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Reguläre Ausdrücke

Reguläre Ausdrücke

Von Jeffrey E. F. Friedl
April 2003
ISBN 3-89721-349-4
510 Seiten

Vorwort von Jeffrey Friedl zur deutschen Übersetzung der 1. Auflage

Von dem einen Jahr Deutschunterricht in der High School ist mir vor allem eines in Erinnerung geblieben: wieviel Englisch ich da gelernt habe. Wir haben die deutsche Grammatik von Grund auf gelernt, und erst dann begriff ich den Unterschied zwischen »who« und »whom« im Englischen. Jahre später habe ich einen Freund aus Linz auf die gleiche Art verblüfft, nur umgekehrt, als ich ihm erklärte, daß im Deutschen die Höflichkeitsform und die dritte Person Plural gleich gebildet werden – »Sie sind/sie sind«. Für ihn war das ganz einfach so, er hat sich diese Eigenheit nie überlegt und hat die zwei Formen nie verglichen.

So ist es wohl mit vielem: Oft sieht ein unvoreingenommener Betrachter Dinge, die ein Experte nicht sieht, oder der ungewohnte Blickwinkel verhilft dem Experten zu neuen Erkenntnissen.

Ich habe über Jahre technische Lehrbücher benutzt. Manchmal, bei einem wirklich schlecht geschriebenen Buch, habe ich mich darüber geärgert, wie wenig Arbeit sich der Autor mit seinem »Werk« gemacht hat. Seltener habe ich über die viele Arbeit gestaunt, die hinter einem gut geschriebenen Buch stecken mußte. Aber meistens habe ich mir gar nichts zu Büchern gedacht. Das hat sich geändert, als ich mich mit dem Gedanken anfreundete, selbst ein Buch zu schreiben. Plötzlich erfaßte ich die Menge der Arbeit, die zu einem (gut geschriebenen?) Buch nötig ist. Ich habe mir große Mühe gegeben, ein fehlerfreies Buch zu schreiben – aber das ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeit. Ich habe den Text so oft gelesen, daß ich ihn nicht mehr sehen konnte – mein Bruder Steve hat einen besonders peinlichen Grammatikfehler in kaum fünf Minuten gefunden, und mein Bruder Mike fand in genauso kurzer Zeit einen Rechtschreibfehler.

Wochen vergingen, und meine Leser haben mit ihrem unvoreingenommenen Blick hier und dort Fehler entdeckt. Und doch: Wer ein Buch liest, um es zu übersetzen, liest ganz anders, auf einer anderen Ebene als ein normaler Leser. Andreas hat etliche kleine und einige nicht so kleine Fehler gefunden und korrigiert. Immerhin, nicht alle Korrekturen von Andreas wurden in die deutsche Ausgabe aufgenommen – er hat auch mein Englisch korrigiert!

Andreas hat mich auch darauf hingewiesen, daß viele der Beispiele in meinem Buch sehr auf die englischen oder amerikanischen Gegebenheiten ausgerichtet sind. Die Beispiele haben ohnehin schon viel Mühe gemacht: Es war für mich sehr schwierig, Beispiele zu finden, die leicht verständlich und doch praxisnah, aber nicht zu stark auf Unix bezogen sind. Auf kulturelle Eigenheiten habe ich nicht auch noch geachtet. Das ist nur recht und billig, aber es hat die Arbeit des Übersetzers erschwert. An manchen Stellen werden Sie an den deutschen Sprachraum angepaßte Beispiele finden – die sind von Andreas.

Ein anderer Gesichtspunkt ist der, wie ein Leser das Buch wohl verwenden wird. Ich bin mit japanischen Zeichensätzen und deren Problemen sehr vertraut, und doch befaßt sich der größte Teil des Buches mit normalen ASCII-Zeichen, wie sie der typische amerikanische Leser benutzt. Dagegen habe ich nicht allzuviel Erfahrung mit Latin-1 und ähnlichen Zeichensätzen, an denen deutsche Leser zweifellos interessiert sind, aber die Grundlagen dazu sind im Buch erwähnt. Diese grundlegenden Methoden sind überall anwendbar, sei es in ASCII oder in irgendeiner anderen Zeichencodierung.

Ich habe nur zwei Jahre Deutsch gelernt, aber es hat mir bei Reisen nach Deutschland und Österreich viel geholfen (zumindest, bis ich begonnen habe, Japanisch zu lernen). Ich hatte zwar Unterricht in Englisch, Spanisch, Deutsch und Französisch, aber sprechen kann ich nur Englisch und Japanisch. Ein bißchen Deutsch ist übriggeblieben, und ich bin gespannt, ob ich in Andreas' Übersetzung Fehler finde. Ich bezweifle das zwar, aber so würde sich der Kreis schließen. Das erinnert mich auch an meine eigenen Wurzeln – alle vier Großeltern meines Vaters zogen aus einem Dorf in der Nähe Münchens in die USA. Ich habe das Dorf 1989 besucht, und obwohl ich keine Verwandten fand, wurde ich doch wie jemand behandelt, der zur Familie gehört. Und im Telefonbuch gab es eine Menge Friedls.

Im Deutschunterricht in der High School war »oft und gern« einer meiner Lieblingsausdrücke. Ich habe auf meinen Europareisen kaum Verwendung dafür gefunden, aber jetzt ergibt sich eine: Ich hoffe, daß Sie das Buch schätzen und daß Sie es »oft und gern« zur Hand nehmen.

Jeffrey
Santa Clara, Kalifornien, USA
August 1997

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