Den Draht zum Publikum nicht verlieren...


Das Buch
Das Reden vor kleinem oder großem Publikum zählt zu den Dingen, vor denen sich Menschen am meisten fürchten. Gleichzeitig steht fast jeder in seinem beruflichen Leben eines Tages vor der Herausforderung, einen Vortrag halten zu müssen – sei es im Kreis einiger Kollegen, auf einem Vertriebsmeeting oder auch vor Hunderten von Zuhörern in einem Auditorium. Dieses unterhaltsam geschriebene Buch zielt darauf ab, Ihnen die Angst vor der öffentlichen Rede zu nehmen. Bestseller-Autor Scott Berkun hat dafür seine 15-jährigen Erfahrungen als Redner auf Konferenzen kondensiert und lässt Sie an seinen größten Erfolgen, aber auch an den schlimmsten Pannen teilhaben. Praktische Tipps zur Überwindung schwieriger Situationen beim Sprechen vor Publikum runden das Buch ab.

Ausführliche Informationen zum Buch finden Sie hier.

Das Kapitel 2: Der Angriff der Schmetterlinge können Sie hier als PDF probelesen!

Der Autor

Scott Berkun ist Autor zweier Bestseller und hat für Magazine wie die Washington Post, New York Times, Wired und Forbes geschrieben. Darüber hinaus war er Dozent für Kreatives Denken an der Universität zu Washington. Scott ist ein gefragter Redner auf Konferenzen und war schon fast überall auf der Welt zu Gast. Er wird vor allem wegen seiner Vorträge über Kreatives Denken, die Entstehung von Innovationen und die Kunst des öffentlichen Redens geschätzt.


Das Reden vor kleinem oder großem Publikum zählt zu den Dingen, vor denen sich Menschen am meisten fürchten. Gleichzeitig steht fast jeder in seinem beruflichen Leben eines Tages vor der Herausforderung, einen Vortrag halten zu müssen – sei es im Kreis einiger Kollegen, auf einem Vertriebsmeeting oder auch vor Hunderten von Zuhörern in einem Auditorium.


Alle guten öffentlichen Reden basieren auf guten eigenen Gedanken. JFK hatte, trotz all seiner Brillianz, Redenschreiber, die wahrscheinlich seine berühmten Worte “Fragt nicht was das Land für Euch tun kann, fragt was ihr für das Land tun könnt” für ihn geschrieben haben. Das gleiche gilt für Ronald Reagan, Barack Obama, die meisten CEOs und viele der berühmtesten Redner der Geschichte. Ein Großteil der Arbeit dieser Redenschreiber besteht darin, eine Reihe von Ideen in klare Standpunkte zu verwandeln. Das bedeutet, dass der Unterschied zwischen Ihnen und JFK oder Martin Luther King weniger mit Ihrer Fähigkeit zu reden zu tun hat—eine Fähigkeit die wir hundertmal pro Tag nutzen—als vielmehr mit der Fähigkeit zu denken und grobe Ideen in klare zu verwandeln. Einen wichtigen Punkt zu unterstreichen, eine wichtige Lektion zu vermitteln oder anderen ein bestimmtes Gefühl zu vermitteln verlangt zuallererst zu denken, viel und lange zu denken, bevor es überhaupt ausgesprochen wird. Doch wir sehen dieses Denken nicht, schließlich ist es nicht besonders interessant, beim Denken zuzusehen. Wir sehen nur das Reden, was es so erscheinen läßt, als würde das Denken von ganz allein kommen. Egal welche Art Rede Sie halten, es gibt nur wenige Gründe, warum jemand sich das anhören will. Während Sie ihre Rede planen, sollten Sie das Ziel verfolgen, die nachfolgend aufgeführten Aspekte zu berücksichtigen. Die Leute kommen, weil man:

  • etwas lernen will
  • inspiriert werden möchte
  • unterhalten werden will
  • ein Bedürfnis hegt, die Sie hoffentlich befriedigen können
  • andere treffen will, die an diesem Thema interessiert sind
  • ein positives Erlebnis sucht, das man mit anderen teilen kann
  • von Vorgesetzten, Eltern, Professoren oder Partnern dazu gezwungen< wurde
  • mit Handschellen an den Stuhl gefesselt ist und den Raum seit Tagen nicht verlassen hat Nur ein Narr kann eine Stunde reden und keinen dieser Punkte berücksichtigen.

Viele Reden treffen einen oder zwei dieser Aspekte, wenn auch nur zufällig. Dennoch kann ein gedankenvoller Redner—ein Redner ohne aussergewöhnliche Redegewandtheit oder magische Kräfte, aber dafür mit dem ernsthaften Bemühen, dem Publikum etwas Nützliches zu bieten, in den ersten 30 Minuten die ersten sechs Punkte abhaken und zum Ende kommen, und doch alle im Publikum zufrieden gestellt haben (einschließlich derjenigen, die aus den Gründen 7 und 8 da waren). Auf Konferenzen konzentrieren sich viele Redner darauf im Detail zu erläutern, wie großartig sie Unternehmen lenken, Teams führen, akademische Höhen erklimmen oder Bücher schreiben, nur um ihren Anspruch zu untermauern, gut darin zu sein, Dinge für andere Leute zu tun. Wenn die Redner so smart und talentiert sind, wie sie es für sich in Anspruch nehmen, dann dürfen wir wohl auch erwarten, das sie die Gründe ernst nehmen, aus denen die Leute in einem Raum sitzen und ihnen zuhören. Doch weil sie präsentieren und die Macht über das Mikrofon besitzen, erlauben sie es sich, selbst zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu werden, und vergessen dabei, wo die Prioritäten liegen sollten.

Im Februar 2009 habe ich bei einer wichtigen Konferenz einem berühmten Vorstand zugesehen, der vor hunderten von Leuten einen Vortrag hielt. Nach einigen Minuten des Vortrags verfiel er in langes Schweigen, blätterte durch die Papiere in seiner Hand und gab schließlich zu, das er sich durch seine eigenen Notizen habe verwirren lassen. Das lag daran, das er sich bereits einige Minuten vorher nicht mehr an seine Notizen gehalten hatte. Fassungslos entschuldigte er sich und sagte, das er das nie wieder tun würde. Er hatte erkannt, und es dem Publikum erklärt, dass es unmöglich ist, gleichzeitig zu improvisieren und seinen Notizen zu folgen. Seine ganze Rede war 20 Minuten lang und wenn er in den Wochen vor der Rede nur 20 Minuten geübt hätte, wäre im klar geworden, dass das so nicht funktioniert, bevor er auf der Bühne gestanden hätte. Das hätte ihm geholfen, seine eigenen Hauptargumente zu erkennen, und hätte es dem zahlenden Publikum erspart, ihm mit ihrer Zeit dabei helfen zu müssen. Das Publikum verzeiht einem sehr viel. Es will das der Redner seine Sache gut macht und übersieht daher viele vordergründige Probleme. Doch wenn der Redner nicht sorgfältig über seine Argumente nachdenkt, willentlich seinen eigenen Stoff missachtet und sich letztendlich darin verliert, wie Gutmütig kann das Publikum da noch sein? In den meisten beruflichen Situationen wäre diese mangelnde Vorbereitung inakzeptabel. Stellen Sie sich vor, ein Doktor würde mitten in einer Gehirnoperation inne halten und Sie nach dem Grund für die Operation fragen. Wenn Sie nicht wissen, warum Sie auf der Bühne stehen, kann Ihnen das Publikum nicht helfen. In der Rednerbranche ist das als das Mikrofon fressen bekannt. Es ist der Augenblick, in dem das Versprechen an das Publikum, ihre Erwartungen zu erfüllen, verloren geht. Keiner hört mehr zu. Das geschieht niemals aufgrund von Schreibfehlern, schlechter Folien oder weil der Redner kurzfristig verwirrt ist. Es passiert, wenn der Redner sich weit von dem weg bewegt, was das Publikum interessiert. Wenn das geschieht ist leicht nachzuvollziehen, dass man sich Tagträumen hingibt, Solitaire auf dem Handy spielt oder einfach aufsteht und geht—die Leute wissen, das sie ihre Zeit besser nutzen können als der Redner. Wenn ein Dummkopf das Mikrofon frisst, mag das eine gute Sache sein. Doch es ist eine Tragödie, wenn eine kluge, interessante Person, die große Geschichten und Erkenntnisse mitzuteilen hat, nur aus mangelnder Voraussicht scheitert. Das Potential für all die guten Gründe in der obigen Liste waren an diesem Tag im Raum— tausende mögliche Verbindungen von Menschen, Ideen und Leidenschaften—, doch sie wurden verschwendet, weil der Redner das Publikum vergessen hatte. Der springende Punkt ist hier nicht das Üben. Obwohl es wichtig ist, kann jeder Stunden an einem Problem sitzen und doch nicht weiterkommen. Das Ziel besteht darin, Ihre Vorbereitungszeit dazu zu verwenden, Ihr Denken zu stärken und es so einfacher zu machen, einen Großteil des Publikums zufrieden zu stellen, auch wenn es auf der Bühne zu einigen Patzern kommt.

Zusammengefasst bedeutet das: Um gut vorbereitet zu sein, müssen Sie vier Dinge tun:

  • Vertreten Sie eine starke Position. Alle Reden und Präsentationen vertreten einen Standpunkt, und Sie müssen Ihren kennen. Wenn Sie nicht genug über ein Thema wissen, um eine Meinung zu haben, das lösen Sie dieses Problem, bevor Sie ihren Vortrag halten. Selbst wenn Sie sagen: “hier sind fünf Dinge die ich mag” ist das eine starke Position, weil es eine unendliche Anzahl von Dingen gibt, die Sie nicht aufführen. Aus einer schwachen Position heraus hört sich Ihre Rede vielleicht so an: “Hier ist das ganze Wissen, das ich in der mir zur Verfügung stehenden Zeit unterbringen kann, doch weil ich nicht weiß was sie interessiert, oder was ich sagen würde, wenn ich weniger Zeit hätte, folgt jetzt ein halbgarer, schwer nachzuvollziehender und schwer zu präsentierenden Haufen Schrott”. Jedesmal wenn ich einen gelangweilter Sprecher sehe, würde ich ihn gerne fragen: “Welchen Vortrag hätten Sie gerne gehalten?” oder “Was wollen Sie eigentlich sagen?” Aus irgendeinem Grund hat er geglaubt, diesen Vortrag nicht halten zu dürfen. Einen Vortrag, wegen dem das Publikum wahrscheinlich gekommen ist.
  • Denken Sie sorgfältig über Ihr spezielles Publikum nach. Sie müssen wissen, warum es da ist, welche Bedürfnisse es hat, welches Hintergrundwissen, die Lieblingstheorie, an die es glaubt, und wie sich seiner Hoffnung zufolge sein Leben verändert, nachdem ihr Vortrag beendet ist. Wenn Sie keine Zeit haben, das Thema zu studieren, dann studieren Sie zumindest ihr Publikum. Es könnte sich herausstellen, das Sie zwar wenig über ein Thema wissen, aber immer noch mehr als das Publikum.
  • Fassen Sie ihre Punkte kurz und bündig zusammen. Wenn es 10 Minuten dauert, um Ihre Punkte zu erläutern, dann läuft etwas richtig schief. Punkte stellen Ansprüche dar. Argumente untermauern ihre Punkte. Jeder Punkt sollte in einem einzelnen, dichten, interessanten Satz zusammengefasst sein. Ihre Argumente können lang sein, doch keines einen Zweifel daran lassen, auf welchen Punkt Sie hinauswollen. Eine mittelmäßige Präsentation macht die Punkte deutlich, verhäddert sich aber in der Argumenten, oder langweilt die Leute mit ihnen. Eine wirklich schlechte Präsentation hebt die eigentlichen Punkte niemals deutlich hervor.
  • Berücksichtigen Sie die wahrscheinlichen Gegenargumente eines intelligenten, sachverständigen Publikums. Wenn Sie die intelligenten Gegenargumente für jeden Ihrer Punkte nicht kennen, können Ihre Punkte nicht gut sein. Wenn Sie beispielsweise einen Vortrag darüber halten, warum man mehr Käse essen sollte, dann sollten Sie zumindest wissen, warum die Deutsche Anti-Käse-Stiftung sagt, das man weniger Käse essen sollte.