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Annik Rubens begann im März 2005 mit ihrem Podcast "Schlaflos in München", bei dem mittlerweile mehrere tausend Hörer regelmäßig einschalten. In diesem Frühjahr rief sie die weltweite Podcastgemeinde auf, ein Podcast-Erkennungszeichen zu gestalten. Spätestens seit dieser Wahl gilt sie als die deutsche Podcast-Pionierin. Wir haben uns mit ihr unterhalten.
Ist Annik Rubens ein Nachtmensch - oder warum "Schlaflos in München"?
Annik Rubens ist ein Nachtmensch! Normalerweise würde ich erst gegen drei Uhr nachts ins Bett gehen, und um neun Uhr wieder aufstehen. Da ich mich aber auch an die üblichen Bürozeiten halten muss, hab ich mir das weitgehend abgewöhnt. Die erste Ausgabe von "Schlaflos in München" ist aber in einer Nacht- und Nebelaktion entstanden und war wegen großen technischen Ärgers erst gegen halb vier Uhr morgens fertig.
"Schlaflos in München" hat mehr als 9000 Hörer, die meisten davon schalten täglich ein. Was ist das Besondere am Podcast-Hören? Wo liegt der Suchtfaktor?
Podcasts sind die Telenovela für's Ohr. Die Hörer gewöhnen sich daran, jeden Tag zuzuhören, und wollen natürlich auch wissen, wie es weitergeht. Oftmals erzählen die Podcaster ja private Begebenheiten. Dazu kommt die hohe Flexibilität: man kann zuhören, wo und wann es gerade passt. Außerdem wird Podcast-Hören dem Trend zur Individualisierung gerecht: jeder hat sein persönliches Radio immer dabei.
Seit mehr als einem Jahr gibt es von dir fast täglich etwas auf die Ohren. Was fasziniert die Macherin am Audiobloggen?
Das sind drei Dinge: Zum einen habe ich die Möglichkeit einer eigenen Kolumne, die ich frei mit Inhalt füllen kann. Zum anderen bin ich ein stimmenaffiner Mensch, da kommt mir das Podcasten sehr entgegen. Und dann ist es auch technisch eine Herausforderung: Man muss nicht, aber man kann sich mit Internet- und Audiotechnik auseinander setzen, und gerade das macht mir auch sehr viel Spaß.
In "Schlaflos in München" geht es um Essen im Kino, um Münchner U-Bahn-Kontrolleure oder Internet-Skurrilitäten. Hast du manchmal auch Lust, Themen aus Politik und Gesellschaft anzufassen?
In "Schlaflos in München" nicht. Ich beschäftige mich schon beruflich als Journalistin mit diesen Themen und möchte mich wie viele andere in der Freizeit mit anderen Themen beschätigen.
"Schlaflos in München" ist also für dich Privatleben?
Ja, auf jeden Fall. Ich verdiene ja auch kaum Geld damit. Und daher möchte ich mit diesem Podcast einfach nur unterhalten und nicht belehren. Ich habe schon mal aufgerufen wählen zu gehen, aber mehr wäre in diesem Format einfach fehl am Platz.
Die Hörer kommentieren den Podcast auf der Website. Nur wenige Menschen erhalten so unmittelbar Feedback auf ihre Arbeit. Hast du die Meinung deiner Hörer bereits im Ohr, während du ins Mikro sprichst?
Nein! Ich habe gelernt, dass es immer Nörgler gibt. Ich lese auch nicht alle Kommentare auf meiner Website, da manche einfach nur Dampf ablassen wollen, immer in der Anonymität des Internets. Ich bekomme auch sehr viele Mails, die ich alle lese, und die sind durchweg positiv. Anonymen Kommentaren möchte ich daher keine Zeit schenken, es gibt Wichtigeres.
Geheimtipps von Annik Rubens: welche Podcasts hörst du selbst gern?
Oh, das sind sehr viele. Ich nenne mal drei sehr gute Beispiele: Das ist zum einen "Kilians Podkost", der aus Japan berichtet, und Richard Millers "Sparkletack" aus San Francisco. Richard hat ja auch das Logo für "Schlaflos in München" entworfen. Und gerade eben auf dem Weg zur Arbeit habe ich noch die BBC-Filmkritiken gehört, die sind auch super!
Du hast mehr als 60 Podcasts abonniert - wie organisierst du das, hörst du wirklich alle an?
Ja! Ich höre sie alle an, manche natürlich zeitversetzt erst drei bis vier Wochen nach Erscheinen. Ich habe ja nicht immer so viel Zeit, aber viele sind auch nur zwei, drei Minuten lang. Sehr hilfreich ist dafür die intelligente Wiedergabeliste bei iTunes: Ich wähle die Titel nach "Genre: Podcast" und "ungehört" aus, iTunes sammelt die Tracks auf der intelligenten Wiedergabeliste, und die habe ich immer auf dem iPod. Sehr praktisch, vor allem weil sie dann nach dem Hören automatisch von der Liste und von der Festplatte des Computers gelöscht werden.
Du hast als Kind mehr vor dem Radio als vor dem Fernseher gesessen und Englisch gelernt, indem du amerikanische Radiosender gehört hast. Wie kommt ein ausgesprochener "Ohren-Mensch" auf die Idee, dann doch ein Buch zu schreiben?
Zunächst ist Schreiben schon seit zehn Jahren mein Beruf. Ich war erst beim Privatradio, aber da gibt es journalistisch nicht genug Freiraum, weil man alle Beiträge auf 1:30 mi bringen muss. Man wird sehr vielen Themen inhaltlich einfach nicht gerecht, und daher bin ich zum Schreiben gewechselt. Und ich schreibe sehr gern! Ich denke, Podcasten und Schreiben sind sich sehr ähnlich: Ob ich eine Filmkritik schreibe, oder erst schreibe und dann spreche, ist für mich kein so großer Unterschied. Für das Buch konnte ich beides verbinden, und natürlich bin ich auch darauf gekommen, weil ich gemerkt habe, dass es noch kein deutsches Podcasting-Buch gab.
Was macht Annik Rubens außerhalb der täglichen drei bis fünf Minuten "Schlaflos in München"?
Noch acht andere Podcasts! Im Moment ist mein Beruf mein Hobby, als Freiberuflerin kann man das ja sowieso kaum trennen. Ich bin kein Sportmensch oder so etwas - Podcasten ist wirklich mein Hobby. Ansonsten gehe ich gern ins Kino und mit Freunden essen. Und dann braucht natürlich auch mein Kater Tiger Zeit!
Wir bedanken uns für das Gespräch!
Interview: Corina Lange

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