Das Kochbuch für Geeks
Oder: "Kochen ist auch nicht schwerer als Programmieren"
In der beliebten Kochbuch-Reihe gibt es nun endlich eines, das sich wirklich mit Kochen beschäftigt: Das Kochbuch für Geeks. Zwei Geeketten haben darin knapp 100 Rezepte und viele Tipps versammelt, die speziell auf die Bedürfnisse von Computerfreaks eingehen. Im Interview verraten sie ihre schlimmsten Kochbugs und -katastrophen, geben Tipps für persönliche Build-Prozesse und nennen ihre Lieblings-Kochblogs. Außerdem in diesem Special: die Videoanleitung zum Omelettbacken ohne Pfanne, Referenzkarte zum Buch, Rezeptewettbewerb und vieles mehr!
Top Five Foodblogs
- Chili & Ciabatta
- Tigers & Strawberries
- Culinary in the Desert
- Foodfreak (von Mela nominiert, da Petras Blog)
- Cooking Cute
Die O'Reilly Verlag GmbH haftet nicht für Inhalte externer Webseiten.
Top Five Rezepte
- Asiatischer Thunfischsalat (im Buch)
- Linguine in Zitronen-Parmesan-
Sahne-Sauce
- Victoriabarsch mit grünem Babyspargel
- Möhrenkuchen aus dem Mixer
- T-Bone-Steak mit Pfeffer und Rosmarin
Kochtipps für Anfänger
- Auch wenn es vielleicht banal klingt, ist unser wichtigster Tipp: Eieruhr benutzen! (nicht nur für Eier, natürlich) - oder kteatimer oder die Weckerfunktion vom Handy oder was auch immer.
Petra schrubbt immer noch an den Rückständen von in einem Emailtopf produzierter Reiskohle, und auch die Olivenöl-Ausräucherung der Küche hätte durch Daneben-stehen-bleiben oder wenigstens einen Kurzzeitwecker vermieden werden können - die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.
- Koche nie, nie, NIE Salzkartoffeln :-)
- Wenn man etwas Neues ausprobiert, das Rezept vorher unbedingt lesen, und zwar bis zum Ende, am besten zweimal, sich die einzelnen Zubereitungsschritte vergegenwärtigen, wenn nötig, einen einfachen Plan machen, was zuerst gemacht werden muss. Sonst steht man eine Stunde vor dem Abendessen in der Küche und stellt fest, dass die Sauce drei Stunden hätte köcheln müssen, der Teig zwei Stunden gehen und man genau jetzt die Zwiebeln gebraucht hätte, die noch ungeschält und unzerteilt im Schrank liegen...
- Gerichte mit Tomaten gewinnen an Geschmack, wenn man etwas Zucker zugibt - im Fall des Tomatensalats reicht auch schon mal die Süße des Balsamico aus dem Dressing.
- Ein Bratenthermometer ist nicht nur für absolute Kochgeeks sinnvoll, sondern auch für weniger erfahrene Köche. Am besten wählt Ihr eines, bei dem die Mindesttemperatur, die z.B. Geflügel oder Rind im Kern haben sollte, direkt auf der Skala angezeichnet ist.
"Jede versalzene Suppe macht auch den Koch-Geek besser"
Im Gespräch mit Mela Eckenfels und Petra Hildebrandt, den Autorinnen von "Das Kochbuch für Geeks"
Ein Kochbuch zu schreiben, ist nicht ungewöhnlich. Dieses Kochbuch aber einem Computerbuchverlag anzubieten, schon. Erzählt ein bisschen über die Idee - wolltet Ihr das Ernährungsniveau unter den Geeks steigern?
Petra (zieht eine schwarze Ray-Ban auf):
Klar, wir sind unterwegs im Namen des Herrn. - Nein, Spaß beiseite oder vielmehr nicht: es liegt uns fern, irgendwem Ernährung oder so was vermitteln zu wollen.
Warum schreibt man ein Kochbuch? Weil das Kochen Spaß macht und weil man den Spaß mit anderen teilen möchte.
Mela (fasst sich beim Aufsetzen auf das Glas ihrer Ray-Ban und fängt dann erst mal wild zu putzen an):
Grundsätzlich kam uns die Idee bei der Arbeit am LARP-Kochbuch, als wir beim Testen von schnellen Rezepten für Schlachten-LARPs erkannten, dass diese auch im Geek-Alltag nützlich wären. Außerdem wäre die O'Reilly Kochbuch-Reihe ohne ein echtes Kochbuch doch nicht komplett, oder?
Omelett ohne Pfanne? So geht's!
Link: sevenload.com
Für viele Köche, besonders für die ungeübten, ist Kochen schon eine logistische Herausforderung: Mehrere Zutaten müssen besorgt, zubereitet und angerichtet werden. Und alles braucht unterschiedlich lang - muss aber gleichzeitig auf den Teller. Wie erging es Euch beim Test-Kochen?
Petra:
Die Logistik ist auf jeden Fall eine Herausforderung. Wir haben uns bemüht, im Buch Tipps und Tricks dazu einzubinden, vom Einkaufszettel bis zur Routenplanung im Supermarkt, Aber natürlich sind auch wir ganz normal verpeilte Geeks, die am Sonntag feststellen, dass $lebenswichtigeHauptzutat vergessen wurde, oder denen der Reis im Topf zu Kohle verschmort, weil sie schnell noch eben im IRC...
Mela:
...und für die jeder Gang zum Supermarkt außerdem eine Qual ist, weil es dort meist zu hell, zu laut, zu bunt, zu eng und überhaupt zu nervenaufreibend ist. Und was Unfälle angeht:
http://www.mela.de/archives/326-Opfer-an-die-heilige-Culinaria.html ...
Petra:
Was uns noch so zugestoßen ist, geek-typische Kochunfälle also, findet man auch im Buch verstreut. Das Wichtigste in so einer Situation ist, es mit Humor zu nehmen und was draus zu lernen - nicht nur bei Kochanfängern geht mal was daneben, sondern auch bei Profis. Ob es Vincent Klink ist, der rät, wenn der Pfannkuchen ein wenig schwarz geworden ist, dann eben Puderzucker drauf zu streuen, ein berühmter Fernsehkoch und Patissier einen verbrannten Kuchen vor laufender Kamera in die Tonne befördert, oder Horst Lichter das "flachste Soufflé Europas" macht - niemand ist vor kleinen und großen Bugs gefeit.
Mela:
Kein Geek würde je eine Programmiersprache erlernen und von sich erwarten, dass er schon beim ersten Testprogramm alles darüber weiß, wie man Memory-Leaks verhindert. Jeder Systemadministrator hat schon mal einen mehr oder weniger großen GAU verursacht. Doch scheint ein vor den Gästen verbrannter Braten ein grauenvolles Drama zu sein, während man beim Programmieren aus dem Fehler lernt und weitermacht.
Jedes vermatschte Nudelgericht, jede versalzene Suppe macht auch den Koch-Geek besser.
Euer Kochbuch lebt ganz besonders von den Variationen, die Ihr den Köchen offen lasst. Liegt in der Maxime "Viele Wege führen zum individuellen Ziel" die Gemeinsamkeit mit dem Programmieren?
Gemeinsamkeiten mit dem Programmieren gibt es viele. Beim Kochen müssen bestimmte Programmschritte zwingend erfolgen, ehe andere stattfinden können. Man muss sich im Idealfall vorher überlegen, was man erreichen will, und seine Einkäufe/Variablen entsprechend wählen.
Trotzdem gibt es persönliche Vorlieben und Abneigungen - wenn ich keine Kapern mag, kann ich trotzdem ein Rezept für Hackbällchen in Kapern-Tomaten-Sauce machen und feststellen, dass die Version mit grünem Pfeffer ganz toll schmeckt - oder die Lösung die ich für ein Problem gefunden habe, in keinem Programmierhandbuch steht - aber gerade deshalb toll und elegant außerdem ist...
Mela:
Ja. Ich denke gerade viele Gelegenheitsköche fühlen sich von klassischen Kochbüchern entweder gegängelt oder überfordert. Einmal erreicht man nie das perfekte Aussehen der Hochglanzrezepte (was auch gar nicht gelingen kann, kennt man erst einmal die Tricks der Food-Fotografen) und zweitens stellt sich einfach oft das Problem, dass in einem normalen Haushalt Spezialzutaten gar nicht vorhanden sind.
Die Frage 'Kann ich Zutat X nicht durch Y ersetzten' stellt sich automatisch, wenn man versucht solche Rezepte nachzukochen. Meistens lautet die Antwort 'Ja, man kann.' und schon hat man einen eigenen Weg zum Ziel erschaffen.
Zum Beispiel hielt ich eine Sauce Hollandaise lange Jahre für eine aufwendige Geschichte, die man ewig und vorsichtig im Wasserbad rühren muss, ohne Gelinggarantie. Dann zeigte mir Petra die Version der Hollandaise, die sich auch im Kochbuch findet. Seitdem ist das eine relativ schnelle Sache, die mit geschmacksgebenden Zutaten als Grundrezept für viele verschiedene Saucen geeignet ist.
Man kann es mit dem Mathematik-Unterricht vergleichen. Monatelang rechnet man an einem Problem um 10 Ecken herum und dann bekommt man endlich die Formel gezeigt, mit der sich die Rechnung auf eine Zeile verkürzt.
Die Fragen stellte Corina Lange.