So sichern Sie Ihr TiBook (oder einen beliebigen Mac OS
X-Rechner)von Ian F.
Darwin übersetzt von Rudolf Steffens
Häufig hört man, ein Computer sei lediglich sicher, solange er ausgeschaltet
und nicht an ein Netzwerk angeschlossen ist. Genau dies trifft aber auch auf das
TiBook in Ihrem Rucksack zu, den Sie nur mal kurz irgendwo abgestellt haben.
Sobald jemand die Gelegenheit erhält, lange Finger zu machen oder das gute Stück
auch nur für wenige Minuten in die Hände zu bekommen, sind ihm Ihre Daten schutzlos
ausgeliefert. Dieser Artikel zeigt, wie Sie für ein höheres Maß an
Datensicherheit sorgen können.
Wollen Sie das Internet nutzen, sind Sie natürlich moralisch (und in vielen
Rechtsprechungen) auch gesetzlich verpflichtet, mit allen gebotenen Mitteln
dafür zu sorgen, dass niemand mit Ihrem Computer andere Rechner im Netz
attackiert. Aber wie sicher kann ein Computer sein, der absichtlich darauf
ausgelegt ist, möglichst offen (d.h. anwenderfreundlich) zu sein? Zunächst werde
ich zeigen, wie Sie in Ihrem TiBook oder iBook ein "BIOS-Kennwort" setzen.
Anschließend erfahren Sie, wie sich einige der
augenfälligsten Sicherheitslücken von Mac OS X schließen lassen. Wenn Sie
noch mit Mac OS 9 arbeiten, sollten Sie sich sämtliche Sicherheitserwägungen
aber besser gleich schenken und darauf verzichten, Ihren Computer an ein
Netzwerk anzuschließen :->
BIOS-Kennwort?
Ich selbst bin gegen Ende 2002 von einem Intel-Notebook auf ein TiBook
umgestiegen. Da ich für einige meiner Kunden sicherheitsrelevante Aufgaben
erledige, muss ich eine ziemlich strenge Kontrolle gewährleisten. Intel-Notebooks
sind fast ausnahmslos mit einem BIOS-Kennwort versehen, wodurch verhindert
werden soll, dass ein Unbefugter, der Ihr Notebook in die Finger bekommen hat, es
ohne weiteres booten kann. "Ohne weiteres" bedeutet dabei aber auch nur so viel,
dass das Gerät den Start lediglich so lange verweigert, bis man die CMOS-Batterie
ausgebaut hat. Ein Gelegenheitsdieb greift typischerweise wohl innerhalb der
wenigen Minuten zu, in denen niemand hinschaut; ist Ihr Notebook für kurze Zeit
unbeobachtet, mag es sein, dass es gestohlen wird - eher unwahrscheinlich ist
jedoch, dass jemand es zerlegt.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass PC-Notebooks generell ein geringeres Maß an
Sicherheit bieten als Macs - allein schon deshalb, weil sie gewöhnlich mit
Floppy-Laufwerken ausgestattet sind, von denen das Gerät ohne weiteres gebootet
werden kann, wenn sich beim Start eine Diskette im Laufwerk befindet. Legt man also
eine Unix-Diskette ein und bootet den Rechner, sind sämtliche Daten auf
der Festplatte zugängig. Das BIOS-Kennwort schiebt dem einen Riegel vor. Mein
TiBook verfügt zwar über kein Diskettenlaufwerk, wie die meisten Macs von der
Stange lässt es sich jedoch anstandslos von einer bootfähigen Unix-CD (Mac OS,
OpenBSD, NetBSD oder Linux) starten, hält man während des Boot-Vorgangs die
Taste C gedrückt.
Wo also verbirgt sich auf einem TiBook oder einem beliebigen anderen Rechner
mit "Open Firmware" (OFW) das Kennwort? OFW ist Bestandteil des
Boot-Codes bei aktuellen Macs
(d.h. allen Modellen ab dem ersten iMac). OFW, die Befehlszeilen-BIOS-Firmware solcher Rechner, folgt dem
Vorbild des "Open Boot PROM", wie es bereits seit langem auf den
SPARC-Workstations von Sun Microsystems gebräuchlich ist. Sun gab die Syntax als
IEEE-Standard frei (IEEE-1275, veröffentlicht 1994) und lizenzierte den Code
später an FirmWorks. Wenig überraschend, dass Mitch Bradley, der OBP entworfen
und für die Sun SPARC Station 1 implementiert hatte, Sun verließ und FirmWorks gründete, um Firmen zu supporten, die OFW nutzten.
Es war für mich also nicht weiter verwunderlich, dass viele der Befehle, die mir
schon von der Arbeit auf der Sun SPARC vertraut waren, nahezu in gleicher Weise
auch auf meinem TiBook funktionierten. Immerhin haben beide eine gemeinsame
Abstammungslinie, auch wenn es sich bei der Apple-Variante um eine der wenigen
Implementierungen handelt, die nicht aus dem Sun- bzw. FirmWorks-Code entstand.
OWF basiert auf Forth, einer älteren, stapelbasierten
Programmiersprache, auf die ich hier aber nicht näher eingehen werde. Man
braucht keinerlei Forth-Kenntnisse, um OFW nutzen zu können, obwohl dadurch
verständlich würde, warum man die seltsame Meldung "catch" erhält, sobald man am
OK-Prompt von OFW beispielsweise ein einzelnes Fragezeichen eingibt.
Stattdessen werde ich mich ganz darauf konzentrieren, wie man den Mac mit
Hilfe von OFW ein wenig sicherer machen kann. Zunächst müssen wir dazu einen Weg
in den Boot-PROM-Monitor finden - es handelt sich hierbei um einen
Befehlszeilenmodus, in dem bestimmte Geräteeinstellungen geändert werden können.
Halten Sie während des Boot-Vorgangs die Tastenkombination
Option-Befehlstaste-O-F (für Open Firmware) gedrückt. Auf dem Bildschirm
erscheint daraufhin ein mehrere Zeilen langes Geplapper, dem ein OK-Prompt
folgt.
Apple Powerbook3,2 4.x.x BootRom build on mm/dd/yy at
hh:mm:ss Copyright 1994-2002 Apple Computer, Inc. All Rights
Reserved
Welcome to Open Firmware, the system time and date is: 02:36:52
01/15/2003 Full security mode.
To continue booting, type "mac-boot"
and press return. To shut down, type "shut-down" and press
return.
ok 0>
Wenn Sie sich hier einen Überblick verschaffen wollen, geben Sie den Befehl
"printenv" ein und bestätigen diesen per Enter-Taste; Sie erhalten nun eine
Liste von Einstellungen wie "boot-device" oder "auto-boot?". Es handelt sich
hier tatsächlich um "auto-boot-[Fragezeichen]": Das angefügte Fragezeichen deutet
nämlich darauf hin, dass es sich um einen Booleschen Ausdruck oder ein Prädikat
handelt - ganz in der Art der Endung -p, mit der altehrwürdige
LISP-Programmierer Funktionsnamen versehen. (Siehe dazu die Einleitung des
Hacker's Dictionary, das im Internet an vielen Orten, u.a. unter http://www.mcs.kent.edu
zu finden ist. Geben Sie als Suchbegriff "Gopherism" ein.) 0> printenv
------------ Partition: common ------- Signature:0x70 ----------
little-endian? false false
real-mode? false false
auto-boot? true true
..
boot-device hd:,\\:tbxi hd:,\\:tbxi
boot-file
boot-screen
..
More [<space>,<cr>,q] ?
..
security-mode full
.. \
Sehen Sie sich die beiden Wertespalten an; die mittlere, in der sich für mein
System die Aussage "full" findet, zeigt die gegenwärtige Einstellung der
Variablen. (Auf Ihrem Computer ist dort möglicherweise nichts angegeben, was
aber völlig normal ist.) Die rechte Spalte für die Variablen mit einem
vorgegebenen Wert gibt die werkmäßige Standardeinstellung an, die mit Hilfe des
Befehls "set-default boot-device" wiederhergestellt werden kann.
Ein weiterer aufschlussreicher Befehl ist "devalias". Hiermit erhalten Sie
eine Reihe von Kurzbefehlen und die tatsächlichen OFW-Gerätenamen.
Wird "auto-boot?" abgeschaltet, landet man nach dem Boot-Vorgang direkt im
OFW-Prompt. Aber wie bringt man OFW nun dazu, ein Kennwort zu verlangen?
Seien Sie vorab gewarnt. Leisten Sie sich an dieser Stelle einen Fehler
oder vergessen Sie das einmal gesetzte Kennwort, verwandelt sich Ihr TiBook in
einen Türstopper. Lesen Sie den Artikel also unbedingt zu Ende, bevor Sie
sich daran begeben. Setzen Sie nur dann ein Kennwort, wenn Ihnen tatsächlich an
mehr Sicherheit gelegen ist. Versuchen Sie es nicht, wenn Sie übernächtigt oder in
irgendeiner Weise unaufmerksam sind. Die Benutzung ist auf eigene Gefahr!
Niemand kann sagen, was mit Ihrem System passieren wird. Weder der Autor noch
O'Reilly haften für die Folgen.
Sie lesen weiter? Dann geben Sie jetzt am OK-Prompt den nahe liegenden Befehl
password ein. (Nein, liebe Unix-Geeks, nicht "passwd",
sondern "password". Das ist auch für Normalsterbliche "todsicher".) Wie bei
jedem anständigen Kennwort-Prompt wird das Kennwort maskiert angezeigt (was
neugierigen Blicken keine Chance lässt); zudem ist eine nochmalige Eingabe
erforderlich, um sicherzustellen, dass sich kein Tippfehler eingeschlichen hat
und das Passwort einen besseren Eingang in Ihr Langzeitgedächtnis findet.
Muss ich an dieser Stelle darauf eingehen, wodurch sich ein gutes Kennwort
auszeichnet? Benutzen Sie nicht Ihren Namen, den Ihrer besseren Hälfte oder
denjenigen Ihres Computers. Notieren Sie es nicht auf der obersten
Schreibtischschublade oder auf der Unterseite Ihres TiBooks. Sie wissen schon,
was ich meine. Und noch ein Tipp: Bauen Sie keine Leerzeichen oder Kombinationen
mit der Optionstaste in Ihr Kennwort ein. Dies mag zwar prinzipiell ein gute
Idee sein, um zu verhindern, dass es erraten wird; einige der
Apple-Upgrade-Dokumente weisen jedoch auf folgenden Punkt hin: "An Admin user
password that does not contain spaces or Option-keyed characters is required to
install. The password may not be blank." Um ein effektives Kennwort zu
erhalten, sollten Sie statt der Kombination aus Buchstaben und Optionstaste
die Zeichen der obersten Tastaturreihe (Ziffern, !, % etc.) verwenden.
Übrigens: Mit dem Befehl set-defaults können Sie alle
Konfigurationsvariablen auf deren ursprüngliche Werte zurücksetzen. Ein
eventuell gesetztes Kennwort oder der Wert von secure-mode bleiben davon
unbeeinträchtigt.
Aktivieren Sie security erst, nachdem Sie Ihr Kennwort gesetzt und es sich
gemerkt haben.
setenv security-mode full
Die möglichen Einstellungen für security-mode sind "none", "command" und
"full". Bei "none" handelt es sich um den vorgegebenen und gleichzeitig
offensten Modus. Jeder kann an Ihrem Rechner in diesem Fall machen, was er will.
Mit "command" startet der Computer vom (in boot-device) eingestellten Laufwerk,
ohne ein Kennwort abzufragen; Einstellungen lassen sich in diesem Fall
allerdings nicht ändern. Ist "full" gewählt, wird erst die Eingabe eines
Kennworts verlangt, bevor überhaupt etwas mit dem Rechner (einschließlich des
Boot-Vorgangs) angestellt werden kann. Die Einstellung "command" ist ein wenig
komfortabler und für OS X-Anwender damit wohl die bessere Wahl. Ich kenne nicht
die komplette Liste der Möglichkeiten, die sich im Modus "command" ohne Kennwort
einstellen lassen. Aus diesem Grund bevorzuge ich selbst - aus reiner Paranoia
- den Modus "full". Auch im Modus "command" können Sie in der Regel monatelang
booten, ohne jemals ein Kennwort angeben zu müssen. Die Gefahr dabei: Sie
vergessen es und sind dann ratlos, wenn Sie es brauchen. Daher
entscheiden Sie sich wohl besser für den Modus "full".
Der nächste Schritt - er ist optional - könnte darin bestehen, den
automatischen Startvorgang abzuschalten, indem Sie auto-boot? auf
den Wert "false" setzen.
setenv auto-boot? false
Fortan wird Ihr Mac beim Boot-Vorgang den leuchtenden Apple-Startbildschirm
umgehen und Sie direkt auf ein OFW-Banner und den OK-Prompt führen. Geben Sie
hier einfach "boot" sowie das korrekte Kennwort (das nur Sie kennen) ein, und
schon sind Sie mitten im Geschehen. Oder wo immer Ihr Mac Sie hinführen mag.
Bevor Sie jedoch versuchen, ihn zu booten, geben Sie
reset-all
ein, um die neuen Einstellungen zu speichern, und booten damit anschließend
(bedenken Sie, dass "reset-all" verwendet werden muss, um alle Einstellungen,
die interaktiv eingegeben wurden, zu sichern. Andernfalls gehen diese beim
Neustart verloren).
Sie haben ab sofort einen Rechner, der ohne vorherige Eingabe eines Kennworts
den Dienst verweigert, auch wenn er - abhängig von den in der Tabelle unten
aufgeführten Einstellungen - noch in OFW oder Mac OS booten mag.
| Tastenkürzel beim Neustart |
| security-mode |
auto-boot? |
Normales Booten |
Booten mit gehaltener Optionstaste |
Booten mit gehaltener Taste C |
| (any) |
false |
OFW Prompt |
| none |
true |
bootet Mac OS X |
Boot-Auswahl |
Booten von CD |
| command |
true |
bootet Mac OS X |
Boot-Auswahl mit Kennwortabfrage |
wird ignoriert; Rechner bootet von HD |
| full |
(any) |
OFW-Prompt |
Beachten Sie, dass Sie diese Variablen unter Darwin, d.h. in einem
Terminal-Fenster, auch über den Befehl "nvram" setzen können, zum Beispiel:
sudo nvram 'auto-boot?=false'
(Dies setzt natürlich voraus, dass Sie den Befehl sudo korrekt
gesetzt haben - näheres dazu ist in Michael
Lucas' O'ReillyNet-Artikel zum Thema sudo zu finden. Darin findet sich zwar noch die Aussage, dass sudo lediglich in
OpenBSD enthalten sei, inzwischen ist es jedoch auch fester Bestandteil von Mac
OS X. Siehe dazu auch den Befehl "man" für sudo und
nvram.)
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