Die Marktmechanismen für die Finanzierung (und Amortisation!) von Open Source-Projekten entwickelt sich noch immer sehr rasch weiter. Die Business Models, die wir hier untersuchen, werden wahrscheinlich nicht das letzte Wort zu diesem Thema sein. Investoren sind gerade noch dabei, über die Konsequenzen einer Neuerfindung des Softwaregeschäfts nachzudenken und konzentrieren jetzt sich dabei auf die Services anstatt auf das weggesperrte geistige Eigentum. Das wird sich für die absehbare nächste Zeit auch nicht ändern.
Diese Revolution bei den Konzepten wird einige Kosten für jene Leute verursachen, die im Augenblick in den Warenwert der betreffenden 5 Prozent der Softwareindustrie investieren. Historisch betrachtet, ist der Dienstleistungssektor nicht so lukrativ wie die Herstellung von Gütern (obwohl ihnen jeder Arzt oder Anwalt bestätigen kann, daß die Ausübenden oft höhere Spannen haben). Versäumte Gewinne aber werden durch den Nutzen auf der Kostenseite mehr als wettgemacht werden - die Konsumenten kommen in den Genuß gewaltiger Kosteneffektivität bei Open Source-Produkten (es gibt hier übrigens eine Parallele: der Ersatz des traditionellen Telephonnetzwerks durch das Internet).
Die Aussicht auf diese Kosteneffektivität erzeugt eine Chance, auf deren Nutzung sich Unternehmer und Venture-Kapitalisten gerade vorbereiten. Als der erste Entwurf dieses Dokuments in Arbeit war, sicherte sich Silicon Valleys prestigeträchtigste Venture Capital-Firma den Hauptanteil am ersten Startup-Unternehmen, das auf technische Unterstützung der Linux-Plattform spezialisiert ist. Die allgemeine Erwartung ist, daß es noch vor Ende 1999 mehrere Linux- und Open Source-basierte Börsengänge geben wird - und daß sie alle ganz erfolgreich sein werden.
Eine andere sehr interessante Entwicklung ist der Beginn von systematischen Versuchen, Task Markets bei Open Source-Projekten zu finden. SourceXchange und CoSource sind zwei von einander leicht verschiedene
Wege, das Modell einer umgekehrten Auktion zur Finanzierung von Open Source-Projekten anzuwenden.Die übergeordneten Trends sind klar erkennbar. Wir haben IDCs Hochrechnung schon erwähnt, die angibt, daß Linux bis 2003 schneller wachsen wird als alle anderen Betriebssysteme zusammen. Apache liegt bei 61 Prozent Marktanteil und expandiert ununterbrochen weiter. Die Verbreitung des Internet explodiert, und Erhebungen wie der Internet Operating System Counter zeigen, daß Linux und andere Open Source- Betriebssysteme bei Internet-Servern bereits in Führung liegen und ständig gegenüber Closed Source-Systemen gewinnen. Der Druck zur Nutzung von Open Source-Internet-Infrastruktur wirkt sich zunehmend nicht nur auf das Design anderer Software aus, sondern auch auf Geschäftspraktiken und Kaufverhalten bei Software. Diese Trends scheinen sich noch weiter zu beschleunigen.