Weblogs, Podcasting & Online-Journalismus
Im Gespräch mit den Autoren von "Weblogs, Podcasting & Online-Journalismus"
Im Web brodelt es: Noch nie war es so einfach, Texte, Audiobeiträge, Bilder und Musik zu
produzieren und übers Web unter die Leute zu bringen. Immer mehr Blogger und Podcaster melden
sich zu Wort, so dass das Schlagwort vom Citizen Journalism inzwischen die Runde macht.
Lesen Sie in unserem Interview, welche Tipps die Autoren des Buches Weblogs,
Podcasting & Online-Journalismus" Bloggern und Podcastern auf den Weg geben!
"Die Inhalte geben den Ton an" - Moritz Sauer im Interview
Der Journalist und Webdesigner Moritz "mo." Sauer veröffentlicht regelmäßig in Magazinen und
Zeitschriften wie c't, keyboards, Internet Intern, De:Bug und Intro. Am liebsten schreibt mo. jedoch für sein
eigenes Magazin über Musik und Netzkultur, phlow.net, das
2004 für den Grimme Online Award nominiert wurde. In "Weblogs, Podcasting & Online-Journalismus" erklärt
er, was man über Publishing im Web 2.0 wissen muss. Wir haben uns mit ihm unterhalten.
Hallo Moritz, zuerst wollen wir natürlich eines wissen: Seit wann bloggst Du?
Ich blogge im Internet seit 2002 auf meiner Website www.phlow.net.
Mittlerweile veröffentliche ich im Magazin für Musik- und Netzkultur jedoch nicht nur alleine, sondern
gemeinsam mit bloggenden Mitstreitern. Damit alles rund läuft, nutzen wir das Weblog-System Movable Type, dass
uns seit Jahren gute Dienste erweist und in der Blogosphäre einen guten Ruf genießt.
Ein Jahr hast Du jetzt an dem Buch gearbeitet - und bist dafür eingetaucht in die Welt des Personal Publishings.
Wie lautet Deine Bilanz?
Meine vorzeitige Bilanz und Prognose geht dahin, dass das Publizieren von eigenen Artikel, Podcasts bzw.
Radiobeiträgen, Bildern und Videoclips weiter zunimmt. Als Journalist und Mensch, der die freie
Meinungsäußerung wertschätzt, freue ich mich darüber, dass Menschen immer mehr im
Internet einen Raum für eigene Ideen und Beiträge finden. Dadurch werden Diskussionen angefacht,
Kommunikation findet statt und Menschen mit gleichen Interessen können sich vernetzen, gegenseitig
informieren und selbstständig berichten. Die Möglichkeiten im Bereich des "Personal Publishing"
sind vielfältig und einfach zu handhaben wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Und das Tolle
daran ist: Wirklich jeder kann mitmachen.
Weblogs und Podcasts sind vor allem faszinierend, weil sie die Möglichkeit des Austausches bieten.
Doch stell dir vor, du hast ein Blog, und keiner liest's. Was macht ein Blog besonders, so dass die Leser
immer wieder zurückkehren?
Ein Weblog wird dann besonders, wenn es Persönlichkeit ausdrückt und ein eigenes Profil hat.
Das fängt in allererster Linie bei den Inhalten an. Natürlich spielt auch das Layout und Design
eine Rolle. In erster Linie geben aber die Inhalte den Ton an. Dabei kann ein Weblog Nischenthemen bedienen
oder im großen Stile das Weltgeschehen kommentieren. Vermeiden sollte man Allgemeinplätze sowie flache
und langweilige Inhalte. Belanglosigkeiten interessieren keinen. Die beste Orientierung beim Publizieren
ist die Frage: Würde auch mich dieser Inhalt, jener Artikel, diese Kritik oder jene Nachricht interessieren?
Wenn ja, dann gibt es auch andere Menschen die solche Inhalte mit Freude lesen, sehen und hören. Dann
empfiehlt es sich loszulegen.
Dan Gillmor, Pionier des Graswurzel-Journalismus' und O'Reilly-Autor, nannte einmal die fünf Pfeiler für
guten Journalismus: Gründlichkeit, Exaktheit, Fairness, Transparenz und Unabhängigkeit. Sollten
Bürgerjournalisten diese Grundsätze ebenfalls beherzigen – oder würde es ihnen doch gerade die
Freiheit der Laien nehmen?
Definitiv und lautes "Ja!". Denn jedem kann es heute passieren, dass über ihn berichtet wird, sein Produkt
bewertet wird oder seine Tätigkeiten und sein Umfeld in den Fokus rutschen. Spätestens dann wünscht
sich jeder fair, respektvoll und aufmerksam behandelt zu werden – besonderes wenn es Kritik hagelt. Darum sollte
sich jeder Publizist am kategorischen Imperativ von Kant orientieren: "Handle so, dass die Maxime deines Willens
jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne."
"Ignorieren sollte man die Abmahnung in keinem Fall" - Laura Dierking im Interview
Die Juristin Laura Dierking beschäftigt sich in "Weblogs, Podcasting & Online-Journalismus" mit Rechtsfragen beim Publizieren im Web. Dabei kann sie aus eigener Erfahrung berichten, denn in ihrem Podcast J!Cast sitzt Laura Dierking regelmäßig selbst am Mikro. Wir haben uns mit ihr über Abmahnwellen und Musik in Podcasts unterhalten.
Laura, du bist Mitarbeiterin des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM)
an der Universität Münster. Wie kam das Interesse am Bloggen und Podcasten?
Mit meiner Tätigkeit hier am Institut ist auch die Möglichkeit zur Promotion verbunden, die wollte
ich unbedingt nutzen. Es fehlte mir also nur noch ein Thema für meine Doktorarbeit. Auf meiner Suche stieß
ich zunächst auf die Urheberrechtsprobleme, die entstehen, wenn Internetradio mitgeschnitten wird.
Dann entdeckte ich durch den Tipp eines Kollegen das Phänomen Podcasting – und schon hatte ich mein Thema.
Um nicht über etwas zu schreiben von dem ich eigentlich keine Ahnung habe, wollte ich dann einmal
ausprobieren, wie so ein Podcast produziert wird. Und kaum war ich einmal dabei, kam ich vom Podcasting nicht mehr los…
Du betreibst mit J!Cast einen Podcast, der sich alle zwei Wochen mit aktuellen juristischen Fragen im
Medienrecht auseinandersetzt. Wie oft schreiben dir Podcaster, die rechtlichen Beistand suchen?
Die meisten Podcaster wissen, dass ich keine Rechtsanwältin bin und daher nicht ohne weiteres eine
Rechtsberatung im Einzelfall geben darf. Mit konkreten Rechtsfragen wenden sie sich deshalb eher an ihren Anwalt.
Oft bekomme ich aber Post mit Hinweisen auf Rechtsthemen, die für den J!Cast interessant sein
könnten. Dafür bin ich immer sehr dankbar und die meisten Vorschläge werden auch tatsächlich
verwirklicht. Zum Teil habe ich auf diesem Wege auch schon interessante Gesprächspartner für ein
Interview kennen gelernt.
Bei Rechtsproblemen im Internet denkt man vor allem an die so genannten Abmahnwellen. Wie sollte man sich
verhalten, wenn man teure Post vom Anwalt bekommt?
Abmahnungen können berechtigt sein, dann ist man auch verpflichtet, die Anwaltsgebühren zu bezahlen.
Allerdings gibt es oftmals auch unberechtigte Abmahnungen oder überhöhte Gebühren. Entweder muss
man dann gar nichts zahlen oder es lässt sich die Höhe noch verhandeln. Da man als Laie der Abmahnung
in der Regel nicht ansehen kann, ob sie berechtigt ist, lohnt es sich hier oftmals, einen Anwalt einzuschalten.
Ignorieren sollte man die Abmahnung in keinem Fall. Wenn man die gerügte Rechtsverletzung – sofern sie
tatsächlich besteht – nicht abstellt, also z.B. eine urheberrechtsverletzende Bildkopie auf der Webseite nicht löscht,
kann dies weitere (teure!) Folgen haben.
Abmahnungen, Impressumspflicht, GEMA-Meldung für Musikeinspielungen - die rechtlichen Hürden für Blogger
und Podcaster scheinen immer schwieriger zu werden. Kann man überhaupt noch unbedarft an das Experiment
Web-Publishing gehen?
Leider treffen derzeit einen Hobby-Journalisten die gleichen rechtlichen Anforderungen wie etwa ein großes
Medienunternehmen oder einen privaten Rundfunksender – die in der Regel über eine eigene Rechtsabteilung
verfügen. Es gibt zwar Stimmen, die eine großzügigere Auslegung der Vorschriften fordern,
wenn sich etwa um einen privaten Podcast handelt. Solange das aber noch kein einziges Gericht genauso gesehen hat,
kann man sich darauf nicht verlassen. Viele der rechtlichen Anforderungen lassen sich aber auch mit einem gesunden
Menschenverstand erfüllen – der einem etwa sagt, dass man nicht einfach urheberrechtlich geschütztes
Material veröffentlichen oder andere beleidigen darf. Wer allerdings tiefer in das Thema Web-Publishing eintaucht,
sollte sich auf jeden Fall ein paar juristische Basics anlesen.
Die Fragen stellte Corina Lange.