Wir wissen, was Sie gerade denken.
»Wie kann das ein ernsthaftes Programmierbuch sein?«
»Was sollen all die Abbildungen?«
»Kann ich auf diese Weise wirklich lernen?«
Und wir wissen, was Ihr Gehirn gerade denkt.
Ihr Gehirn lechzt nach
Neuem. Es ist ständig dabei, Ihre Umgebung abzusuchen,
und es wartet auf etwas Ungewöhnliches. So ist es nun einmal gebaut,
und es hilft Ihnen zu überleben.
Heutzutage ist es weniger wahrscheinlich, dass Sie von einem
Tiger verputzt
werden. Aber Ihr Gehirn hält immer noch Ausschau. Man weiß ja nie.
Also, was macht Ihr Gehirn mit all den gewöhnlichen, normalen Routinesachen,
denen Sie begegnen? Es tut alles in seiner Macht Stehende, damit es
dadurch nicht bei seiner eigentlichen Arbeit gestört wird: Dinge zu erfassen, die
wirklich wichtig sind. Es gibt sich nicht damit ab, die langweiligen Sachen zu
speichern, sondern lässt diese gar nicht erst durch den »Dies-ist-offensichtlich-nicht-wichtig«-Filter.
Woher weiß Ihr Gehirn denn, was
wichtig ist? Nehmen Sie an, Sie machen
einen Tagesausflug und ein Tiger springt vor Ihnen aus dem Gebüsch: Was
passiert dabei in Ihrem Kopf und Ihrem Körper?
Neuronen feuern. Gefühle werden angekurbelt. Chemische Substanzen
durchfluten Sie.
Und so weiß Ihr Gehirn:
Dies muss wichtig sein! Vergiss es nicht!
Aber nun stellen Sie sich vor, Sie sind zu Hause oder in einer
Bibliothek. In einer sicheren, warmen, tigerfreien Zone. Sie lernen.

Bereiten sich auf eine Prüfung vor. Oder Sie versuchen, irgendein
schwieriges Thema zu lernen, von dem Ihr Chef glaubt, Sie bräuchten
dafür eine Woche oder höchstens zehn Tage.
Da ist nur ein Problem: Ihr Gehirn versucht Ihnen einen großen
Gefallen zu tun. Es versucht dafür zu sorgen, dass diese offensichtlich
unwichtigen Inhalte nicht knappe Ressourcen verstopfen. Ressourcen,
die besser dafür verwendet würden, die wirklich wichtigen Dinge
zu speichern. Wie Tiger. Wie die Gefahren des Feuers. Oder dass
Sie nie wieder in Shorts snowboarden sollten.
Und es gibt keine einfache Möglichkeit, Ihrem Gehirn zu sagen:
»Hey, Gehirn, vielen Dank, aber egal, wie langweilig dieses Buch
auch ist und wie klein der Ausschlag auf meiner emotionalen Richterskala
gerade ist, ich will wirklich, dass du diesen Kram behältst.«
Metakognition: Nachdenken übers Denken
Wenn Sie wirklich lernen möchten, und zwar schneller und nachhaltiger, dann schenken
Sie Ihrer Aufmerksamkeit Aufmerksamkeit. Denken Sie darüber nach, wie Sie denken.
Lernen Sie, wie Sie lernen.
Die meisten von uns haben in ihrer Jugend keine Kurse in Metakognition oder Lerntheorie
gehabt. Es wurde von uns erwartet, dass wir lernen, aber nur selten wurde uns auch
beigebracht, wie man lernt.
Wir nehmen aber an, dass Sie wirklich etwas über Ihr neues Thema lernen möchten, wenn Sie dieses
Buch in den Händen halten. Und wahrscheinlich möchten Sie nicht viel Zeit aufwenden.
Und Sie wollen sich an das erinnern, was Sie lesen, und es anwenden können. Und deshalb
müssen Sie es verstehen. Wenn Sie so viel wie möglich von diesem Buch profitieren wollen
oder von irgendeinem anderen Buch oder einer anderen Lernerfahrung, übernehmen
Sie Verantwortung für Ihr Gehirn. Ihr Gehirn im Zusammenhang mit
diesem Lernstoff.
Der
Trick besteht darin, Ihr Gehirn dazu zu bringen, neuen Lernstoff
als etwas wirklich Wichtiges anzusehen.

Als entscheidend für Ihr Wohlbefinden.
So wichtig wie ein Tiger. Andernfalls stecken Sie in einem
dauernden Kampf, in dem Ihr Gehirn sein Bestes gibt, um die neuen
Inhalte davon abzuhalten, hängen zu bleiben.
Wie bringen Sie also Ihr Gehirn dazu, Ihr IT-Thema
für so wichtig zu halten wie einen Tiger?
Da gibt es den langsamen, ermüdenden Weg oder den schnelleren, effektiveren
Weg. Der langsame Weg geht über bloße Wiederholung. Natürlich ist Ihnen klar, dass Sie lernen und sich sogar an die
langweiligsten Themen erinnern können, wenn Sie sich die gleiche Sache immer wieder einhämmern. Wenn Sie nur oft
genug wiederholen, sagt Ihr Gehirn: »Er hat zwar nicht das Gefühl, dass das wichtig ist, aber er sieht sich dieselbe Sache
immer und immer wieder an – dann muss sie wohl wichtig sein.«
Der schnellere Weg besteht darin,
alles zu tun, was die Gehirnaktivität erhöht, vor allem verschiedene Arten von
Gehirnaktivität. Eine wichtige Rolle dabei spielen die auf der vorhergehenden Seite erwähnten Dinge – alles Dinge, die
nachweislich helfen, dass Ihr Gehirn für Sie arbeitet. So hat sich z.B. in Untersuchungen gezeigt: Wenn Wörter in den
Abbildungen stehen, die sie beschreiben (und nicht irgendwo anders auf der Seite, z.B. in einer Bildunterschrift oder im
Text), versucht Ihr Gehirn herauszufinden, wie die Wörter und das Bild zusammenhängen, und dadurch feuern mehr
Neuronen. Und je mehr Neuronen feuern, umso größer ist die Chance, dass Ihr Gehirn mitbekommt: Bei dieser Sache
lohnt es sich aufzupassen und vielleicht auch, sich daran zu erinnern.
Ein lockerer Sprachstil hilft, denn Menschen tendieren zu höherer Aufmerksamkeit, wenn ihnen bewusst ist, dass sie ein
Gespräch führen – man erwartet dann ja von ihnen, dass sie dem Gespräch folgen und sich beteiligen. Das Erstaunliche
daran ist: Es ist Ihrem Gehirn ziemlich egal, dass die »Unterhaltung« zwischen Ihnen und einem Buch stattfindet! Wenn
der Schreibstil dagegen formal und trocken ist, hat Ihr Gehirn den gleichen Eindruck wie bei einem Vortrag, bei dem
in einem Raum passive Zuhörer sitzen. Nicht nötig, wach zu bleiben.
Aber Abbildungen und ein lockerer Sprachstil sind erst der Anfang.
Das haben WIR getan:

Wir haben
Bilder verwendet, weil Ihr Gehirn auf visuelle Eindrücke eingestellt ist, nicht
auf Text.
Soweit es Ihr Gehirn betrifft, sagt ein Bild wirklich mehr als 1.024 Worte. Und
dort, wo Text und Abbildungen zusammenwirken, haben wir den Text in die Bilder eingebettet,
denn Ihr Gehirn arbeitet besser, wenn der Text innerhalb der Sache steht, auf die er
sich bezieht, und nicht in einer Bildunterschrift oder irgendwo vergraben im Text.
Wir haben
Redundanz eingesetzt, d.h. dasselbe auf unterschiedliche Art und mit verschiedenen Medientypen
ausgedrückt, damit Sie es über mehrere Sinne aufnehmen. Das erhöht die Chance, dass die
Inhalte an mehr als nur einer Stelle in Ihrem Gehirn verankert werden.
Wir haben Konzepte und Bilder in
unerwarteter Weise eingesetzt, weil Ihr Gehirn auf Neuigkeiten
programmiert ist. Und wir haben Bilder und Ideen mit zumindest etwas
emotionalem Charakter verwendet,
weil Ihr Gehirn darauf eingestellt ist, auf die Biochemie von Gefühlen zu achten. An alles,
was ein Gefühl in Ihnen auslöst, können Sie sich mit höherer Wahrscheinlichkeit erinnern, selbst wenn
dieses Gefühl nicht mehr ist als ein bisschen
Belustigung, Überraschung oder Interesse.
Wir haben einen
umgangssprachlichen Stil mit direkter Anrede benutzt, denn Ihr Gehirn ist von
Natur aus aufmerksamer, wenn es Sie in einer Unterhaltung wähnt als wenn es davon ausgeht, dass
Sie passiv einer Präsentation zuhören – sogar dann, wenn Sie lesen.
Wir haben mehr als 80
Aktivitäten für Sie vorgesehen, denn Ihr Gehirn lernt und behält von Natur
aus besser, wenn Sie Dinge tun, als wenn Sie nur darüber lesen. Und wir haben die Übungen zwar
anspruchsvoll, aber doch lösbar gemacht, denn so ist es den meisten Lesern am liebsten.
Wir haben
mehrere unterschiedliche Lernstile eingesetzt,
denn vielleicht bevorzugen Sie ein
Schritt-für-Schritt-Vorgehen, während jemand anders erst einmal den groben Zusammenhang
verstehen und ein Dritter einfach nur ein Codebeispiel sehen möchte. Aber ganz abgesehen von den
jeweiligen Lernvorlieben profitiert jeder davon, wenn er die gleichen Inhalte in unterschiedlicher Form
präsentiert bekommt.
Wir liefern Inhalte für beide Seiten Ihres Gehirns, denn je mehr Sie von Ihrem Gehirn einsetzen,
umso wahrscheinlicher werden Sie lernen und behalten und umso länger bleiben Sie konzentriert.
Wenn Sie mit einer Seite des Gehirns arbeiten, bedeutet das häufig, dass sich die andere Seite des
Gehirns ausruhen kann; so können Sie über einen längeren Zeitraum produktiver lernen.
Und wir haben Geschichten und Übungen aufgenommen, die mehr als einen Blickwinkel
repräsentieren,
denn Ihr Gehirn lernt von Natur aus intensiver, wenn es gezwungen ist, selbst zu
analysieren und zu beurteilen.
Wir haben Herausforderungen eingefügt: in Form von Übungen und indem wir Fragen stellen,
auf die es nicht immer eine eindeutige Antwort gibt, denn Ihr Gehirn ist darauf eingestellt, zu
lernen und sich zu erinnern, wenn es an etwas arbeiten muss. Überlegen Sie: Ihren Körper bekommen
Sie ja auch nicht in Form, wenn Sie nur die Leute auf dem Sportplatz beobachten. Aber wir haben
unser Bestes getan, um dafür zu sorgen, dass Sie – wenn Sie schon hart arbeiten – an den richtigen
Dingen arbeiten. Dass Sie nicht einen einzigen Dendriten darauf verschwenden, ein schwer
verständliches Beispiel zu verarbeiten oder einen schwierigen, mit Fachbegriffen gespickten oder
übermäßig gedrängten Text zu analysieren.
Wir haben Menschen eingesetzt.
In Geschichten, Beispielen, Bildern usw. – denn Sie sind ein
Mensch. Und Ihr Gehirn schenkt Menschen mehr Aufmerksamkeit als Dingen.
Lies mich
Dies ist ein Lehrbuch, keine Referenz. Wir haben mit Absicht alles weggelassen, was
Ihnen dabei in die Quere kommen könnte, das zu lernen, was auch immer wir an einem
bestimmten Punkt gerade behandeln. Und wenn Sie das Buch das erste Mal durchhaben,
müssen Sie wieder am Anfang beginnen, weil das Buch Annahmen darüber macht, was
Sie bereits gesehen und gelernt haben.
Die Aktivitäten sind NICHT optional.
Die Übungen und Aktivitäten sind keine Zusätze.

Sie sind ein wesentlicher Bestandteil
des Buchs. Einige sollen Ihr Gedächtnis unterstützen, andere Ihr Verständnis wecken
und wieder andere werden Ihnen helfen, das Gelernte anzuwenden.
Überspringen Sie
die Übungen nicht. Die Kreuzworträtsel sind das Einzige, was Sie nicht tun müssen,
sind aber eine gute Möglichkeit, Ihrem Hirn eine Chance zu geben, über die Wörter und
Begriffe, die Sie gelernt haben, in einem anderen Kontext nachzudenken.
Die Redundanz ist beabsichtigt und wichtig.
Eins der Dinge, das ein Von Kopf bis Fuß-Buch so anders macht, ist, dass wir möchten,
dass Sie die Sache wirklich verstehen.

Und wir möchten, dass Sie, wenn Sie das Buch
durchgearbeitet haben, behalten, was Sie gelernt haben. Die meisten Referenzbücher
zielen nicht auf Behalten und Erinnern ab, aber in diesem Buch geht es ums Lernen,
deswegen werden Ihnen manche Konzepte auch mehrfach begegnen.
Machen Sie alle Übungen!
Als wir dieses Buch schrieben, sind wir von einer wichtigen Voraussetzung ausgegangen:
dass Sie wirklich lernen möchten, wie man programmiert. Wir wissen also, dass
Sie sich die Hände von Anfang an beim Wühlen in Code schmutzig machen wollen.
Wir bieten Ihnen eine Menge Möglichkeiten, Ihre Fähigkeiten zu schärfen, indem wir
in jedes Kapitel Übungen einschließen. Einige haben wir mit »Tun Sie das!« beschriftet
– wenn Sie darauf stoßen, bedeutet es, dass wir Sie durch alle Schritte zur Lösung eines
bestimmten Problems leiten.

Stoßen Sie aber auf das Übung-Logo mit den Turnschuhen,
haben wir Ihnen die Lösung eines großen Happens des Problems überlassen und
präsentieren Ihnen anschließend die Lösung, die wir gefunden haben. Haben Sie keine
Angst, einen Blick auf die Lösung zu werfen –
das ist kein Mogeln! Aber am meisten
lernen Sie, wenn Sie versuchen, das Problem erst selbst zu lösen.
Zu den Kopfnuss-Übungen gibt es keine Lösungen.
Für manche dieser Übungen gibt es keine richtige Lösung, und bei anderen gehört es
zum Lernprozess der Kopfnuss-Aktivitäten, dass Sie selbst überlegen, ob und wann Ihre
Lösungen richtig sind. Bei einigen Kopfnuss-Übungen finden Sie Hinweise, die Sie in die
richtige Richtung lenken.