und andere Eingabegeräte

In der Regel werden Sie die Maus nur unter einer grafischen Bedienoberfläche wie dem X Window System brauchen. Es gibt aber auch mehrere Linux-Anwendungen ohne grafische Oberfläche, die von der Maus Gebrauch machen.

Linux unterstützt alle seriellen Standardmäuse, darunter Logitech, die MM-Serie, Microsoft (mit zwei Knöpfen) und Mouse Systems (mit drei Knöpfen). Außerdem unterstützt Linux die Busmäuse von Microsoft, Logitech und ATIXL sowie das Mausinterface von PS/2.

Alle anderen Eingabegeräte (z.B. Trackballs), die eine der o.a. Mäuse emulieren, sollten ebenfalls funktionieren.

CD-ROM

Fast alle CD-ROM-Laufwerke benutzen die SCSI-Schnittstelle. Solange Sie einen SCSI-Adapter haben, der von Linux unterstützt wird, sollte auch Ihr CD-ROM-Laufwerk funktionieren. Einige Laufwerke arbeiten nachweislich unter Linux, darunter die Geräte NEC CDR-74, Sony CDU-541 und Texel DM-3024. Das interne Sony-Laufwerk CDU-31a und die Mitsumi-Laufwerke werden ebenfalls von Linux unterstützt.

Linux unterstützt das Standarddateisystem ISO-9660 für CD-ROMs.

Streamerlaufwerke

Es gibt verschiedene Typen von Bandlaufwerken auf dem Markt. Die meisten benutzen die SCSI-Schnittstelle, und diese sollten alle unter Linux funktionieren. Zu den geeigneten Streamern gehören die Geräte Sankyo CP150SE, Tandberg 3600 sowie Wangtek 5525ES, 5150ES und 5099EN mit dem PC36-Adapter. Auch andere QIC-02-Laufwerke sollten funktionieren.

Zur Zeit werden Treiber für diverse andere Bandgeräte entwickelt, darunter die Laufwerke von Colorado, die an den Floppycontroller angeschlossen werden.

Drucker

Linux unterstützt praktisch alle Drucker mit paralleler Schnittstelle. Wenn Sie Ihren Drucker von DOS oder einem anderen Betriebssystem aus über die parallele Schnittstelle ansprechen können, sollten Sie auch von Linux aus Zugriff auf den Drucker haben. Die Druckersoftware für Linux besteht aus den UNIX-Standardbefehlen lp und lpr. Falls Sie über ein Netzwerk verfügen, können Sie mit diesen Befehlen auch an andere Rechner angeschlossene Drucker ansprechen.

Modems

Wie bei den Druckern gilt auch hier: Linux unterstützt alle Modems an der seriellen Schnittstelle -- sowohl interne als auch externe. Es gibt eine große Auswahl an Software für die Datenfernübertragung unter Linux, einschließlich Kermit, pcomm, minicom und Seyon. Wenn Sie unter einem anderen Betriebssystem auf demselben Rechner mit Ihrem Modem arbeiten können, sollte das auch unter Linux problemlos möglich sein.

Ethernet-Karten

Viele weitverbreitete Ethernet-Karten und LAN-Adapter werden von Linux unterstützt. Dazu gehören:

Folgende Clones sollen ebenfalls funktionieren:

Auch Clones, die zu einer der o.a. Karten kompatibel sind, sollten funktionieren.


Inhaltsverzeichnis Vorherige Abschnitt Nächste Abschnitt