Hersteller von Peripheriegeräten (Ethernet-Karten, Diskcontrollers, Videokarten und ähnlichem) sind traditionellerweise sehr zögerlich beim Öffnen ihrer Software. Das ändert sich aber gerade; Firmen wie Adaptec und Cyclades haben begonnen, die Spezifikationen und Treiberquellcode für ihre Karten zu veröffentlichen. Trotzdem gibt es noch Widerstand. In diesem Anhang versuchen wir, einige der wirtschaftlichen Irrtümer zu zerlegen, die ihn hervorrufen und fördern.
Als Hardwarehersteller fürchtet man vielleicht, daß eine Veröffentlichung des Quellcodes wichtige Details über die eigene Hardware enthüllen könnte, die dann von Mitbewerbern plagiiert werden und ihnen so einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Früher, in den Tagen der drei bis fünf Jahre dauernden Produktzyklen, war das ein gültiger Einwand. Heute aber wäre die Zeit, die Ingenieure der Konkurrenz für ein solches Ausbaldowern aufbringen müßten, ein so großer Anteil an der Lebensdauer des Produkts, daß sie dann nicht für eigene innovative und vorteilhafte Entwicklungen verwenden könnten. Zu plagiieren wäre ein so großer Fehler Ihres Mitbewerbers, daß Sie sich gar nichts besseres wünschen können.
Auf jeden Fall ist es so, daß technische Details heute nicht lange verborgen bleiben. Gerätetreiber sind nicht wie Betriebssysteme oder Anwendungen. Sie sind klein, leicht zu disassemblieren und leicht zu clonen. Sogar Anfänger im Teenager-Alter können das - und tun es oft auch.
Es gibt buchstäblich tausende von Linux- und FreeBSD- Programmierern, die sowohl die Fähigikeit als auch die Motivation haben, Gerätetreiber für eine neue Karte zu schreiben. Für viele Klassen von Geräten, die eine relativ simple Schnittstelle haben und wohlbekannten Standards entsprechen (wie Disk Controllers und Netzwerkkarten) können diese fleißigen Hacker Treiberprototypen so rasch erzeugen wie Ihre eigene Entwicklungsabteilung; sie brauchen nicht einmal Dokumentation oder einen schon bestehenden Treiber.
Sogar für kniffelige Geräte wie Videokarten gibt es nicht viel, was Sie gegen einen cleveren Programmierer tun können, der über einen Disassembler verfügt. Die Kosten sind gering und der gesetzliche Schutz porös - Linux ist eine internationale Angelenheit und gibt es immer einen Ort auf der Welt, in dem so ein Abkupfern legal ist.
Für den überzeugenden Beweis, daß diese Behauptungen wahr sind, untersuchen Sie die Liste von Geräten, die vom Linuxkernel unterstützt werden oder sehen Sie sich die Treiber- Unterverzeichnisse auf Websites wie Metalab; an. Beachten Sie auch die Rate, mit der neue hinzukommen.
Was lernen wir daraus? Die Details der Implementation Ihres Treibers geheimzuhalten sieht augenscheinlich attraktiv aus, ist aber wahrscheinlich eine kurzsichtige Strategie (sicher gilt das, wenn Ihre Mitbewerber ihren Quellcode bereits veröffentlicht haben). Wenn Sie sich aber schon bedeckt halten müssen, brennen Sie den Code in ein ROM auf der Karte und veröffentlichen Sie die Schnittstellen. Öffnen Sie den Zugang zu den Details so weit wie möglich und zeigen Sie potentiellen Kunden, daß Sie an Ihre Fähigkeit glauben, die Konkurrenz dort zu übertreffen, wo es darauf ankommt: Ideen und Innovation.
Wenn Sie sich ganz bedeckt halten, bekommen Sie das schlechteste aller Welten - Ihre Geheimnisse werden schließlich ergründet werden, Gratis-Entwicklungen werden an Ihnen vorbeigegangen sein und Sie werden nicht in den Genuß kommen, daß dümmere Mitbewerber versuchen, Ihr Produkt zu clonen. Am wichtigsten aber ist, daß Sie die Auffahrt zu weiter Verbreitung durch frühe Akzeptanz des Marktes verpassen. Ein großer und einflußreicher Markt (bestehend aus den Betreibern jener Server, die das Internet in Schwung halten und mehr als 17 Prozent aller Rechenzentren im geschäftlichen Bereich) wird Ihre Firma richtigerweise als ahnungslos und übervorsichtig abschreiben, da Sie diese Fakten nicht erkennen. Dann werden Sie ihre Karten von jemanden Kaufen, der klüger ist.