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Fehlende Handbücher und andere Hürden des Alltags

Ein Interview mit David Pogue
übersetzt von Inken Kiupel


O'Reilly Verlag: Der Titel "Missing Manual" passt so hervorragend zu der Art von Büchern, die Sie schreiben, dass wir sogar beschlossen haben, ihn nicht ins Deutsche zu übersetzen. Als Sie die Reihe "Missing Manuals" genannt haben - haben Sie damit nur das Naheliegende getan, oder wie kam es zu dem Titel?

David Pogue: Als ich beschloss, eigene Wege zu gehen und eine neue Computerbuch-Reihe ins Leben zu rufen, überzeugte mich Tim O'Reilly davon, dass wir ein Konzept, einen Ansatz, einen so genannten Aufhänger brauchen. Die Idee für diese Reihe kam genau genommen gar nicht von mir. Sie ist von einem Mann, der sich während einer Computermesse auf einer Busfahrt bitterlich über die Tatsache beklagte, dass Softwarefirmen immer seltener die Handbücher zu ihren Softwareprodukten mitliefern. "Ich würde gern 20 Dollar mehr zahlen, wenn ich dafür ein anständiges Buch hätte!", sagte er.

Und so war die Idee geboren!

Ich habe immer gewusst, dass ich für den Titel etwas mit einer Alliteration haben wollte. Und dann schoss mir der Begriff "Missing Manual" durch den Kopf - er war beides: eingängig und, wie ich hoffte, auch frech, weil er die Aufmerksamkeit darauf lenkt, was die Softwarefirmen machen.

(Wenn Sie David Pogues schlimmsten Alptraum kennenlernen wollen, schauen Sie hier.)

Apple hat in Jaguar viele neue Features integriert. Welches finden Sie am besten?

Mein spezieller Favorit ist die Möglichkeit, Macs und Windows-PCs ganz einfach miteinander zu verbinden - etwas, das früher so schwierig und teuer war! Beim Schreiben benutze ich meistens ein Programm zur Spracherkennung, das es nur für Windows gibt... Aber weil die Windows-Festplatte auf meinem Macintosh-Desktop als Icon erscheint, kann ich das Programm einfach öffnen, darin lesen, formatieren und das erstellte Word-Dokument mailen. Das ist fantastisch!

Buch zum Thema

Mac OS X - Missing Manual

Mac OS X -
Missing Manual

von David Pogue

Inhaltsverzeichnis
Index
Probekapitel

Fehlt Mac OS X noch etwas anderes als ein Handbuch? Was erwarten Sie von zukünftigen Versionen der Software?

Einige ältere Mac OS 9-Features fehlen noch - wie z.B. farbige Labels, die die Organisation der Datei-Icons erleichtern. Ich finde, dass Apple auch einige gute Ideen von Windows XP aufgreifen könnte - zum Beispiel: Wenn eine Person sich ausloggt und eine andere sich dann einloggen kann, sollte es die Möglichkeit geben, alle Programme und Dokumente im Hintergrund geöffnet zu lassen, damit man später schneller wieder weitermachen kann. In Windows heißt dieses Feature Fast User Switching, und es ist wirklich gut.

Linux ist in Europa viel beliebter als in den USA. Es gibt also schon ein beliebtes, Unix-basiertes Betriebssystem. Wie würden Sie die zukünftige Entwicklung der beiden Betriebssysteme einschätzen?

In den USA holt Linux gerade auf - aber meistens nur in Unternehmen. Linux ist für die meisten Amerikaner, die ihren Computer privat benutzen, nicht komfortabel genug (fügen Sie hier Ihren Lieblingswitz über die dummen Amerikaner ein!).

Ich finde es wirklich spannend. Bis vor kurzem bestand für Microsoft wenig Anlass, Windows zu verbessern. Aber Dank Mac OS X und Linux muss sich Microsoft jetzt öfter nervös umschauen, um seine Konkurrenten besser im Blick zu behalten!

Eine persönlichere Frage: In einem anderen Interview haben Sie erwähnt, dass Sie erst relativ spät mit Computern in Kontakt kamen. Welche Rolle spielen Computer im Leben Ihrer Kinder?

Ah, eine gute Frage! Neulich waren meine Frau und ich auf einer Party, auf der eine Bekannte, die ebenfalls Mutter ist, über das Übel in Form von Fernsehen und Computerspielen schimpfte. "Eine Stunde Fernsehen pro Woche, eine Stunde Computerspiele, und dann ist Schluss", sagte sie. "Wir wollen nicht, dass unsere Kinder vor einer Art elektronischem Babysitter abgestellt werden." Ich nickte höflich, aber für mich liegen Welten zwischen Fernsehen und Computerspielen.

Unsere Kinder spielen Computerspiele - diese Lern-Software-CDs - vielleicht einmal im Monat. Aber als unser Sohn zwei Jahre alt war, konnte er schon wie selbstverständlich mit einer Maus umgehen. Er versetzte alle in Erstaunen, als er auf seinem kleinen iMac der ersten Generation einen CD-Datensatz in den Mülleimer verschob, so dass die CD heraussprang und er die nächste einlegen konnte. Wir mussten nie seine Fernsehzeiten begrenzen, weil er immer mehr daran interessiert war, mit seinem iMac selbst aktiv zu werden. (Ist das typisch? Oder hat er einfach meine Geek-Gene geerbt? Ich habe keine Ahnung.)

Ich bin fest davon überzeugt, dass der Spaß unserer Kinder an Spielen wie Dr. Seuss's ABC ihnen beim Spracherwerb geholfen hat. Als unser Sohn dreieinhalb Jahre alt war, konnte er schon Wörter mit drei Buchstaben buchstabieren. Unsere Tochter geht in einen Vorschul-Musikkurs und summt schon Klassiker wie das Lied vom Alphabet. Eigentlich ist meine größte Sorge, dass die beiden sich in der Schule langweilen werden!

Wie sieht die Computer-Ausstattung in Ihrem Haus aus?

Meine Hauptrechner sind ein Dell-Tower und ein Power Mac, beide auf demselben Arbeitstisch; für unterwegs habe ich ein 12-inch PowerBook G4 und ein Dell-Laptop für gelegentliche Testläufe. Meine Frau benutzt als Hauptrechner dasselbe PowerBook wie ich, was nur möglich ist, weil wir im ganzen Haus ein drahtloses Airport-Netzwerk (WiFi oder 802.11) haben, das mit unserem Kabel-Modem verbunden ist. Außerdem haben wir unten noch einen iMac für die Kinder. Und dann gibt es noch ungefähr 50.000 Kisten, Kabel, CDs, Festplatten und verendete Computer, die überall im Haus verstreut herumliegen, aber das ist eine andere Geschichte...

Im Laufe Ihrer Karriere haben Sie eine Fülle von Talenten an den Tag gelegt: Magier, Dirigent und Komponist, Autor von Computerbuch-Bestsellern - um nur ein paar zu nennen. Gibt es irgendetwas, was Sie NIE tun würden?

Was ich mag, nein, was ich absolut brauche, ist Kreativität. Ich könnte in keinem Job überleben, in dem es ständig Wiederholungen gibt. (Ich hatte mal einen Teilzeit-Job, bei dem ich drei Nachmittage in der Woche im Büro auftauchen musste. Ich blieb sechs Monate.) Zum Glück ist Bücherschreiben ziemlich kreativ. Solange es Leser gibt, werde ich für sie schreiben!


Das Buch Mac OS X - Missing Manual ist bei O'Reilly im März 2003 erschienen.

David Pogue hat bereits 25 Bücher geschrieben und ist der Vater der Missing Manual-Reihe, in der er auch bereits fünf Bücher veröffentlicht hat. In seinem anderen Leben schreibt er eine Kolummne in der New York Times und ist ein ehemaliger Broadway-Dirigent, Zauberer und Pianist (www.davidpogue.com).

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