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Linux - Wegweiser für Netzwerker

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IPX-Schnittstellen konfigurieren

Wie bei TCP/IP müssen Sie auch Ihre IPX-Schnittstellen erst konfigurieren, bevor Sie sie benutzen können. Das IPX-Protokoll stellt einige einzigartige Anforderungen, weshalb dafür extra ein spezieller Satz von Konfigurations-Tools entwickelt wurde. Diese Tools verwenden wir, um unsere IPX-Schnittstellen und -Routen zu konfigurieren.

Netzwerkgeräte mit IPX-Unterstützung

Das IPX-Protokoll geht grundsätzlich von der Annahme aus, daß alle Hosts, die Datagramme ohne Routing an andere Hosts senden können, zu ein und demselben IPX-Netzwerk gehören. Alle Hosts, die einem einzelnen Ethernet-Segment angehören, gehören somit zum selben IPX-Netzwerk. Auf ähnliche Weise (wenn auch weniger intuitiv) müssen zwei Hosts, die eine PPP-basierte serielle Verbindung unterstützen, zu dem IPX-Netzwerk gehören, das die serielle Verbindung selbst ist.In einer Ethernet-Umgebung gibt es eine Menge verschiedener Frame-Typen, die zur Übertragung von IPX-Datagrammen verwendet werden können. Die Frame-Typen repräsentieren verschiedene Ethernet-Protokolle und beschreiben unterschiedliche Arten, multiple Protokolle im selben Ethernet-Netzwerk zu übertragen. Die häufigsten Frame-Typen, denen Sie begegnen werden, sind 802.2 und ethernet_II. Über Frame-Typen sprechen wir im nächsten Abschnitt.

Die Linux-Netzwerkgeräte, die zur Zeit das IPX-Protokoll unterstützen, sind die Ethernet- und PPP-Treiber. Die Ethernet- oder PPP-Schnittstelle muß immer aktiv sein, bevor sie für IPX-Anwendungen konfiguriert werden kann. Normalerweise werden Sie ein Ethernet-Gerät für beide Protokolle, also IP und IPX, konfigurieren, so daß das Gerät im System bereits bekannt ist. Wenn Ihr Netzwerk allerdings nur IPX benutzt, müssen Sie den Zustand des Ethernet-Geräts explizit mit ifconfig ändern:

# ifconfig eth0 up

Konfigurations-Tools für IPX-Schnittstellen

Greg Page entwickelte eine Reihe von Konfigurations-Tools für IPX-Schnittstellen. Sie sind in modernen Distributionen in vorkompilierter Form enthalten, aber auch als Quellcode in der Datei /pub/Linux/system/filesystems/ncpfs/ipx.tgz mittels anonymous FTP von http://metalab.unc.edu/ erhältlich.

Die IPX-Tools werden für gewöhnlich beim Systemstart aus einem rc-Skript heraus gestartet. Wenn Sie die vorgefertigte Version installiert haben, erledigt das Ihre Distribution unter Umständen sogar automatisch.

Der Befehl ipx_configure

Jede IPX-Schnittstelle muß darüber informiert sein, zu welchem IPX-Netzwerk sie gehört und welchen Frame-Typ sie für IPX benutzen soll. Jeder Host mit IPX-Unterstützung besitzt mindestens eine Schnittstelle, die der Rest des Netzwerks zum Zugriff benutzt. Sie wird als primäre Schnittstelle bezeichnet. Der IPX-Support des Linux- ­Kernels bietet ein Feature, mit dem diese Parameter automatisch konfiguriert werden können. Es läßt sich mit dem Befehl ipx_configure ein- oder ausschalten.

Sind keine Argumente angegeben, gibt ipx_configure die aktuellen Einstellungen zur automatischen Konfiguration aus:

# ipx_configure 
Auto Primary Select is OFF 
Auto Interface Create is OFF

Sowohl die Auto-Primary-Option als auch die Auto-Interface-Option sind standardmäßig abgeschaltet. Um sie und die automatische Konfiguration zu aktivieren, geben Sie einfach folgende Argumente an:

# ipx_configure --auto_interface=on --auto_primary=on

Ist das Argument --auto_primary auf on gesetzt, stellt der Kernel automatisch sicher, daß mindestens eine aktive Schnittstelle als primäres Interface für den Host zum Einsatz kommt.

Wenn das Argument --auto_interface auf on gesetzt ist, analysiert der IPX-Treiber im Kernel alle empfangenen Frames in den aktiven Netzwerkschnittstellen und versucht, daraus die IPX-Netzwerkadresse und den verwendeten Frame-Typ zu ermitteln.

Die automatische Erkennung funktioniert gut in korrekt verwalteten Netzwerken. Netzwerkadministratoren neigen jedoch manchmal zu Abkürzungen und Regelverletzungen, was der automatischen Erkennung in Linux Probleme bereiten kann. Das am häufigsten anzutreffende Beispiel ist ein IPX-Netzwerk, das so konfiguriert ist, daß es im selben Ethernet mit mehreren Frame-Typen umgeht. Technisch gesehen ist das eine unzulässige Konfiguration, da ein 802.2-Host nun mal nicht direkt mit einem Ethernet-II-Host kommunizieren kann und daher auch nicht beide im gleichen IPX-Netzwerk liegen können. Die IPX-Netzwerksoftware von Linux “horcht” im Segment nach IPX-Datagrammen, die darin transportiert werden. Anhand dieser versucht sie herauszufinden, welche Netzwerkadressen verwendet werden und welcher Frame-Typ jeder Adresse zugeordnet ist. Wird nun ein und dieselbe Netzwerkadresse für mehrere Frame-Typen oder Schnittstellen benutzt, erkennt der Linux-Code dies irrtümlicherweise als Netzwerkadressen-Kollision und kann nicht entscheiden, welcher Frame-Typ denn nun der richtige ist. Sie erkennen das daran, daß Ihre System-Logdatei Meldungen folgender Art enthält:

IPX: Network number collision 0x3901ab00 
eth0 etherII and eth0 802.3
Tritt ein solches Problem bei Ihnen auf, stellen Sie die automatische Erkennung ab und konfigurieren Sie die Schnittstellen manuell mit dem Befehl ipx_interface, wie im nächsten Abschnitt beschrieben.

Der Befehl ipx_interface

Das Kommando ipx_interface wird benutzt, um die Unterstützung von IPX für eine vorhandene Netzwerkschnittstelle manuell hinzuzufügen, zu modifizieren oder zu entfernen. Sie sollten ipx_interface immer dann verwenden, wenn die gerade beschriebene automatische Erkennung nicht funktioniert oder wenn Sie die Konfiguration Ihrer Schnittstelle nicht dem Zufall überlassen wollen. Mit ipx_interface können Sie die IPX-Netzwerkadresse, den Zustand der primären Schnittstelle und den IPX-Frame-Typ festlegen, den ein Netzwerkgerät benutzen soll. Wenn Sie mehrere IPX-Schnittstellen erzeugen, müssen Sie für jede den Befehl ipx_interface einzeln ausführen.

Die Syntax des Befehls, um eine vorhandene Schnittstelle IPX-fähig zu machen, ist einfach gehalten und läßt sich am besten anhand eines Beispiels veranschaulichen:

# ipx_interface add -p eth0 etherII 0x32a10103
Die Bedeutung der einzelnen Parameter:
-p

Dieser (optionale) Parameter gibt an, daß die Schnittstelle ein primäres Interface sein soll.

eth0

Bezeichnet den Namen der Netzwerkschnittstelle, die wir IPX-fähig machen.

etherII

Bestimmt den Frame-Typ, in diesem Fall Ethernet-II. Dieser Wert kann auch als 802.2, 802.3 oder SNAP codiert werden.

0x32a10103

Das ist die IPX-Netzwerkadresse, zu der diese Schnittstelle gehört.

Der folgende Befehl entfernt IPX aus einer Schnittstelle:

# ipx_interface del eth0 etherII

Schließlich erhalten wir eine Ausgabe der aktuellen IPX-Konfiguration einer Netzwerkschnittstelle mit:

# ipx_interface check eth0 etherII

Der Befehl ipx_interface wird ausführlicher in der gleichnamigen Manpage beschrieben.





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