GIMP - The GNU Image Manipulation Program

Das Programm, seine Geschichte und seine Zukunft

von Sven Neumann

GIMP ist ein mächtiges Programm zur Bearbeitung digitaler Bilder. Es stellt eine Vielzahl von Werkzeugen zur Bildretusche und Farbmanipulation zur Verfügung. In GIMP können Bilder in mehreren Ebenen wie Folien übereinandergelegt werden. Diese Ebenen machen es möglich, Bildcollagen herzustellen und andere interessante Effekte zu erzielen und diese auch nachträglich noch zu bearbeiten. Eine ganze Reihe von Selektionswerkzeugen, darunter auch die sehr flexibel einsetzbaren Bezierpfade, helfen dabei, Bildteile für die Bearbeitung auszuwählen. Natürlich bietet GIMP auch die Möglichkeit, Änderungen rückgängig zu machen. Die Anzahl der Schritte, die rückgängig gemacht werden können, hängt dabei allein vom verfügbaren Speicher (Arbeitspeicher und Festplatte) ab. Ergänzt werden all diese Funktionen durch über 150 Plugins, darunter verschiedenste Effektfilter, aber auch Import- und Exportfilter für jedes gängige Bildformat.

Das Besondere an GIMP ist jedoch, daß es samt Sourcecode frei unter den Bedingungen der GPL verfügbar ist. Wohl jedem Linux-Anwender ist GIMP ein Begriff, ist es doch Bestandteil aller Linux-Distributionen. Es ist eine der ersten Anwendungen, die Linux auch als Desktop-Betriebssystem interessant machten. Aber natürlich läft GIMP nicht nur unter Linux, sondern auf nahezu allen UNIX-Derivaten und ist inzwischen auch auf OS/2 und Windows portiert worden. Seit Spencer Kimball und Peter Mattis Mitte 1995 ihr Projekt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt haben, ist die Schar der GIMP-Enthusiasten und -Entwickler stetig gewachsen. Eine internationale Gemeinschaft aus Entwicklern und Anwendern kümmert sich um die Pflege und Weiterentwicklung. Aus der GIMP-Entwicklung ist GTK+, das GIMP ToolKit, hervorgegangen, das inzwischen auch die Grundlage für das GNOME-Projekt und unzählige weitere Anwendungen bildet.

Seit vor etwa zwei Jahren GIMP 1.0 vorgestellt wurde, hat sich eine ganze Menge getan und die neue stabile Version 1.2 steht kurz vor der Fertigstellung. Unter den Neuerungen sind die Unterstützung drucksensitiver Grafiktabletts, neue Werkzeuge und die wesentlich verbesserte Integration von Bezierpfaden besonders hervorzuheben. Es werden mehrere Prozessoren unterstützt und der Bildaufbau wird jetzt im Hintergrund durchgeführt, so daß sich das neue GIMP deutlich schneller anfühlt. Endlich können auch echte Längenangaben anstatt wie bisher ausschließlich Angaben in Pixeln verwendet werden. GIMP wurde komplett internationalisiert, d.h. alle Menüs und Dialoge sind jetzt auch auf Deutsch (und in vielen anderen Sprachen) verfügbar. Eine verbesserte Benutzeroberfläche mit Unterstützung für Drag-and-Drop rundet das neue Release ab. Programmierern, die Plug-ins und Skripte für GIMP schreiben möchten, bietet die neue Version eine klarere und besser dokumentierte API sowie mit Perl und Python zwei neue Skript-Sprachen.

Anfang Juli fand in Berlin die GIMP Entwickler-Konferenz statt, auf der auch Zukunftspläne geschmiedet wurden. Die Entwickler brennen darauf, GIMP 1.2 fertigzustellen, um mit der Arbeit an GIMP 2.0 beginnen zu können.

Sven Neumann <sven@gimp.org>

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